Der Artikel thematisiert die gegenwärtige Legitimitätskrise der Demokratie trotz ihrer verfassungsrechtlichen Stabilität. Schlag diagnostiziert eine grundsätzliche Unzufriedenheit mit demokratischen Systemen, die sich in Politikverdrossenheit, antidemokratischen Bewegungen und populistischen Tendenzen manifestiert. Er führt diese Entwicklung auf unzureichende gesellschaftliche Kohäsion und manipulative Medieneinflüsse zurück und beschreibt dies als Glaubwürdigkeitsfalle des demokratischen Systems insgesamt. Der Autor stellt fest, dass traditionelle nationalstaatliche Demokratien einer neuen Legitimationsbasis bedürfen und verweist auf den Zusammenhang zwischen Demokratie und Bildung, wie ihn John Dewey früh etabliert hat. Für die Religionspädagogik ergibt sich daraus die zentrale Aufgabe, religiöse Bildung mit demokratischen Bildungszielen zu verbinden. Dies betrifft die institutionelle Verortung, inhaltliche Behandlung und konkrete didaktische Umsetzung religiöser Bildungspraxis. Der Artikel definiert Demokratie nicht nur als Herrschaftssystem mit Gewaltenteilung, sondern als Lebensform, die der aktiven Zustimmung und Mitwirkung ihrer Bürger bedarf. Demokratische Bildung muss daher über Wissensvermittlung hinausgehen und demokratische Tugenden wie diskursive Kritikfähigkeit, Partizipation und Chancengleichheit einüben. Schlag betont die Notwendigkeit interdisziplinärer Forschung zwischen Theologie, Pädagogik, Politikwissenschaft und Gesellschaftsphilosophie. Abschließend wird deutlich, dass religiöse Bildung durch ihre pluralitätsoffene Ausrichtung einen glaubwürdigen Beitrag zu einer demokratischen Bildungskultur leisten kann, die an verschiedenen Bildungsorten altersgerecht ausdifferenziert werden muss.