Der Artikel behandelt Jugendkirchen als Reaktion auf die wachsende Distanz zwischen Kirche und Jugendlichen seit den 1990er Jahren. Jugendkirchen entstanden zunächst im englischsprachigen Raum als eigenständige Gemeindepflanzungen und verbreiteten sich später im deutschsprachigen Raum, wo 2017 etwa 315 Jugendkirchen verzeichnet wurden. Der Artikel unterscheidet drei konzeptionelle Grundformen: raumorientierte Jugendkirchen, die einen "Resonanzraum des Heiligen" schaffen, gemeindeorientierte Jugendkirchen mit Fokus auf jugendgerechte Gottesdienste und Gemeinschaft, sowie Gemeindegründungen basierend auf Evangelisation in bestimmten Jugendszenen. Allen Konzepten gemeinsam ist das missionarische Anliegen, das Evangelium unter Berücksichtigung der Lebenswelt junger Menschen zu kommunizieren und diesen als Subjekte Raum zur Selbstgestaltung zu geben. Konstitutive Merkmale sind regelmäßige Gottesdienste, aktives Handeln junger Menschen, emotionale Glaubenserfahrbarkeit und Bezug zur Jugendkultur. Praktisch werden Jugendkirchen durch vielfältige kulturelle Angebote, Kurse und sozialdiakonische Projekte ergänzt. Der Artikel behandelt auch theoretische und praktische Herausforderungen: Jugendkirchen fungieren als "Forschungslabore" und werden in Milieu- und Lebenswelt-Theorien untersucht. Kritisch diskutiert werden die emotionale Debatte um Kirchenraumnutzung, die Frage einer verantworteten Kulturtheologie und die kirchenrechtliche und theologische Stellung von Jugendkirchen als eigenständige Gemeindeformen neben der Parochie. Umstritten ist auch, ob zeitlich begrenzte, zielgruppenorientierte "Gemeinde auf Zeit" vollgültige Gemeinde darstellt und welcher finanzielle Aufwand für solche Modelle gerechtfertigt ist.