Der vorliegende Lexikonartikel behandelt die Geschichte der Kirchen in der DDR und ihre Nachwirkungen auf die gegenwärtige deutsche Gesellschaft. David Käbisch weist zunächst auf die anhaltenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland hin, die sich in Feierkultur, Kirchenmitgliedszaften und Religionsunterricht manifestieren. Diese Unterschiede werden als Langzeitfolgen der kirchenfeindlichen Politik der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands interpretiert, die durch Diskriminierung von Christen bei Schul- und Berufswahl zu religiösen Traditionsbrüchen führte. Der Artikel empfiehlt den Einsatz von Filmen wie "Sonnenallee", "Good bye, Lenin!" und "Das Leben der Anderen" als didaktische Zugänge zur Vermittlung dieser Geschichte. Als theoretischen Rahmen nutzt Käbisch die siebenteilige Gliederung von Rudolf Mau, die die protestantische Geschichte von 1945 bis 1990 in Phasen unterteilt. Der Text behandelt auch die Kontinuitäten und Brüche zwischen der NS-Diktatur und der DDR-Herrschaft, besonders bezüglich der Schulpolitik und des Religionsunterrichts. Während die NS-Zeit Religionsunterricht schrittweise abschaffte, verfolgte die DDR eine subtilere Säkularisierungsstrategie. Der Autor betont die Notwendigkeit historischen Wissens, um zeitgenössische Phänomene wie unterschiedliche Konfirmations- und Jugendweihepraktiken sowie die Persistenz säkularisierter Weihnachtskulturen im Osten zu verstehen. Die gut erforschte Kirchengeschichte der DDR wird durch Überblickswerke von Lepp, Greschat und Mau dokumentiert, die eine fundierte Grundlage für schulischen Unterricht bieten.