Der Artikel von Irene Dietzel behandelt die ethnologische Perspektive auf das Natur-Kultur-Verhältnis, das die zentrale Frage nach Universalien und Spezifika menschlicher Kulturen stellt. Die Ethnologie wird als Verbindungsfeld zwischen empirischer Feldforschung und theoretischer Anthropologie verstanden, die teilnehmende Beobachtung mit deduktivem Denken kombiniert. Der Autor referiert Glackens historische Analyse von drei großen europäischen Ideen: die teleologische Schöpfungsidee, der Determinismus von Natur auf Kultur, und die menschliche Gestaltungskraft über Natur. Mit Darwins Evolutionstheorie entsteht im 19. Jahrhundert ein Paradigmenwechsel, der die lineare Entwicklung von Mensch und Kultur in den Mittelpunkt rückt und zur Gründung ethnologischer Lehrstühle führt. Die frühe Ethnologie betont gegen Polygenismus die kulturelle Einheit der Menschheit und sucht nach anthropologischen Konstanten, wobei Tylor 1871 Kultur als komplexes System von Wissen, Glauben, Kunst und Brauch definiert. Der Artikel hebt hervor, dass ethnologisches Wissen für die Religionspädagogik relevant ist, da es zeigt, wie rituelles Handeln und Weltanschauung zusammenhängen, ohne dabei primär nach Religion zu fragen. Dies ermöglicht eine Schärfung von Begriffen, die Religion in ihren soziokulturellen und ökologischen Verflechtungen erfassen. Besonders die Kritik am unpassenden Begriff der "Naturreligion" verdeutlicht, dass außereuropäische Weltbilder nicht mit westlichen Kategorien verstanden werden können. Der Artikel argumentiert weiter, dass historische Anthropologie zunehmend in religionspädagogischen Reflexionen zur Christologie und Mensch-Gott-Beziehung Anwendung findet. Abschließend betont der Autor den Bildungswert sozial-ökologischer Zukunftskompetenzen für den Menschen im Anthropozän.