Michael Schramm analysiert die Transformation des Verständnisses von Politischer Ökonomie über mehr als zwei Jahrtausende hinweg. In der antiken Philosophie, besonders bei Aristoteles, bildeten Ethik, Politik und Ökonomie eine natürliche hierarchische Einheit, wobei die Hauswirtschaft (oikonomia) natürgemäße Grenzen respektieren sollte, im Gegensatz zur widernatürlichen grenzenlosen Geldvermehrung (chrematistiké). Mit der Neuzeit entstand eine Maschinenmetapher der Wirtschaft, die bei Thomas Hobbes und explizit bei Adam Smith zu sehen ist. Smith verstand die Marktmaschinerie als durch eine unsichtbare Hand reguliert, behielt aber einen moralischen Zweck bei und entwickelte sein Konzept bewusst als Politische Ökonomie. John Stuart Mill betonte die Verbindung zur moralischen und sozialen Wissenschaft und verstand Politische Ökonomie als Mittelding zwischen Wissenschaft und Kunstlehre. Die neoklassische Ökonomik jedoch radikalisierte die Maschinenmetapher und orientierte sich methodisch an der Physik, wodurch sie bewusst alle normativen und politischen Bezüge eliminierte. Damit verschwand der Begriff der Politischen Ökonomie de facto, obwohl er nominal noch verwendet wurde. Der Autor kritiert diesen Purifizierungsprozess und argumentiert, dass die Finanzkrise von 2008 die Folgen dieser Abkopplung der Ökonomie von gesellschaftlichen Prozessen, Ethik und Politik deutlich gemacht hat. Er plädiert für eine Rückkehr zu einer politisch eingebetteten Ökonomie, die auch wirtschaftsethische und religiöse Dimensionen berücksichtigt und damit die zweitausendjährige Tradition eines integrierten Verständnisses wiederaufgreift.