Der Artikel analysiert den Begriff Populismus, der sich etymologisch vom lateinischen populus ableitet und die Übersteigerung einer politischen Grundeinstellung bezeichnet. Populistische Bewegungen wenden sich gegen herrschende Eliten, behaupten den wahren Volkswillen zu vertreten und bieten vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme an. Der Begriff ist zumeist negativ konnotiert und wird als Kampfbegriff gegen politische Gegner verwendet, wobei Populisten oft als irrational und demagogisch charakterisiert werden. Allerdings kritisieren die Autoren die scharfe Trennung zwischen rationalen und affektiven Argumenten, da populistische Positionen oft dem Common sense vieler Menschen entsprechen. Der Populismusbegriff wird im öffentlichen Diskurs unscharf verwendet und ist kaum konsistent definiert, wie die Beispiele verschiedener politischer Akteure zeigen. Historisch entstand der Begriff Ende des 19. Jahrhunderts zur Beschreibung von Bauernbewegungen in den USA und radikalen Bewegungen in Russland und Lateinamerika. Im deutschen Sprachraum etablierte sich der Begriff erst seit den 1960er-Jahren und erfuhr durch rechtspopulistische Parteien und die Migrationskrise ab 2015 eine Aufwertung. Die verbindende Minimaldefinition ist die dichotome Struktur zwischen Volk und Elite, wobei populistische Akteure sich auf Seiten des Volkes positionieren. Rechtspopulisten konstruieren ethnisch aufgeladene Gegensätze zu Zugewanderten, während Linkspopulisten die Konfrontation zwischen einfachem Volk und Wirtschaftseliten betonen. In Europa wird Populismus überwiegend negativ bewertet, während er in den USA und Lateinamerika als wertfreier Politikstil gilt. Die wissenschaftliche Debatte dreht sich mittlerweile weniger um die Grundstruktur als vielmehr um die Frage, ob Antipluralismus ein zusätzliches notwendiges Merkmal darstellt.