Der Artikel untersucht die Implementierung und theoretische Fundierung leichter und einfacher Sprache in religionspädagogischer Praxis. Andrea Schulte zeigt anhand von Beispielen aus Gottesdiensten und Gemeindekommunikation, dass Sprachvereinfachung bereits vielfältig genutzt wird, ihre theoretische Reflexion aber noch ausbaufähig ist. Historisch wird die Bewegung auf die US-amerikanische Selbstbestimmungsbewegung der 1970er Jahre sowie die europäische Initiative Inclusion Europe zurückgeführt. Im deutschsprachigen Raum kodifizieren Netzwerke wie das Netzwerk Leichte Sprache circa 40 Regeln zur sprachlichen und typografischen Gestaltung. Während leichte Sprache ein sehr einfaches Sprachniveau mit strengen Kriterien verfolgt (maximal 12 Wörter pro Satz, Aktiv statt Passiv, verzicht auf Metaphern), orientiert sich einfache Sprache an alltagssprachlichen Strukturen mit flexibleren Vorgaben. Beide Varianten dienen der Barrierefreiheit, sollen aber nicht zu sprachlicher Segregation führen, sondern Anschluss an die Gesamtkommunikation gewährleisten. Der Ansatz adressiert zwar initial Menschen mit Lernbehinderungen, wurde aber sukzessive auf Analphabeten, Migranten, Menschen mit Fluchterfahrungen und Demenzerkrankungen erweitert. Schulte argumentiert, dass leichte und einfache Sprache zentral für inklusive Religionspädagogik sind, deren Potenziale für Forschung und Praxis jedoch noch nicht ausgeschöpft sind, insbesondere hinsichtlich mündlicher Kommunikation und religionsdidaktischer Anwendung.