Wirtschaftsethik ist eine Bereichsethik, die sich als angewandte Ethik mit wirtschaftlichen Funktionsbereichen, konkreten ökonomischen Prozessen und Handlungsträgern befasst. Sie entwickelt normative Konzepte und Handlungsregulativen für wirtschaftliches Planen und Handeln, wobei Unternehmensethik als Teilgebiet spezifische Konzepte für einzelne Unternehmen bereitstellt. Die Disziplin ist zwischen theoretischer Ethik und empirischen Wirtschaftswissenschaften angesiedelt und muss fundiertes empirisches Wissen mit normativen Ansprüchen verbinden. Diese Spannung zwischen affirmativer Erfahrung und kritischer normaler Reflexion erweist sich als konstruktiv, wenn Wirtschaft und Ethik als Reflexionsbegriffe verstanden werden. Zentrale Aufgaben sind die Begründung ethischer Normen, die empirische Erklärung tatsächlichen Handelns und die Gestaltung wirtschaftsethischer Praxis. Der Artikel identifiziert in der Marktwirtschaft Schlüsselthemen wie Kosten-Nutzen-Optimierung, Rationalitätsprinzip, Gerechtigkeit und Umweltverantwortung. Wirtschaftsethik tritt sowohl als explizite theoriegeleitete Ethik als auch als implizite Ethik auf, die unbewusst Entscheidungsfindung beeinflusst. Bildungskonzepte sollten nicht nur Steuerungssysteme, sondern auch Unternehmen und individuelle Akteure adressieren. Der Autor kritisiert eine Theorievergessenheit bei der Umsetzung wirtschaftsethischer Impulse und fordert die Religionspädagogik auf, Konzepte ethischer Bildung in unternehmerischen Kontexten zu entwickeln.