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Katholische Akademie Bayern

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Transformation als kenotisches Dasein

Kenosis, Netzwerk und Gastlichkeit als Perspektiven kirchlicher Erneuerung

Veröffentlichung:1.9.2026

Der Fachartikel wurde von Bernd Hillebrand unter dem Titel „Transformation als kenotisches Dasein. Kenosis, Netzwerk und Gastlichkeit als Perspektiven kirchlicher Erneuerung“ verfasst und erschien in der Zeitschrift zur debatte, Ausgabe 3/2026, auf den Seiten 30 bis 34. Der Beitrag umfasst fünf Seiten und beschäftigt sich mit der grundlegenden Erneuerung der Kirche angesichts gesellschaftlicher Veränderungen, institutioneller Krisen und zunehmender Verlusterfahrungen. Im Mittelpunkt stehen die theologischen Probleme des kirchlichen Machtverlustes, des Verhältnisses von institutioneller Bewahrung und grundlegender Transformation sowie der Frage, wie sich die Selbstentäußerung Gottes in Jesus Christus als Vorbild für kirchliches Handeln verstehen lässt. Ausgehend vom theologischen Begriff der Kenosis entwickelt der Autor die Vorstellung einer Kirche, die auf Macht und Kontrolle verzichtet, Beziehungen ermöglicht und sich durch Gastlichkeit, Solidarität und soziale Vernetzung auszeichnet. Der Artikel verbindet christologische und pastoraltheologische Fragestellungen mit soziologischen Gesellschaftsanalysen und zeigt Perspektiven für eine Kirche auf, die ihre Zukunft nicht vorrangig in der Erhaltung bestehender Strukturen, sondern in einer neuen Haltung der Offenheit und gemeinschaftlichen Verantwortung sucht.

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Der Theologe Bernd Hillebrand beschäftigt sich in seinem Fachartikel mit der Frage, wie sich Kirche angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen grundlegend erneuern kann. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Beobachtung, dass viele gegenwärtige Ansätze der Kirchenentwicklung vor allem darauf ausgerichtet sind, bestehende kirchliche Institutionen zu erhalten und deren gesellschaftlichen Bedeutungsverlust aufzuhalten. Der Autor unterscheidet dabei zwischen bloßen Veränderungsmaßnahmen und einer wirklichen Transformation. Während Veränderungsmaßnahmen versuchen, bestehende Strukturen an neue gesellschaftliche Bedingungen anzupassen, bedeutet Transformation eine grundlegende Veränderung sowohl der äußeren Organisationsformen als auch des inneren Selbstverständnisses. Hillebrand vertritt die These, dass eine solche Transformation tief im christlichen Glauben verwurzelt ist und sich theologisch als kenotisches Dasein beschreiben lässt. Damit verbindet er die Vorstellung einer Kirche, die bereit ist, Kontrolle und Macht abzugeben, sich auf Unsicherheiten einzulassen und neue Formen menschlicher Gemeinschaft zu ermöglichen.

Zur Begründung seiner Überlegungen greift der Autor zunächst auf soziologische Analysen der Gegenwart zurück. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Soziologe Zygmunt Bauman, der die moderne Gesellschaft als flüchtige oder verflüssigte Moderne beschreibt. Gemeint ist eine Gesellschaft, in der traditionelle Ordnungen, feste Bindungen und langfristige Gewissheiten zunehmend an Stabilität verlieren. Lebensformen, gesellschaftliche Institutionen und soziale Beziehungen werden flexibler, verändern sich schneller und lassen sich immer weniger eindeutig bestimmen. Hillebrand erläutert, dass diese Entwicklung unterschiedliche Bedeutungen besitzt. Verflüssigung kann einerseits die Auflösung bestehender Strukturen und den Verlust bisheriger Sicherheiten bedeuten. Andererseits eröffnet sie neue Möglichkeiten, weil bisher gebundene Ressourcen freigesetzt und neue Formen gesellschaftlicher Zusammenarbeit entwickelt werden können. Die zunehmende Uneindeutigkeit gesellschaftlicher Verhältnisse führt jedoch häufig zu Verunsicherung und dem Wunsch nach klaren Antworten. Der Autor weist darauf hin, dass solche Sehnsüchte nach Eindeutigkeit auch problematische Folgen haben können, wenn komplexe gesellschaftliche Entwicklungen durch vereinfachende oder autoritäre Erklärungsmuster bewältigt werden sollen.

Eng mit dieser gesellschaftlichen Verflüssigung verbunden ist nach Hillebrand die Erfahrung von Verlust. Hierzu greift er auf die Überlegungen des Soziologen Andreas Reckwitz zurück, der Verlusterfahrungen als grundlegendes Problem der modernen Gesellschaft beschreibt. Die Moderne war lange durch die Erwartung geprägt, dass gesellschaftlicher Fortschritt zu einer stetigen Verbesserung menschlicher Lebensbedingungen führen werde. Dieses Fortschrittsversprechen verliert jedoch zunehmend an Überzeugungskraft. Gesellschaftliche Krisen, Unsicherheiten und der Verlust vertrauter Lebensformen machen deutlich, dass Entwicklung nicht zwangsläufig Verbesserung bedeutet. Auch die Kirchen sind von solchen Verlusterfahrungen betroffen. Hillebrand beschreibt insbesondere den Verlust gesellschaftlicher Macht, moralischer Autorität, institutioneller Steuerungsmöglichkeiten und öffentlicher Anerkennung. Die katholische Kirche habe ihre frühere gesellschaftliche Stellung eingebüßt, wobei insbesondere die Missbrauchsskandale zu einem erheblichen Vertrauensverlust beigetragen hätten. Zugleich verliere die Kirche ihre bisherige Sonderstellung als Vermittlerin religiöser und spiritueller Erfahrungen, da Menschen zunehmend auch außerhalb kirchlicher Institutionen nach Sinn, Spiritualität und religiöser Orientierung suchen.

Neben diesen äußeren Veränderungen beschreibt der Autor auch innere Verlusterfahrungen kirchlicher Mitarbeitender. Traditionelle Berufsbilder verändern sich, gesellschaftliche Anerkennung nimmt ab und bisherige Formen pastoraler Arbeit verlieren an Wirksamkeit. Trotz erheblicher Anstrengungen gelingt es vielerorts nicht mehr, Menschen dauerhaft an kirchliche Angebote zu binden. Diese Entwicklungen können Enttäuschung, Trauer und Orientierungslosigkeit hervorrufen. Hillebrand betont jedoch, dass die bewusste Wahrnehmung solcher Verluste eine wichtige Voraussetzung für Veränderung sein kann. Erst wenn die Kirche bereit ist, ihre Verlusterfahrungen anzuerkennen, kann sie neue Perspektiven entwickeln. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Frage, wie verlorene Strukturen wiederhergestellt werden können, sondern wie aus dem Umgang mit Verlust eine neue Form kirchlicher Existenz entstehen kann.

Den theologischen Mittelpunkt des Artikels bildet das Konzept der Kenosis. Der Begriff bezeichnet die freiwillige Selbstentäußerung Gottes, die nach christlichem Verständnis in der Menschwerdung Jesu Christi sichtbar wird. Hillebrand bezieht sich hierbei insbesondere auf den Christushymnus im Philipperbrief, in dem beschrieben wird, wie Christus auf göttliche Vorrechte verzichtet und menschliche Existenz annimmt. Die Menschwerdung Gottes wird damit als bewusste Hinwendung zu den Bedingungen und Risiken menschlichen Lebens verstanden. Gott begibt sich in die Verletzlichkeit menschlicher Existenz, ohne diese durch Macht und Kontrolle aufzuheben. Der Autor interpretiert diese Selbstentäußerung als grundlegendes theologisches Modell für Transformation. Menschliches Leben ist stets mit Unsicherheit, Freiheit, Verletzlichkeit und der Möglichkeit des Scheiterns verbunden. Gerade in der Bereitschaft, diese Bedingungen anzunehmen und sich auf Beziehungen einzulassen, erkennt Hillebrand eine wesentliche Voraussetzung gelingenden Menschseins.

Die Kenosis beschreibt für den Autor deshalb nicht lediglich einen einzelnen Vorgang der Heilsgeschichte, sondern eröffnet eine umfassende Perspektive auf menschliche Existenz und christliches Handeln. Transformation bedeutet in diesem Zusammenhang, sich selbst und andere nicht vollständig kontrollieren zu wollen, sondern Freiheit zu ermöglichen und die Unverfügbarkeit menschlicher Beziehungen anzuerkennen. Gott entäußert sich nach diesem Verständnis nicht, um seine Macht auf andere Weise durchzusetzen, sondern um anderen Menschen Raum zur Entfaltung zu geben. Hillebrand verbindet diese Vorstellung mit dem trinitarischen Gottesverständnis, in dem die Beziehung zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist als Grundlage göttlichen Handelns erscheint. Die Menschwerdung Jesu wird somit als Ausdruck einer Beziehung verstanden, die von Vertrauen, Hingabe und gegenseitiger Verbundenheit geprägt ist.

Zur weiteren theologischen Vertiefung greift der Autor auf Überlegungen des französischen Philosophen und Theologen Jean Luc Marion zurück. Dieser versteht die Selbstentäußerung Gottes im Zusammenhang von Gabe, Hingabe und selbstloser Liebe. Eine echte Gabe zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht an Bedingungen geknüpft wird und keinen Anspruch auf eine entsprechende Gegenleistung erhebt. Wer etwas gibt, muss deshalb bereit sein, auf Kontrolle über die Wirkung seiner Gabe zu verzichten. Die Freiheit des anderen Menschen bleibt gewahrt, auch wenn dies bedeutet, dass die eigene Hingabe möglicherweise nicht erwidert wird. Für Hillebrand liegt darin eine wesentliche Dimension kenotischen Daseins. Christliches Handeln soll nicht vorrangig auf Nutzen, Erfolg oder institutionelle Vorteile ausgerichtet sein, sondern aus einer Haltung der bedingungslosen Anerkennung des anderen Menschen entstehen.

Gleichzeitig macht der Autor auf die Spannungen und Gefahren eines solchen Verständnisses aufmerksam. Selbstentäußerung darf nicht mit grenzenloser Selbstaufgabe oder einer unkritischen Unterordnung unter fremde Interessen verwechselt werden. Ebenso wenig darf der bewusste Verzicht auf Macht zu einer verdeckten Strategie werden, mit der Menschen auf andere Weise beeinflusst oder kontrolliert werden sollen. Hillebrand beschreibt deshalb eine grundlegende Spannung zwischen Selbstfürsorge und Selbstentmächtigung. Kenotisches Dasein bedeutet, diese Spannung auszuhalten, ohne sie durch einfache Lösungen aufzuheben. Voraussetzung dafür sind Vertrauen, gewachsene Beziehungen und die Bereitschaft, die Freiheit anderer Menschen tatsächlich anzuerkennen. Eine Kirche, die sich an diesem theologischen Verständnis orientiert, muss deshalb Räume schaffen, in denen Begegnung, gegenseitige Unterstützung und solidarisches Handeln möglich werden, ohne dass deren Ergebnisse vollständig vorherbestimmt werden.

Aus dieser theologischen Grundlegung entwickelt Hillebrand seine Vorstellung einer Kirche, die sich zunehmend in Form sozialer Netzwerke organisiert. Er greift dazu auf soziologische Überlegungen von Bruno Latour zurück, der gesellschaftliche Wirklichkeit als ein Geflecht unterschiedlicher Beziehungen beschreibt. In einer Gesellschaft, deren traditionelle Strukturen zunehmend an Stabilität verlieren, entstehen Gemeinschaften häufig nicht mehr ausschließlich durch dauerhafte institutionelle Zugehörigkeit. Menschen verbinden sich vielmehr aufgrund gemeinsamer Interessen, Erfahrungen, Aufgaben und Begegnungen. Solche Gemeinschaften können zeitlich begrenzt sein, sich verändern oder in neuen Zusammenhängen wieder entstehen. Der Autor sieht darin eine wichtige Perspektive für die zukünftige Gestalt der Kirche.

Eine netzwerkorientierte Kirche versteht sich nicht mehr ausschließlich als fest organisierte Institution, die religiöse Angebote für eine bestimmte Mitgliedergruppe bereitstellt. Vielmehr begreift sie sich als Teil eines größeren gesellschaftlichen Beziehungsgefüges, in dem unterschiedliche Menschen und Organisationen miteinander verbunden sind. Kirchliche Gemeinschaft entsteht dann dort, wo Menschen einander begegnen, gemeinsame Erfahrungen machen und Verantwortung füreinander übernehmen. Hillebrand betont, dass Geschichten und geteilte Erfahrungen eine wichtige Rolle für die Entstehung solcher Gemeinschaften spielen. Sie ermöglichen Identifikation, schaffen Vertrauen und fördern neue Verbindungen zwischen Menschen. Kirchliches Handeln muss deshalb stärker von konkreten Begegnungen und Beziehungen ausgehen und weniger von der Vorstellung, gesellschaftliche Entwicklungen durch institutionelle Planung vollständig steuern zu können.

Mit diesem Verständnis verbindet der Autor eine grundlegende Veränderung pastoraler Arbeit. Kirchliche Verantwortliche sollen nicht ausschließlich religiöse Veranstaltungen organisieren oder bestehende Angebote verwalten, sondern Begegnungen ermöglichen, Menschen miteinander vernetzen und gemeinsame Entwicklungen unterstützen. Dabei müssen sie bereit sein, von anderen zu lernen und Verantwortung zu teilen. Die Kirche kann nicht mehr selbstverständlich davon ausgehen, dass sie allein über die notwendigen Antworten auf gesellschaftliche Fragen verfügt. Vielmehr soll sie ihre eigenen Erfahrungen und Ressourcen in gemeinsame Prozesse einbringen. Hillebrand beschreibt dies als einen Wechsel von der Orientierung an der Institution hin zu einer stärkeren Orientierung an der menschlichen Existenz. Die Frage, welche Bedeutung Kirche für das konkrete Leben von Menschen besitzt, gewinnt damit gegenüber der bloßen Erhaltung kirchlicher Strukturen an Gewicht.

Eine praktische Umsetzung dieser Vorstellung erkennt Hillebrand im Konzept der Sozialraumorientierung, das insbesondere mit Wolfgang Hinte verbunden ist. Sozialraumorientierung geht davon aus, dass gesellschaftliche Herausforderungen am besten gemeinsam mit den Menschen bearbeitet werden können, die in einem bestimmten Lebensumfeld wohnen und handeln. Ausgangspunkt sind dabei die Interessen, Bedürfnisse, Fähigkeiten und vorhandenen Ressourcen der Menschen vor Ort. Für kirchliches Handeln bedeutet dies, dass Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen stärker mit anderen gesellschaftlichen Akteuren zusammenarbeiten sollen. Dazu gehören beispielsweise Caritas, Diakonie, kommunale Einrichtungen, Vereine, soziale Initiativen und weitere Organisationen. Gemeinsam können sie Begegnungsräume schaffen, soziale Herausforderungen bearbeiten und Verantwortung für ein gelingendes Zusammenleben übernehmen.

Entscheidend ist nach Hillebrand, dass diese Zusammenarbeit nicht durch den Wunsch bestimmt wird, den Einfluss der Kirche zu vergrößern oder neue Mitglieder zu gewinnen. Vielmehr soll sie aus einer Haltung entstehen, die den Menschen und ihre Lebensbedingungen in den Mittelpunkt stellt. Kirchliche Angebote sollen deshalb nicht ausschließlich innerhalb bestehender Gemeindestrukturen entwickelt werden, sondern im Austausch mit den Menschen eines Sozialraums entstehen. Die Kirche wird auf diese Weise zu einer Partnerin innerhalb eines größeren gesellschaftlichen Netzwerks. Ihre besondere christliche Identität zeigt sich dabei nicht allein in religiösen Veranstaltungen, sondern auch in der Bereitschaft, Beziehungen zu ermöglichen, Ressourcen zu teilen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Als grundlegende Haltung einer solchen Kirche beschreibt der Autor die Gastlichkeit. Gastlichkeit bedeutet für ihn mehr als die freundliche Aufnahme von Besucherinnen und Besuchern in bestehende kirchliche Einrichtungen. Sie bezeichnet eine offene Form der Begegnung, in der Menschen ohne weitreichende Voraussetzungen willkommen sind und ihre eigenen Erfahrungen, Interessen und Fähigkeiten einbringen können. Eine solche Gastlichkeit ist dadurch gekennzeichnet, dass die Rollen von Gastgeber und Gast nicht dauerhaft festgelegt bleiben. Wer zunächst eingeladen wird, kann selbst zum Gestalter gemeinschaftlichen Lebens werden. Begegnungen finden damit auf Augenhöhe statt und ermöglichen gegenseitiges Lernen. Hillebrand verweist besonders auf die Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten, Gespräche und informeller Begegnungen, durch die Vertrauen wachsen und neue Ideen entstehen können.

Die Gastlichkeit wird somit zu einer konkreten Ausdrucksform kenotischen Daseins. Eine Kirche, die gastfreundlich handelt, verzichtet darauf, jede Begegnung im Voraus auf bestimmte religiöse oder institutionelle Ziele festzulegen. Sie eröffnet Räume, in denen Menschen Gemeinschaft erfahren, sich angenommen fühlen und gemeinsam neue Möglichkeiten entwickeln können. Gerade diese Offenheit beinhaltet ein Risiko, weil die Ergebnisse solcher Begegnungen nicht vollständig kontrolliert werden können. Zugleich liegt darin nach Hillebrand eine wesentliche Chance kirchlicher Erneuerung. Wo Menschen einander ohne unmittelbare Erwartungen begegnen, können Vertrauen, Solidarität und neue Formen gemeinschaftlicher Verantwortung entstehen.

Abschließend stellt der Autor heraus, dass eine solche Form kirchlicher Transformation auch eine kritische Alternative zu gesellschaftlichen Denkweisen darstellt, die menschliches Handeln vor allem nach seinem wirtschaftlichen Nutzen und seiner unmittelbaren Wirksamkeit bewerten. Kenotisches Dasein orientiert sich dagegen an der Bereitschaft, anderen Menschen etwas zu geben, ohne dafür eine entsprechende Gegenleistung zu erwarten. Damit eröffnet es eine Perspektive auf Gemeinschaft, in der Beziehungen, Anerkennung und Solidarität einen eigenständigen Wert besitzen. Eine Kirche, die sich an diesem Verständnis orientiert, übernimmt Verantwortung für das Gemeinwohl, ohne ihr Handeln ausschließlich an institutionellen Erfolgsmaßstäben auszurichten.

Die zentrale Aussage des Fachartikels besteht darin, dass die Zukunft der Kirche nicht allein durch organisatorische Reformen, neue Verwaltungsstrukturen oder die Wiederherstellung früherer gesellschaftlicher Bedeutung gesichert werden kann. Wirkliche Transformation erfordert vielmehr eine grundlegende Veränderung des kirchlichen Selbstverständnisses. Die Kirche soll sich an der Selbstentäußerung Gottes in Jesus Christus orientieren und daraus eine Haltung entwickeln, die von Vertrauen, Freiheit, Hingabe und bedingungsloser Anerkennung geprägt ist. Netzwerke und Gastlichkeit bilden dabei konkrete Möglichkeiten, diese theologische Haltung gesellschaftlich wirksam werden zu lassen. Kirchliche Erneuerung entsteht nach Hillebrand somit dort, wo Menschen bereit sind, Macht und Kontrolle loszulassen, sich auf offene Beziehungen einzulassen und gemeinsam Verantwortung für ein menschenwürdiges Zusammenleben zu übernehmen.

Für den Religionsunterricht eröffnet der Artikel insbesondere die Möglichkeit, das christliche Kirchenverständnis kritisch zu reflektieren und die Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung des Christentums mit zentralen theologischen Aussagen über Jesus Christus zu verbinden. Lernende können anhand des Textes nachvollziehen, wie sich aus dem christologischen Gedanken der Selbstentäußerung konkrete Vorstellungen kirchlichen Handelns ableiten lassen. Zugleich bietet der Artikel Anlass, die Spannung zwischen institutioneller Identität und gesellschaftlicher Offenheit sowie zwischen religiösem Auftrag und sozialer Verantwortung zu untersuchen. Damit eignet er sich besonders für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Zukunft der Kirche, der Bedeutung christlicher Gemeinschaft und der Frage, wie christlicher Glaube unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen gelebt werden kann.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q1 Jesus Christus – das menschgewordene Wort Gottes

Q1.2 Die Auferstehung Jesu: Hoffnung über den Tod hinaus.

Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.1 Selbstverständnis der Kirche.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 1. Botschaft und Anspruch Jesu und das Selbstverständnis der frühen Kirche.

12.1 / 7. Jesus Christus - wahrer Gott und wahrer Mensch.

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