Das Material eignet sich in besonderer Weise für einen kompetenzorientierten Religionsunterricht, da es historische, ethische, gesellschaftliche und interkulturelle Fragestellungen miteinander verbindet. Lernende werden dazu angeregt, eigene Vorstellungen von Fremdheit, Identität, Macht und Gerechtigkeit kritisch zu reflektieren. Die Unterrichtsmodule eröffnen vielfältige Möglichkeiten, Fragen nach Menschenwürde, Verantwortung, Schuld, Erinnerungskultur, globaler Gerechtigkeit und Versöhnung aus religiöser Perspektive zu bearbeiten. Besonders gewinnbringend ist die Verbindung mit biblischen Impulsen zu Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Menschenrechten und der gleichen Würde aller Menschen.
Methodisch bietet das Material zahlreiche aktivierende Zugänge. Bereits die Einstiegsaufgaben zu Afrika Bildern, Vorurteilen und sogenannten einzigen Geschichten ermöglichen eine lebensweltliche Anknüpfung und fördern die Reflexion eigener Denk und Wahrnehmungsmuster. Die Arbeit mit Quellen, historischen Texten, Bildern, Zeitstrahlen und Zeitzeugenberichten stärkt die Urteilskompetenz und unterstützt historisches Lernen. Die vorgeschlagenen Diskussionen, Bildanalysen, Rollenspiele und Reflexionsaufgaben fördern kommunikative Kompetenzen sowie die Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Besonders wertvoll ist die konsequente Einbeziehung von Stimmen aus afrikanischen Perspektiven, wodurch eurozentrische Sichtweisen hinterfragt und multiperspektivisches Lernen ermöglicht werden.
Im Religionsunterricht kann das Material sowohl in Unterrichtseinheiten zu Menschenwürde, Gerechtigkeit und Verantwortung als auch zu Rassismus, Fremdheit, Erinnerungskultur, Globalisierung und Friedensethik eingesetzt werden. Die Lernenden erhalten die Möglichkeit, historische Entwicklungen mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu verknüpfen und die Frage nach gerechtem Handeln in einer global vernetzten Welt zu diskutieren. Durch die Verbindung von Sachanalyse, persönlicher Reflexion und ethischer Urteilsbildung werden zentrale Kompetenzen religiöser Bildung gefördert. Das Material eignet sich sowohl für projektorientierte Unterrichtsformen als auch für einzelne Unterrichtssequenzen, Gruppenarbeiten, Stationenlernen oder thematische Vertiefungen in der Sekundarstufe.
In einem ersten Schritt werden Fremdbilder untersucht. Der Einstieg dazu gelingt über ein Spiel zum Thema Stereotype. Eine Videoanalyse ermöglicht die Kritik an monoperspektivischer Sichtweise. Das Video ist im Dropdownmenü eingebettete Medien auf dieser Seite von ru-digital zu finden.
In einem weiteren Schritt wird das Vorurteil des unzivilisierten Kulturlosen Afrikas vor der Kolonialisierung untersucht und dekonstruiert. Riesige in Afrika aus Lehmziegel erbaute Städte zerfielen spurlos und wurden Legenden während wenige Zeugnisse aus Stein in anderen Kulturen als Höhepunkte der Zivilisation gepriesen werden.
Der nachfolgende Schritt stellt über einen Zeitstrahl die deutsche Kolonialisierung in Afrika von 1871 bis 1918 vor. Definitionen von Kolonialismus und Imperialismus werden verglichen.
Der nächste Schritt behandelt das europäische Selbstverständnis als Verbreiter von Wohlstand, Bildung und Recht in einem wüsten unorganisierten Süden. Der Zwang zum eigenen wohl ist in diesem Gedanken enthalten. Dazu wird eine französische Karikatur mit dem Füllhorn des Guten für Marokko diskutiert.
Im folgenden Schritt wird die Afrikakonferenz der Kolonialmächte untersucht. Dort wurde ohne einen Afrikaner zu hören die Zukunft des ganzen Kontinentes festgelegt. Schulkinder in Afrika mussten zudem die europäische Kolonialgeschichte auswendig lernen. Ein Beispiel der empfundenen Demütigung wird über eine Biografie erarbeitet.
Der anschließende Schritt enthält Material zu Völkerschauen, wo in einer Art anthropologischem Zoo Ureinwohner ausgestellt wurden. Die Reise einer Kameruner Prinzessin nach Deutschland und ihre Erfahrungen dort werden ausgewertet. Weitere Texte zur Quellenarbeit sind enthalten.
Der nächste Schritt enthält eine Bildanalyse zu weißen und schwarzen Stereotypen, die auch heute in der Werbekultur verbreitet werden. Die werden auf Alltagsrassismus und Vorurteile hin untersucht.
Der nachfolgende Schritt thematisiert über eine Vielzahl von Quellen den Ablauf der deutschen Kolonialgeschichte in Deutschostafrika und Deutsch-Südwestafrika. Zu Beginn zeigt eine Weltkarte einen Überblick. Quellen zur Gründung der Kolonien, deren Gegner, Schutzverträge und Ausbeutung, dem Maji Maji Krieg, Schulpolitik und Sprachpolitik, dem Völkermord an den Herero und Nama sowie deren Anführer Henrik Witbooi werden bearbeitet. Es folgt eine Podiumsdiskussion zu Reparationszahlungen.
Der nächste Block enthält Quellen zur Dekolonialisierung und Postkolonialismus. So wie die Verträge früher ohne schwarze Beteiligung geschlossen wurden, werden heute Veranstaltungen ohne weiße Beteiligung abgehalten. Die möglichen Folgen werden diskutiert. Afrikanische Flüchtlingskinder in der DDR werden anhand weiterer Quellen vorgestellt.
In einem weiteren Schritt werden völkerkundlichen Museen in der eigenen Nachbarschaft recherchiert und deren Sammlungen werden diskutiert. Auch die Rückgabe von Relikten afrikanischer Völker kann hier stattfinden. Straßennamen und andere Erinnerungen oder Denkmäler können gesucht und besprochen werden.
Der nächste Schritt besteht in einem Planspiel zur Aufarbeitung der Kongokonferenz. In Gruppen werden Vertreter der Nama und Herero sowie Vertreter der deutschen Regierung die Folgen der Kolonialzeit diskutierten. eine Jury entscheidet und Journalisten erstellen Pressemitteilungen dazu.
Der netze Block untersucht neuen Kolonialismus in der aktuellen Zeit. Dabei wird ein Enteignung und der Landraub in Afrika thematisiert.