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Künstliche Intelligenz?

Veröffentlichung:1.9.2024

Die Unterrichtsstunde „Quelle: Künstliche Intelligenz?“ mit 14 Seiten aus der Reihe Themenblätter im Unterricht der Bundeszentrale für politische Bildung thematisiert die Bedeutung von Quellenkritik in einer digital geprägten Welt. Ausgangspunkt sind konkrete Fallbeispiele aus der Lebenswelt von Lernenden, etwa die Verbreitung von manipulierten Bildern oder KI generierten Inhalten im Kontext politischer Ereignisse. Die Materialien führen in zentrale Begriffe wie Dokumentenwirklichkeit Medienwirklichkeit und Reflexionswirklichkeit ein und zeigen, wie Informationen durch digitale Medien und KI Systeme verändert werden können. Besonders hervorgehoben wird die Notwendigkeit, Informationen kritisch zu prüfen, unterschiedliche Quellen zu vergleichen und sich der Perspektivität sowie möglichen Manipulation bewusst zu werden. Ergänzt wird dies durch Arbeitsaufträge zu Recherchetechniken zum Umgang mit KI Chatbots sowie zur Analyse von Deepfakes.

Das Themenblatt „Quelle: Künstliche Intelligenz?“ der Bundeszentrale für politische Bildung behandelt die Frage, wie zuverlässige Informationen in einer digitalen Medienwelt erkannt und überprüft werden können. Das 2024 erschienene Material umfasst eine fachliche Einführung, Hinweise für Lehrkräfte, zwei umfangreiche Arbeitsblätter und weiterführende Empfehlungen. Als Einstieg dienen künstlich erzeugte Bilder, die im Zusammenhang mit dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf verbreitet wurden und fälschlich den Eindruck erweckten, die Sängerin Taylor Swift unterstütze Donald Trump. Das erste Arbeitsblatt führt am Beispiel eines irreführend verwendeten Bildes zu den Protesten nach dem Tod von Nahel Merzouk in die Prüfung digitaler Quellen ein. Die Lernenden führen eine Bilderrückwärtssuche durch, vergleichen Präsentationsfolien, formulieren Regeln für verlässliches Recherchieren und unterscheiden verschiedene Ebenen von Quellen. Das zweite Arbeitsblatt untersucht, ob ein KI Chatbot als Quelle gelten kann. Die Lernenden analysieren Antworten eines Chatbots, erstellen einen Pressetext aus der Perspektive einer politischen Partei und überprüfen dessen Aussagen mithilfe von Parteiprogrammen und anderen Quellen. Weitere Aufgaben beschäftigen sich mit künstlich erzeugten Bildern, politischen Interessen, Desinformation und möglichen Kennzeichnungspflichten. Das Material verbindet Quellenkritik, politische Bildung, Medienbildung und die reflektierte Nutzung künstlicher Intelligenz.

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Im Religionsunterricht eignet sich das Themenblatt besonders für Unterrichtsvorhaben zu Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Vertrauen, Menschenwürde, Verantwortung und digitaler Ethik. Als Einstieg können die beiden Beiträge zu Taylor Swift gezeigt werden. Die Lernenden entscheiden zunächst einzeln, welchem Beitrag sie eher vertrauen, und notieren die Gründe für ihr Urteil. Dabei sollte die Lehrkraft noch nicht auflösen, welcher Inhalt echt oder künstlich erzeugt ist. Anschließend werden die Entscheidungskriterien gesammelt. Häufig nennen Lernende Gestaltung, Bekanntheit der abgebildeten Person, Sprache, Plattform oder persönliche Plausibilität. In der Auswertung sollte deutlich werden, dass ein glaubwürdiges Erscheinungsbild allein keine zuverlässige Beurteilung ermöglicht. Daran kann die religiöse Frage angeschlossen werden, warum Wahrheit für menschliches Zusammenleben unverzichtbar ist. Ein möglicher Bezug besteht zum achten Gebot, das die falsche Aussage über andere Menschen untersagt. Die Lernenden können untersuchen, welche Folgen entstehen, wenn Personen durch künstlich erzeugte Inhalte Worte, Handlungen oder Überzeugungen zugeschrieben werden. Dabei werden Schutz der Person, Ruf, Würde und gesellschaftliches Vertrauen berührt. Das erste Arbeitsblatt eignet sich zur Einführung einer systematischen Quellenprüfung. Die Bilderrückwärtssuche sollte von der Lehrkraft vorher erprobt werden. Für Lernende mit geringer Rechercheerfahrung können geeignete Suchangebote und eine schrittweise Anleitung bereitgestellt werden. Die Ergebnisse sollten nicht nur genannt, sondern durch mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen belegt werden. 

Aus der Recherche entwickeln die Lernenden gemeinsame Regeln. Dazu gehören die Prüfung von Urheberschaft, Veröffentlichungsdatum, ursprünglichem Zusammenhang, Bildquelle, verwendeter Sprache, möglichen Interessen und unabhängigen Bestätigungen. Die Regeln können als Plakat, digitales Dokument oder Eintrag in einem Medienjournal gesichert werden. Die Unterscheidung verschiedener Quellenebenen hilft, Informationen genauer einzuordnen. Zur Dokumentenwirklichkeit gehören unmittelbare Zeugnisse wie Reden, Bilder, Gerichtsprotokolle oder persönliche Veröffentlichungen. Die Medienwirklichkeit umfasst journalistisch ausgewählte und aufbereitete Informationen. Zur Reflexionswirklichkeit gehören wissenschaftliche Analysen, Lexika und zusammenfassende Darstellungen. Für den Religionsunterricht kann diese Unterscheidung auf religiöse Quellen übertragen werden. Die Lernenden vergleichen beispielsweise einen biblischen Text, eine Predigt, einen Zeitungsbericht über Religion und eine wissenschaftliche Deutung. So erkennen sie, dass Herkunft, Funktion und Perspektive einer Quelle berücksichtigt werden müssen. Gleichzeitig sollte vermittelt werden, dass auch eine ursprüngliche Quelle nicht automatisch vollständig, neutral oder eindeutig ist. Das zweite Arbeitsblatt ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit Chatbots. Die Lernenden lesen zunächst eine erzeugte Antwort und prüfen, ob Quellen genannt werden, ob Aussagen belegt sind und ob die Sprache Unsicherheit sichtbar macht. Danach können sie einen Chatbot zu einer religiösen oder ethischen Frage befragen, etwa zur Bedeutung der Menschenwürde, zur Haltung einer Religionsgemeinschaft gegenüber künstlicher Intelligenz oder zu einer aktuellen gesellschaftlichen Kontroverse. 

Die Antwort wird nicht unmittelbar übernommen, sondern mit verlässlichen Primärquellen, offiziellen Stellungnahmen und wissenschaftlichen Darstellungen verglichen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass ein Chatbot Informationen aus unterschiedlichen Zusammenhängen vermischt, seine Grundlagen häufig nicht transparent ausweist und falsche Angaben erzeugen kann. Er kann einen Einstieg oder Überblick bieten, ersetzt aber weder Quellenprüfung noch eigene Urteilsbildung. Ein produktiver Arbeitsauftrag besteht darin, einen Pressetext aus der Perspektive einer religiösen Gemeinschaft oder einer gesellschaftlichen Organisation erzeugen zu lassen. Die Lernenden prüfen anschließend, ob der Text die tatsächliche Position angemessen wiedergibt oder Stereotype und Verallgemeinerungen enthält. Dabei muss verhindert werden, dass menschenfeindliche oder extremistische Inhalte unkommentiert in den Unterricht gelangen. Das Thema künstlich erzeugter Bilder kann über eine Bildanalyse erschlossen werden. Die Lernenden achten auf unnatürliche Hände, auffällige Haut, widersprüchliche Lichtverhältnisse, fehlerhafte Schrift und unplausible Situationen. Diese sichtbaren Merkmale reichen jedoch nicht immer aus. Deshalb müssen Herkunft, Verbreitungsweg, Interessen und Nutzen eines Bildes untersucht werden. Eine zentrale religionspädagogische Frage lautet, was mit einer Gesellschaft geschieht, wenn Menschen Bildern, Stimmen und Zeugnissen grundsätzlich nicht mehr vertrauen können. Hier lassen sich Wahrheit als Grundlage von Gemeinschaft und das christliche Verständnis des Menschen als verantwortliches Gegenüber thematisieren. 

Auch das Bilderverbot kann als weiterführender Impuls einbezogen werden. Dabei geht es nicht um eine direkte Gleichsetzung, sondern um die Frage, welche Macht Bilder besitzen und wie sie Wirklichkeit darstellen oder verzerren. Methodisch eignet sich ein Gruppenpuzzle. Eine Gruppe untersucht Chatbots, eine weitere Bilder, eine dritte politische oder religiöse Interessen und eine vierte Folgen für demokratisches und religiöses Zusammenleben. Anschließend tauschen die Lernenden ihre Erkenntnisse in neuen Gruppen aus. Eine strukturierte Kontroverse zur Kennzeichnung künstlich erzeugter Inhalte fördert die Urteilskompetenz. Eine Seite sammelt Gründe für eine verbindliche Kennzeichnung, die andere Seite prüft mögliche Schwierigkeiten und Grenzen. Danach formulieren alle ein eigenes begründetes Urteil. Zur abschließenden Sicherung können die Lernenden einen Verhaltenskodex für den Umgang mit digitalen Quellen im Religionsunterricht entwickeln. Er sollte Quellenangaben, Prüfung durch weitere Belege, Schutz persönlicher Daten, Achtung der Menschenwürde, Kennzeichnung künstlich erzeugter Inhalte und Verantwortung für weitergeleitete Informationen umfassen. Bewertet werden sollten die Qualität der Recherche, die Nachvollziehbarkeit der Quellen, die Differenziertheit der Argumentation und die Fähigkeit, ein ethisches Urteil zu begründen.

Didaktisch eignet sich das Medium in besonderer Weise für einen kompetenzorientierten Religionsunterricht, der Urteilsbildung Medienethik und Wahrheitsfragen miteinander verbindet. Die Lernenden können ausgehend von ihren eigenen Medienerfahrungen aktiviert werden, etwa durch Einstiegsfragen zu Vertrauen Wahrheit und Täuschung. Methodisch bietet sich ein problemorientierter Zugang an, indem ein konkreter Fall von Desinformation oder ein Deepfake analysiert wird. In kooperativen Lernformen wie Partner oder Gruppenarbeit können Lernende Kriterien zur Bewertung von Quellen entwickeln und diese auf neue Beispiele anwenden. Besonders gewinnbringend ist die Verbindung mit ethischen Fragestellungen etwa zur Verantwortung im Umgang mit Wahrheit oder zur Bedeutung von Vertrauen in gesellschaftlichen und religiösen Kontexten. Auch performative Methoden wie Rollenspiele sind denkbar, in denen Lernende die Perspektive von Journalistinnen Politikern oder Nutzerinnen digitaler Medien einnehmen. Die Arbeit mit KI kann zudem reflektiert eingesetzt werden, indem Lernende eigene Prompts formulieren und die Ergebnisse kritisch überprüfen. Eine Sicherung kann durch gemeinsame Kriterienkataloge oder Diskussionsformate erfolgen, die nachhaltige Urteilskompetenz fördern.

Das vorliegende Medium „Quelle: Künstliche Intelligenz?“ bietet mehrere aufeinander abgestimmte Arbeitsblätter und Materialien, die systematisch zur Förderung von Quellenkritik und Medienkompetenz beitragen. Im Folgenden werden die einzelnen Materialien beschrieben und ihre Verwendung im Unterricht erläutert.

Das Arbeitsblatt 01 „Was ist eine zuverlässige Quelle in der digitalen Welt?“ führt Lernende zunächst über eine alltagsnahe Situation in das Thema ein. Ein Messenger Szenario mit einem vermeintlich authentischen Bild dient als motivierender Einstieg, der die Lernenden dazu anregt, eigene Erfahrungen mit digitalen Medien einzubringen. Im weiteren Verlauf entwickeln die Lernenden anhand von Rechercheaufgaben eigene Kriterien zur Bewertung von Quellen. Sie analysieren Präsentationsfolien, vergleichen unterschiedliche Darstellungsweisen und reflektieren den Einsatz von Bildern und Texten. Besonders zentral ist die Einführung der drei Ebenen Dokumentenwirklichkeit Medienwirklichkeit und Reflexionswirklichkeit, die als heuristisches Modell zur Einordnung von Quellen dienen . Im Unterricht kann dieses Arbeitsblatt gut in einer Doppelstunde eingesetzt werden, wobei sich ein Wechsel aus individueller Recherche Partnerarbeit und Plenumsdiskussion anbietet. Ziel ist es, Lernende zu einer reflektierten und eigenständigen Urteilsbildung zu befähigen.

Das Arbeitsblatt 02 „KI als Quelle?“ vertieft die zuvor erarbeiteten Kompetenzen und richtet den Fokus auf den Umgang mit KI Anwendungen. Lernende setzen sich mit der Funktionsweise von KI Chatbots auseinander und diskutieren deren Chancen und Grenzen als Informationsquelle. Durch eigene Aufgaben wie das Erstellen eines KI generierten Pressetextes werden sie aktiv in den Umgang mit KI einbezogen und lernen, deren Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Deepfakes, bei der Lernende Kriterien zur Erkennung manipulierten Materials entwickeln und deren gesellschaftliche Auswirkungen reflektieren . Dieses Arbeitsblatt eignet sich besonders für projektorientierte Unterrichtsphasen oder fächerübergreifende Settings, etwa in Verbindung mit Ethik oder Religionsunterricht, da hier Fragen nach Wahrheit Verantwortung und Täuschung vertieft werden können.

Ergänzend enthalten die Materialien ausführliche didaktische Hinweise für Lehrkräfte. Diese geben konkrete Vorschläge zur methodischen Umsetzung, etwa zur Arbeit mit Fallbeispielen zur Förderung von Diskussionen oder zur Differenzierung durch unterschiedliche Zugänge. Zudem werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie emotionale Reaktionen der Lernenden produktiv aufgegriffen und in analytische Lernprozesse überführt werden können. Die Materialien sind flexibel einsetzbar, sowohl analog als auch digital, und können an die jeweilige Lerngruppe angepasst werden .

Insgesamt ermöglichen die Materialien eine handlungsorientierte und lebensweltnahe Auseinandersetzung mit digitalen Quellen und KI. Sie fördern nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch ethische Reflexion und gesellschaftliche Verantwortung, wodurch sie besonders anschlussfähig für den Religionsunterricht sind.

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