Burkard Porzelt zeichnet zunächst die Entwicklung der empirischen Religionspädagogik von ihrer marginalen Position in den 1990er Jahren bis zu ihrer zunehmenden Akzeptanz um 2010 nach. Von 48 rezensierten katholischen Qualifikationsarbeiten besaßen etwa ein Drittel einen empirischen Fokus. Der Autor identifiziert jedoch drei gravierende Fallstricke, die die Disziplin gefährden: Erstens warnt er vor einem blinden Empirismus, der sich auf Datenbeschaffung beschränkt und normative Dimensionen ignoriert. Empirische Forschung sollte vielmehr ein konstitutives Moment eines umfassenden, kritisch-konstruktiven Wissenschaftsprofils bilden, das theologische, hermeneutische und normative Horizonte integriert. Zweitens kritisiert Porzelt den Dilettantismus, d.h. oberflächliche Methodologie, kryptische Forschungswege und handwerkliche Mängel in vermeintlich empirischen Studien. Solche Arbeiten gefährden die profunde Wahrnehmung religionspädagogisch relevanter Phänomene. Drittens und besonders scharf kritisiert er die politische Instrumentalisierung empirischer Ergebnisse. Dies zeigt er anhand zweier großer Studien: Bei Anton Buchers Schülerstudie zum Religionsunterricht werden selektiv positive Befunde hervorgehoben, während negative Entwicklungen in der Sekundarstufe ignoriert werden. Bei der Studie von Feige und Tscheetzsch werden widersprenstige Befunde zur konfessionellen Differenzierung des Religionsunterrichts bewusst ignoriert. Der Autor plädiert abschließend für eine empirisch fundierte Religionspädagogik, die durch regelmäßige Replikationsstudien kontinuierlich aktualisiert werden muss und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen deskriptiv-empirischen und normativen Wissensbeständen wahrt.