Bäumer entwickelt eine umfassende Darstellung der Elementarisierung als fachdidaktisches Instrument für den Religionsunterricht. Nach einer Rekonstruktion der Rezeptionsgeschichte seit Wolfgang Klafkis wegweisenden Arbeiten der 1960er Jahre werden die vier konstitutiven Aspekte einer elementarisierenden Didaktik erläutert: (1) Elementare Strukturen befassen sich mit dem Kern religiöser/theologischer Sachverhalte und ihren typischen Merkmalen; (2) Elementare Erfahrungen fragen nach den einem Unterrichtsinhalt zugrundeliegenden und korrespondierenden Schülererfahrungen; (3) Elementare Zugänge eruieren Verstehens- und Lernvoraussetzungen unter Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Modelle sowie Methoden und Medien; (4) Elementare Wahrheiten beziehen sich auf existenzielle Dimensionen des Glaubens. Der Artikel identifiziert eine zentrale offene Frage in der religionspädagogischen Elementarisierungsdebatte: die unzureichende Einbeziehung von Unterrichtsperson und Lernprozess als unverzichtbare Basiselement. Durch zwei Praxisbeispiele wird nachgewiesen, dass Person und Prozess planbar sind: Ein Unterrichtsbeispiel zur Exodusgeschichte demonstriert, wie authentische Lehrerreaktion, Anerkennung von Schülerfragen, Übernahme von Verantwortung und Gesprächsleitung prozessfördernd wirken. Ein zweites Beispiel zur Zachäusgeschichte zeigt, wie persönliche Glaubensüberzeugungen des Lehrers unbewusst den Unterrichtsverlauf beeinflussen, sich aber durch strukturierte Reflexion bewusst machen lassen. Bäumer plädiert dafür, Elementarisierung als „Planung des Unplanbaren" zu verstehen. Dazu bedarf es der Erweiterung um den Aspekt elementarer Beziehungsprozesse, durch Empathie und Imagination unter Vergewisserung der eigenen Person reflektiert. Fünf Planungsfragen werden formuliert: Welche kommunikativen Rahmenbedingungen sind notwendig? Mit welchen Irritationen kann gerechnet werden? Wie berührt das Thema das eigene Selbst- und Weltbild? Welche konstruktive Bedeutung können Irrtümer haben? Wie wird Verantwortung für den Prozess verteilt? Schließlich wird Elementarisierung als bildungstheoretisches Prinzip skizziert, das sich auf die Metapher des Zeigens stützt. Ein elementares Religionsverständnis erfasst Religion durch ihre zentralen Verheißungen und verschiedenen Erscheinungsformen. Die Zeigeformen des Unterrichtens (darstellend, vormachend, appellierend, teilhabenlassend, rückmeldend) korrespondieren mit spezifischen Lernformen und ermöglichen eine flexible, konstruktive Bezugnahme auf Unterrichtsinhalte im Kontext verschiedener Nähe-Distanz-Positionierungen und Perspektiven.