Der Artikel von Sabine Pemsel-Maier behandelt die aktuelle Präsenz apokalyptischer Motive und Denkformen angesichts der ökologischen Krise. Die zentrale Fragestellung lautet, wie apokalyptische Inhalte in der religiösen Bildung und speziell im Religionsunterricht konstruktiv-kritisch erschlossen werden können, ohne in Katastrophendidaktik zu verfallen. Pemsel-Maier diagnostiziert zunächst, dass gegenwärtige mediale und populäre Darstellungen apokalyptischer Szenarien (in Filmen, digitalen Medien, Jugendkulturen) eine entkontextualisierte, säkularisierte und reduzierte Form von „Alltags-Apokalyptik" transportieren. Diese wird primär als Zukunftsdrohung verstanden und mit Weltuntergangsvorstellungen verknüpft. Damit wird die Intention der (früh)christlichen Apokalyptik verfehlt, die – im Gegensatz zur jüdischen Apokalyptik – eine andere Ausrichtung hat: Sie verbindet die Zukunftshoffnung mit einer bereits in der Gegenwart anbrechenden Heilsverwirklichung (Reich-Gottes-Botschaft) und ruft nicht zu Resignation, sondern zum engagierten Handeln auf. Der Artikel belegt diese These durch eine differenzierte historisch-hermeneutische Analyse: Während frühjüdische Apokalyptik primär Trost und Geduld in Leidenssituationen vermittelte, enthält christliche Apokalyptik einen „Auftrag zum Handeln, das in der Widerfahrnis der Gottesherrschaft gründet". Die Kontextualisierung durch Jesu Reich-Gottes-Botschaft relativiert die zukünftige Zeitdimension zugunsten einer geschichtsgestaltenden Gegenwartsdimension. Auf dieser Grundlage entwickelt Pemsel-Maier didaktische Perspektiven für den Religionsunterricht: (1) Hermeneutisch: Schülerinnen und Schüler sollen lernen, dass apokalyptische Texte keine Zukunftsvorhersagen sind, sondern Geschichtsdeutungen aus Krisenzeiten, die trösten und zum Handeln ermutigen. (2) Anthropologisch: Sie sollen die menschliche Faszination von Weltuntergangsszenarien verstehen und gleichzeitig die Unterschiede zur biblischen Apokalyptik mit ihrem positiven Hoffnungspotential erkennen. (3) Kulturkritisch: Sie sollen die Verfremdung und Ironisierung apokalyptischer Motivik in modernen Medien aufdecken und kritisch reflektieren. Abschließend wird das Potential apokalyptischen Denkens für die Nachhaltigkeitsbildung erschlossen: Apokalyptisches Bewusstsein führt historisch nicht zu Resignation, sondern zu schärferer Zeitwahrnehmung, zur Erkenntnis von Endlichkeit und zur Frage nach ethisch verantwortungsvollem Handeln. Mit ihrer politisch-ethischen Dimension wird christliche Apokalyptik zur „Provokation und zum kritischen Widerstand" gegen bestehende Unrechtsverhältnisse. Sie motiviert zu sozialer und ökologischer Transformation und verbindet sich mit der durch „Fridays for Future" artikulierten Forderung nach Klimagerechtigkeit.