Wie kann Religionsunterricht auf die Klima- und Umweltkrise antworten, ohne in eine „vereinnahmende Suggestivpädagogik" zu verfallen? Diese zentrale Frage treibt den vorliegenden Beitrag an, der sich kritisch mit der aktuellen Didaktik von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auseinandersetzt. Viele religionspädagogische Ansätze zielen darauf ab, Schüler:innen durch die Vermittlung von Nachhaltigkeitskompetenzen zu umweltverantwortlichem Handeln zu befähigen. Der Autor argumentiert jedoch, dass diese kompetenzorientierte Perspektive dem ethischen Anspruch des Religionsunterrichts nicht vollständig genügt – nämlich ein Reflexionsort des Wirklichkeitsverständnisses zu sein.
Der zentrale Kritikpunkt richtet sich gegen die Tendenz, feste Kompetenzen zu vermitteln und damit messbare, regelgeleitete Verhaltensweisen anzustreben. Damit verbunden ist die Gefahr, dass Jugendliche fremde Handlungsnormen übernehmen, statt ihre eigene moralische Autonomie zu entwickeln. Ethisches Handeln, so die These, setzt die Freiheit voraus, auch anders handeln zu können – eine Freiheit, die sich nicht vollständig in standardisierte Kompetenzen übersetzen lässt. Stattdessen plädiert der Beitrag für eine „ethische Nachhaltigkeitsbildung", die Jugendlichen ermöglicht, sich selbst zu verorten und ihre Verantwortung bewusst zu reflektieren. Dazu gehört eine intensive Auseinandersetzung mit zwei Dimensionen: erstens mit der Orientierung an der Natur, die seit der Umweltbewegung neu entdeckt wird, und zweitens mit der technischen Wirklichkeit des Anthropozän. Nur so können Schüler:innen Nachhaltigkeit nicht als externe Norm, sondern als eigene Deutung ihrer technisch bestimmten Lebensführung verstehen lernen.