Digital Storytelling ist ein Sammelbegriff für vielfältige Medienformate, die kollaboratives Lernen durch gemeinsames Verfassen von Geschichten fördern und zunehmend künstliche Intelligenz nutzen. Im Bildungskontext wird von Educational Digital Storytelling (EDS) gesprochen, das von Lehrkräften didaktisch reflektiert unterrichtet wird und Medienproduktionskompetenz fördert, sich aber von kommerziellen oder unreflektierten DIY-Praktiken unterscheidet. Da DS millionenfach unreflektiert auf Social-Media-Plattformen praktiziert wird, sollen Schülerinnen und Schüler im Unterricht einen kritisch-konstruktiven Umgang einüben und Kompetenzen zur Analyse diskriminierender oder ambivalenter Wirkungen entwickeln. Für die Religionspädagogik ist das menschliche Bedürfnis nach Geschichten sowie die christliche Grundkompetenz des Erzählens zentral, wobei DS die Möglichkeit bietet, traditionelle religiöse Erzählpraxen im Kontext digitaler Transformationen weiterzuentwickeln. In der Bibeldidaktik werden zwei Schulen unterschieden: eine texttreue Herangehensweise und eine subjektorientierte, transformative Gestaltung biblischer Geschichten, beide relevant für DS. Neben der Bibeldidaktik eignen sich weitere religionsdidaktische Ansätze wie Theologisieren, interreligiöses Lernen, inklusive Religionsdidaktik und biografisches Lernen für DS-Anwendungen. Text-Bild-Kombinationen wurden bereits vordigital im Religionsunterricht eingesetzt und werden nun durch visualisierungsaffine DS-Formate wie Bible Art Journaling erweitert. Das didaktische Ziel besteht darin, dass Schülerinnen und Schüler ihre Welterschließungskompetenz durch erzähltes Lernen fördern und so in religiöse Kommunikation treten. Erzählungen stiften Gemeinschaft und sind für Religionsgemeinschaften normgebend, da Narrativität eine Urgeste der christlichen Religion darstellt. Kirchentheoretisch basiert die Kirche nicht allein auf Mitgliedschaften, sondern auf Teilhabe an der Kommunikation christlicher Erzählstoffe, die religiöse und ethische Aushandlungsprozesse anstoßen und eine Institution konstituieren, die substanziell zum Wohl Einzelner und der Gesellschaft handelt.