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Hans Böckler Stiftung

Hans Böckler Stiftung

Wenn Algorithmen Entscheidungen treffen

Chance oder Risiko?

Veröffentlichung:1.1.2019

Die Unterrichtsstunde „Algorithmen – Wenn Algorithmen Entscheidungen treffen: Chance oder Risiko?“ mit sechs Seiten thematisiert die Bedeutung von Algorithmen im Alltag und in der Arbeitswelt von Jugendlichen. Ausgangspunkt ist die Lebenswelt der Lernenden, die sich mit ihrem eigenen Surfverhalten sowie mit personalisierten Empfehlungen auf Plattformen wie YouTube auseinandersetzen. Anschließend werden grundlegende Fragen geklärt: Was sind Algorithmen, wie funktionieren sie und welche Auswirkungen haben sie auf gesellschaftliche Entscheidungen? Ein Interview mit der Informatikprofessorin Katharina Zweig verdeutlicht Chancen und Risiken algorithmischer Entscheidungen in Bereichen wie Navigation, Medizin, Arbeitswelt oder Kreditvergabe. Die Unterrichtseinheit regt dazu an, ethische Fragen nach Fairness, Verantwortung und Demokratie zu diskutieren und eine eigene Position zu entwickeln. Ergänzt wird das Material durch Rechercheaufgaben, Diskussionsanlässe sowie kreative Arbeitsformen wie Zeitungsartikel oder Podcastkonzepte.

Das Medium „Wenn Algorithmen Entscheidungen treffen: Chance oder Risiko?“ ist eine Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe I, die sich mit der Bedeutung von Algorithmen im Alltag und insbesondere mit ihren Auswirkungen auf menschliche Entscheidungen beschäftigt. Ausgangspunkt ist die digitale Lebenswelt der Lernenden. Sie vergleichen die Startseite der Tagesschau mit persönlichen Empfehlungen auf YouTube und reflektieren dadurch, wie Algorithmen das eigene Surfverhalten und die Wahrnehmung von Informationen beeinflussen können. Anschließend erschließt das Medium anhand eines Interviews mit der Informatikprofessorin Katharina Zweig, was Algorithmen sind, wie sie funktionieren, welche Möglichkeiten sie eröffnen und welche Probleme entstehen können, wenn Programme Entscheidungen über Menschen treffen. Dabei werden unter anderem Kreditvergabe, Sozialleistungen und die Beurteilung von Menschen anhand statistischer Daten thematisiert. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Arbeitswelt. Die Lernenden untersuchen Chancen und Risiken algorithmischer Entscheidungen und beschäftigen sich mit People Analytics, Scoring Verfahren, Überwachung am Arbeitsplatz, Diskriminierung, Mitbestimmung und informationeller Selbstbestimmung. Die zentrale Frage des Mediums lautet schließlich, ob das technisch Mögliche auch sinnvoll, fair und demokratisch ist.

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Für den Religionsunterricht besitzt das Medium ein großes Potenzial, weil die Auseinandersetzung mit Algorithmen grundlegende Fragen nach Menschenbild, Freiheit, Verantwortung, Gerechtigkeit, Menschenwürde und der Bedeutung menschlicher Entscheidungen eröffnet. Das Material selbst ist problemorientiert angelegt und besitzt durch soziale Medien, Suchmaschinen, Streamingangebote und andere digitale Anwendungen einen unmittelbaren Bezug zur Lebenswelt der Lernenden. Als Einstieg eignet sich die Aufgabe auf Seite 1 besonders gut. Die Lernenden vergleichen ihre persönlichen Empfehlungen auf einer digitalen Plattform und stellen fest, dass sie möglicherweise unterschiedliche Inhalte angezeigt bekommen. Dabei kann zunächst gesammelt werden, welche digitalen Dienste Entscheidungen für die Lernenden treffen oder ihre Aufmerksamkeit lenken. Im Religionsunterricht sollte diese Beobachtung anschließend um die Frage erweitert werden, was solche personalisierten Entscheidungen mit Freiheit und Selbstbestimmung zu tun haben. Die Lernenden können beispielsweise diskutieren, ob eine Entscheidung noch vollständig die eigene Entscheidung ist, wenn vorher bereits bestimmt wurde, welche Informationen, Videos oder Produkte überhaupt sichtbar werden. Dabei sollte nicht vorschnell eine ablehnende Haltung gegenüber Algorithmen vermittelt werden. Das Medium legt ausdrücklich eine Abwägung von Chancen und Risiken nahe. Algorithmen können große Datenmengen auswerten, komplexe Aufgaben bewältigen und Muster erkennen, die Menschen möglicherweise übersehen. Zugleich sind algorithmische Vorhersagen mit Unsicherheiten verbunden. Diese Ambivalenz eignet sich hervorragend für ethische Urteilsbildung. Eine zentrale religionspädagogische Vertiefung bietet die Frage nach dem Menschenbild. Im Interview wird problematisiert, dass Menschen aufgrund von Daten anderer Menschen beurteilt und bestimmten statistischen Gruppen zugeordnet werden können. Lernende können diese Vorstellung mit einem christlichen Menschenbild vergleichen. Dabei kann gefragt werden, ob ein Mensch vollständig durch Daten, vergangenes Verhalten und statistische Wahrscheinlichkeiten beschrieben werden kann. 

Die Vorstellung des Menschen als Ebenbild Gottes eröffnet hierzu einen Kontrast, da jedem Menschen eine unverfügbare Würde und Individualität zugesprochen wird. Daraus ergibt sich die Frage, ob Menschen das Recht haben müssen, anders zu handeln, als ein Algorithmus es aufgrund ihrer Daten erwartet. Besonders geeignet ist eine Dilemmadiskussion. Denkbar ist beispielsweise der Fall einer Person, der aufgrund einer algorithmischen Bewertung ein Kredit, eine Arbeitsstelle oder eine Sozialleistung verweigert wird. Die Lernenden übernehmen unterschiedliche Perspektiven und beurteilen die Entscheidung anhand von Kriterien wie Gerechtigkeit, Menschenwürde, Gleichbehandlung, Verantwortung, Transparenz und Freiheit. Dabei kann auch die Frage nach Vorurteilen aufgegriffen werden. Das Medium spricht von algorithmisch legitimierten Vorurteilen und zeigt damit, dass eine mathematisch berechnete Entscheidung nicht automatisch eine gerechte Entscheidung sein muss. Methodisch eignet sich hierzu eine arbeitsteilige Fallanalyse. Gruppen können jeweils untersuchen, wer von einer algorithmischen Entscheidung betroffen ist, welche Daten berücksichtigt werden, welche Vorteile die Automatisierung bietet, welche Risiken entstehen und wer Verantwortung für mögliche Fehlentscheidungen trägt. Gerade die Verantwortungsfrage sollte im Religionsunterricht vertieft werden: Trägt die programmierende Person Verantwortung, das Unternehmen, die Person, die das Programm einsetzt, oder die Gesellschaft, die solche Systeme zulässt? Hier kann auch das Verhältnis von menschlicher Verantwortung und technischer Entscheidung thematisiert werden. Besonders ergiebig ist das Beispiel aus dem Medium, bei dem eine menschliche Sachbearbeitung einen geringfügig höheren Mietbetrag aus sozialen Gründen akzeptieren könnte, während ein Computer eine solche Ermessensentscheidung möglicherweise nicht trifft. Dadurch lässt sich fragen, welche Bedeutung Barmherzigkeit, Mitgefühl, Einzelfallgerechtigkeit und Empathie für menschliches Urteilen besitzen. 

Eine weitere Unterrichtsphase kann die Chancen und Risiken von Algorithmen systematisch gegenüberstellen. Die Tabelle auf Seite 5 unterscheidet die Perspektiven von Beschäftigten, Unternehmen und weiteren Beteiligten und unterstützt damit multiperspektivisches Lernen. Für den Religionsunterricht kann die Tabelle um ethische Kriterien ergänzt werden. Die Lernenden prüfen dann nicht nur, ob eine algorithmische Entscheidung effizient ist, sondern auch, ob sie gerecht, transparent, menschenwürdig und verantwortbar erscheint. Methodisch bieten sich Gruppenarbeit, Partnerarbeit, Positionslinie, Streitgespräch oder eine fiktive Ethikkommission an. In einer solchen Ethikkommission können die Lernenden konkrete Regeln formulieren, die beim Einsatz algorithmischer Systeme eingehalten werden sollten. Dazu könnten menschliche Kontrollmöglichkeiten, Schutz persönlicher Daten, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, Möglichkeiten zum Widerspruch und Schutz vor Diskriminierung gehören. Für eine abschließende Urteilsbildung eignet sich die Aufgabe des Mediums, einen journalistischen Beitrag oder einen Podcast zur Frage zu erstellen, ob algorithmische Entscheidungen sinnvoll, fair und demokratisch sind. Im Religionsunterricht kann die Aufgabenstellung um die Frage erweitert werden, ob algorithmische Entscheidungen dem Anspruch der Menschenwürde gerecht werden. Auf diese Weise verbindet das Medium digitale Bildung und Medienkompetenz mit religiöser und ethischer Urteilsbildung und ermöglicht eine grundlegende Auseinandersetzung damit, welche Entscheidungen Menschen an technische Systeme übertragen dürfen und welche Verantwortung auch in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft beim Menschen verbleiben sollte.


Die Lernenden werden dazu angeregt, technische Entwicklungen nicht nur funktional, sondern auch ethisch zu reflektieren. Besonders gewinnbringend ist die Verbindung von Lebensweltorientierung und gesellschaftlicher Verantwortung. Methodisch bietet die Unterrichtseinheit zahlreiche Möglichkeiten für kooperative Lernformen wie Partnerarbeit, Diskussionen, Bus Stop Methode oder Internetrecherche. Der Einstieg über die persönliche Nutzung digitaler Medien aktiviert Vorwissen und fördert die Motivation. Das Interview mit Katharina Zweig eignet sich zur Analyse von Sachtexten und zur Einübung ethischer Urteilsbildung. Im Religionsunterricht kann die Frage vertieft werden, ob algorithmische Entscheidungen dem christlichen Menschenbild gerecht werden oder wo die Grenzen technischer Steuerung liegen. Ebenso können Bezüge zu Themen wie soziale Gerechtigkeit, Diskriminierung, Verantwortung des Menschen für technische Entwicklungen oder Schutz der Persönlichkeit hergestellt werden. Die abschließenden Schreib oder Podcastaufgaben fördern eigenständige Meinungsbildung, Perspektivwechsel und argumentative Kompetenz. Das Medium unterstützt damit sowohl Medienkompetenz als auch ethische Reflexionsfähigkeit und eröffnet vielfältige Anknüpfungspunkte für einen dialogorientierten Unterricht.

Material A1: Algorithmen im Alltag

Die Lernenden beschäftigen sich mit ihrem eigenen Surfverhalten und vergleichen unterschiedliche Internetseiten. Dazu rufen sie die Homepage der ARD Tagesschau sowie YouTube auf und notieren Schlagzeilen beziehungsweise empfohlene Videos. Anschließend vergleichen sie ihre Ergebnisse mit anderen Lernenden. Im Unterricht wird dadurch sichtbar, dass Plattformen wie YouTube personalisierte Inhalte anzeigen und Algorithmen das Nutzungsverhalten beeinflussen. Die Lernenden reflektieren ihre Mediennutzung und erkennen erste Chancen und Risiken algorithmischer Steuerung.

Material A2: Was ist ein Algorithmus?

Die Lernenden diskutieren zunächst in Partnerarbeit, wo Algorithmen im Alltag eingesetzt werden und welchem Zweck sie dienen. Danach arbeiten sie mit einem Interview der Informatikprofessorin Katharina Zweig. Sie erschließen Fachbegriffe und beantworten Fragen zur Funktionsweise, Bedeutung und Problematik von Algorithmen. Im Unterricht werden Sachtexte analysiert, Fachsprache eingeübt und Ergebnisse mithilfe der Bus Stop Methode ausgetauscht. Die Lernenden setzen sich kritisch mit automatisierten Entscheidungen auseinander und erkennen gesellschaftliche Folgen algorithmischer Prozesse.

Material A3: Chancen und Risiken von Algorithmen

Die Lernenden untersuchen anhand eines Interviews oder einer Dokumentation die Bedeutung von Algorithmen in der Arbeitswelt. Sie erarbeiten Chancen und Vorteile sowie Risiken und Nachteile für Beschäftigte und Unternehmen. Anschließend recherchieren sie weitere Argumente zu Themen wie Datenschutz, Überwachung, Diskriminierung oder Mitbestimmung. Im Unterricht entstehen Diskussionen über Fairness, Verantwortung und den Einfluss digitaler Technologien auf das gesellschaftliche Zusammenleben. Die Lernenden erweitern ihre Urteilskompetenz und lernen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und kritisch zu bewerten.

Material A4: Sind Algorithmen fair?

Die Lernenden setzen sich mit ethischen Leitfragen auseinander, die im Interview formuliert werden, etwa ob algorithmische Entscheidungen fair, sinnvoll oder demokratisch sind. Dazu verfassen sie entweder einen argumentativen Zeitungstext oder entwickeln ein Konzept für einen Podcast. Im Unterricht reflektieren die Lernenden ihren eigenen Standpunkt und üben, komplexe gesellschaftliche Fragen argumentativ darzustellen. Die Aufgabe fördert ethische Urteilsbildung, Medienkompetenz sowie kreatives und eigenständiges Arbeiten.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.4 Arbeiten müssen – arbeiten dürfen. Herausforderung für die katholische Soziallehre.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Soziale Fragen im 19. Jh. und heute

Bild, Text

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11.5.2026

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Unterrichtsstunde

Menschen & Welt

Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren ,Kommunizieren und Kooperieren ,Produzieren und Präsentieren

einfach

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