Der Habitus-Begriff hat seinen Ursprung in der lateinischen Sprache (habere = haben) und bezeichnet die doppelte Struktur von inneren Dispositionen und ihrer äußeren Realisierung als sogenannte "Umschaltstation". In der scholastischen Philosophie und Theologie des Thomas von Aquin wird Habitus als erworben, aber stabil konzipiert und mit der Tugendlehre verbunden. Dabei transformiert der Habitus stabil Möglichkeit in Wirklichkeit durch Praxis und Einübung. Pierre Bourdieu prägte den modernen sozialwissenschaftlichen Gebrauch des Begriffs mit seiner Konzeption der "strukturierten und strukturierenden" Funktion des Habitus. In der Religionspädagogik wird der Habitus-Begriff besonders in der Professionsforschung von Religionslehrkräften, in Theorien religiöser Sozialisation sowie in kompetenzorientiertem Religionsunterricht verwendet. Der Habitus ermöglicht es, scheinbare Gegensätze zwischen Innerem und Äußerem, Struktur und Handlung sowie Determination und Freiheit zusammenzudenken. Die synthetische Struktur des Begriffs erklärt seine Relevanz in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und macht ihn zum wertvollen theoretischen Werkzeug für interdisziplinäre Professionalitätstheorien. Der Artikel zeigt, dass Habitus weder automatische Programmierung noch völlig freie Wahl ist, sondern ein durch Praxis geprägter Seinszustand, der Handlung ermöglicht und prägt.