Der Artikel von Nadja Boeck stellt dar, wie Jugendtheologie bibeldidaktisch umgesetzt werden kann. Jugendtheologie versteht theologische Denkweisen von Jugendlichen als gleichwertige Deutungen ihrer Lebenswelt, nicht als defizitär. Ein jugendtheologisch angemessener Bibeldidaktik ermöglicht Jugendlichen unbegrenzte Perspektiven auf Bibeltexte und fördert Authentizität sowie Selbstausdruck. Im digitalen Zeitalter muss die Bibel unmittelbar interessant und anschlussfähig an die gegenwärtige Lebenswelt wirken, um relevant zu werden. Zentral ist, dass Jugendliche die Freiheit haben, eigene Interpretationen zu finden, ohne dass diese von normativen Lehrervorgaben überschrieben werden. Rezeptionsästhetisch verstanden konstruieren Jugendliche aktiv Sinn aus Texten durch ihre bereits vorhandenen Kompetenzen. Ein dialogischer Resonanzraum ermöglicht horizontale Austausche in der Gruppe, diagonale Bezüge zum Text und vertikale Beziehungen zu religiösen Dimensionen. Die Bibel selbst ist als interaktives Buch strukturiert, in dem viele Stimmen miteinander ins Gespräch kommen und weitere Stimmen hinzutreten. Religionsdidaktisch sollten christliche Traditionen und biblische Texte als ergebnisoffen präsentierte Deutungsangebote begegnen, die zu eigenen Auseinandersetzungen einladen. Trotz dass Jugendliche selten freiwillig Bibel lesen, gibt es gute Gründe für die zentrale Rolle biblischer Texte in jugendtheologischen Methoden: Sie sind theologische Reflexionen menschlicher Erfahrungen, literarische Zeugnisse und Bildungsgegenstände von zentraler Bedeutung. Bibeldidaktik fungiert als Brücke zwischen biblischer Welt und gegenwärtiger Lebenswelt der Jugendlichen und befähigt sie zur eigenen religiösen Deutungskompetenz.