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Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH

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Totgesagte leben länger! Erweckung der Totengebeine.

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel beziehungsweise Vortrag wurde von Anneliese Hecht, Joachim Lauer und Franz Josef Ortkemper unter dem Titel: „Totgesagte leben länger! Erweckung der Totengebeine. Wie das resignierte Kirchenvolk wieder auf die Beine kommt“ verfasst. Der Text entstand als Vortrag mit Präsentation für den Katholikentag in Mannheim 2012 und umfasst 17 Seiten. Ausgangspunkt ist die Erfahrung einer Kirche, die von Mitgliederschwund, Vertrauensverlust, Strukturproblemen und Resignation geprägt ist. Die Verfassenden verbinden diese Situation mit der Vision von den Totengebeinen aus Ezechiel 37 und fragen, wie Gottes Geist einer resignierten Glaubensgemeinschaft neues Leben, Hoffnung und Handlungsfähigkeit schenken kann.

Der Text behandelt zentrale theologische Probleme wie die Krise der Kirche, die Bedeutung der Geistkraft Gottes, Hoffnung und Resignation, die Verantwortung des gesamten Gottesvolkes, die Bedeutung der Charismen, das Verhältnis von kirchlichem Amt und Gemeinde, Kirchenreform sowie die Frage nach Gottes Gegenwart in Krisenzeiten. Besonders wichtig ist die Frage, ob eine scheinbar kraftlose Kirche wieder lebendig werden kann und welche Rolle dabei Gottes Geist und das gemeinsame Handeln der Glaubenden spielen. Die Vision Ezechiels beantwortet diese Frage mit der Hoffnung, dass Gott selbst neues Leben ermöglicht.

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Der Text beginnt mit der Diagnose einer tiefen Krise der katholischen Kirche. Der Titel „Totgesagte leben länger“ bringt dabei bereits die Grundspannung zum Ausdruck. Einerseits wird der Kirche von vielen Menschen ein Niedergang vorausgesagt. Andererseits vertrauen die Verfassenden darauf, dass diese Diagnose nicht das letzte Wort sein muss. Mit Humor und Gottvertrauen greifen sie deshalb eine alte biblische Vision auf, die bereits dem Volk Israel in einer scheinbar aussichtslosen Situation neue Hoffnung vermittelt hat.

Die gegenwärtige Situation der Kirche wird zunächst bewusst zugespitzt dargestellt. Thematisiert werden sinkende Mitgliederzahlen, weniger Priester, zurückgehende Kirchensteuereinnahmen, große Pfarreien, leere Kirchen, fehlende junge Menschen und die wachsende Resignation vieler engagierter Glaubender. Hinzu kommt die Erfahrung, dass Menschen in kirchlichen Gremien den Eindruck gewinnen, mit ihren Meinungen und ihrem Engagement wenig verändern zu können. Das Bild einer sterbenden Kirche wird dadurch immer stärker.

Als weitere Ursachen der Resignation werden die Missbrauchsfälle, umstrittene Entscheidungen der Kirchenleitung, die Diskussion um den Zölibat, Gemeindezusammenlegungen und eine zunehmende Distanz zwischen kirchlicher Leitung und dem Alltag der Menschen genannt. Kritisiert werden außerdem eine zunehmende Anonymität in großen kirchlichen Einheiten und ein mangelndes Vertrauen in die Glaubenden. Viele engagierte Menschen empfinden sich als machtlos und haben den Eindruck, dass ihre Erfahrungen und ihre geistlichen Fähigkeiten nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Diese Situation wird mit dem Bild aus Ezechiel 37 verbunden. Die Kirche erscheint wie ein Feld voller ausgetrockneter Knochen. Die Knochen stehen symbolisch für eine Gemeinschaft, die einmal lebendig war, nun aber auseinandergefallen, kraftlos und resigniert erscheint. Das Bild soll jedoch nicht nur den Niedergang darstellen. Es bildet den Ausgangspunkt für die Frage, ob aus dem scheinbar Toten wieder neues Leben entstehen kann.

Um die Bedeutung der Vision zu verstehen, erläutert der Text zunächst die historische Situation des Propheten Ezechiel. Jerusalem war von den Babyloniern erobert worden. Ezechiel und viele andere Menschen wurden nach Babylon verschleppt. Später wurden Jerusalem und der Tempel zerstört. Für Israel bedeutete dies eine schwere politische und religiöse Krise. Die Menschen hatten ihre Heimat, ihre heilige Stadt, den Tempel und die vertrauten religiösen Strukturen verloren. Viele fragten sich, ob Gott sein Volk verlassen habe und ob der Bund mit Israel überhaupt noch Bestand habe.

Die Krise wird noch dadurch verschärft, dass Israel mit der mächtigen babylonischen Kultur und Religion konfrontiert wird. Dadurch entsteht die Frage, ob die Götter Babylons vielleicht mächtiger seien als der Gott Israels. Die Menschen erleben sich als kleine und machtlose Glaubensgemeinschaft. Einige geben ihren Glauben und ihre religiösen Traditionen auf. Andere halten daran fest, erleben sich aber als schrumpfende Minderheit. Die Verfassenden erkennen darin eine Parallele zur gegenwärtigen Situation vieler christlicher Gemeinden.

In genau diese Situation spricht die Vision von den Totengebeinen. Ezechiel sieht eine Ebene voller ausgetrockneter Knochen. Gott fragt ihn, ob diese Gebeine wieder lebendig werden können. Ezechiel überlässt die Antwort Gott. Daraufhin erhält er den Auftrag, zu den Knochen zu sprechen. Die Knochen rücken zusammen, erhalten Sehnen, Fleisch und Haut. Doch zunächst fehlt ihnen noch die entscheidende Lebenskraft. Erst als Gottes Geistkraft in sie kommt, werden sie lebendig und stehen auf. Die Totengebeine stehen ausdrücklich für das Volk Israel, das seine Hoffnung verloren hat und sich selbst für verloren hält. Gott verspricht jedoch, sein Volk wieder aufzurichten und ihm seine Geistkraft einzuhauchen.

Aus dieser Vision entwickelt Hecht mehrere Schritte, die auch auf die heutige Kirche übertragen werden. Der erste Schritt besteht in einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Ezechiel muss sich die Knochen genau ansehen. Auch die Kirche soll ihre Situation nicht beschönigen. Resignation, Vereinzelung und fehlende Lebendigkeit müssen wahrgenommen und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Erst wenn die tatsächliche Situation erkannt wird, kann Veränderung beginnen.

Der zweite Schritt besteht darin, Gott überhaupt noch zuzutrauen, dass aus einer scheinbar hoffnungslosen Situation neues Leben entstehen kann. Ezechiel weiß nicht, ob die Knochen wieder lebendig werden können. Er überlässt die Antwort Gott. Diese Haltung wird als Vertrauen verstanden. Glaubende müssen nicht selbst wissen, wie die Kirche gerettet werden kann. Sie können aber darauf vertrauen, dass Gottes Möglichkeiten größer sind als die menschlichen Möglichkeiten.

Der dritte Schritt ist der ermutigende Zuspruch. Prophetisches Reden soll nach dem Text nicht hauptsächlich verurteilen, sondern Menschen aufbauen. Ezechiel vermittelt dem resignierten Volk eine Vision von neuem Leben. Solche inneren Bilder können Hoffnung erzeugen und Menschen neue Handlungsmöglichkeiten erkennen lassen. Eine Kirche in der Krise braucht deshalb nicht nur Kritik, sondern auch Visionen davon, wie lebendiges Christsein aussehen könnte.

Der vierte Schritt besteht im Zusammenrücken. Die verstreuten Knochen verbinden sich wieder miteinander. Dieses Bild wird auf die Kirche übertragen. Die verschiedenen Glieder der Gemeinschaft müssen miteinander verbunden werden. Gleichzeitig müssen die unterschiedlichen Fähigkeiten und Charismen der Menschen berücksichtigt werden. Der Text kritisiert, dass in einer stark hierarchischen Kirche viele Begabungen nicht ausreichend zur Geltung kommen. Eine lebendige Kirche braucht deshalb die Fähigkeiten vieler Menschen und ein tragfähiges Netz persönlicher Beziehungen.

Der fünfte und entscheidende Schritt ist die Geistkraft Gottes. Ein äußerlich vollständiger Körper ist noch nicht lebendig. Erst der Atem Gottes schenkt wirkliches Leben. Die Geistkraft kann nicht von Menschen hergestellt werden. Sie wird von Gott geschenkt. Die Glaubenden können Strukturen verändern, Beziehungen stärken und ihre Fähigkeiten einbringen. Das eigentliche Leben der Kirche können sie jedoch nicht selbst erzeugen. Dafür müssen sie sich Gottes Geist öffnen.

Der sechste Schritt besteht darin, tatsächlich aufzustehen. Menschen, die von Gottes Geist erfüllt sind, sollen nicht passiv bleiben. Sie werden zu begeisterten und handelnden Menschen. Das Aufstehen wird dabei mit Auferstehen verbunden. Neues Leben zeigt sich darin, dass Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Welt gestalten. Am Ende steht deshalb nicht nur ein einzelner lebendiger Mensch, sondern eine aufgerichtete und widerstandsfähige Gemeinschaft.

Aus dieser biblischen Vision entwickeln die drei Verfassenden konkrete Vorstellungen einer zukunftsfähigen Kirche. Joachim Lauer beschreibt anhand der Arbeit mit Ministranten, wie Gemeinschaft neu entstehen kann, wenn bisherige Grenzen zwischen Gemeinden überwunden werden. Entscheidend ist für ihn, nicht ständig das Gegenwärtige mit einer vermeintlich besseren Vergangenheit zu vergleichen. Stattdessen sollen Menschen Verantwortung für die Kirche übernehmen. Kirche besteht nicht nur aus der Leitung. Jeder Glaubende gehört zu ihr und trägt Mitverantwortung.

Kirchenreform bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, ständig Neues einzuführen. Reform ist notwendig, wenn bisherige Formen dem Leben nicht mehr dienen und zum Selbstzweck geworden sind. Kirche soll sich deshalb immer wieder erneuern. Gleichzeitig betont Lauer, dass Gottes Geist nicht auf kirchliche Gebäude und bestehende Strukturen begrenzt werden kann. Er wirkt auch außerhalb dieser Grenzen und in den einzelnen Glaubenden.

Anneliese Hecht entwickelt die Vision einer lebendigen Kirche, in der Menschen Gott und einander viel zutrauen. Christinnen und Christen sollen sich von Gottes Liebe und Güte beschenkt wissen und diese Haltung an andere Menschen weitergeben. Kirche soll nicht darauf warten, dass Menschen zu ihr kommen. Sie soll sich wie Jesus den Menschen zuwenden und an ihrem Leben Anteil nehmen.

Eine weitere wichtige Vision ist die Vielfalt der Charismen. Die unterschiedlichen Gaben der Glaubenden sollen als Bereicherung verstanden und tatsächlich genutzt werden. Hecht kritisiert, dass kirchliche Strukturen diese Fähigkeiten teilweise einschränken. Sie plädiert für überschaubare Gemeinschaften, in denen Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können, sowie für lebendige Gottesdienste, an deren Gestaltung viele Glaubende beteiligt sind.

Besonders wichtig ist Hecht die Vorstellung eines Kirchenvolkes, das aufsteht und Verantwortung für den eigenen Glauben übernimmt. Glaubende sollen sich nicht lediglich als Empfänger kirchlicher Angebote verstehen und nicht ausschließlich Papst, Bischöfe und Priester für den Zustand der Kirche verantwortlich machen. Der Glaube soll persönlich erfahren, selbst vertreten und aktiv gestaltet werden. Die gemeinsame Würde aller Glaubenden bildet dafür die theologische Grundlage.

Franz Josef Ortkemper ergänzt diese Perspektive durch die Betonung des bleibenden Wertes des Glaubens. Die Fehler und Probleme der Kirche sollen nicht dazu führen, den Schatz des Evangeliums aufzugeben. Die Kirche besteht aus fehlbaren Menschen und ist deshalb selbst unvollkommen. Trotzdem trägt sie die Botschaft des Evangeliums durch die Geschichte. Im Mittelpunkt dieser Botschaft steht ein Gott, der den Menschen beisteht, ihnen neuen Mut gibt und sie nicht allein lässt.

Zum Schluss wird die Kirche mit dem paulinischen Bild eines Leibes mit vielen Gliedern beschrieben. Kein Glied ist unwichtig. Jeder Mensch kann dazu beitragen, dass eine Gemeinde lebendig, offen und einladend wird. Eine solche Kirche orientiert sich am befreienden Handeln Jesu. Menschen sollen in ihr aufatmen und neuen Lebensmut gewinnen können. Unterschiedliche Meinungen müssen dabei nicht verschwinden. Entscheidend sind gegenseitiger Respekt, Wertschätzung und gemeinsame Verantwortung.

Für den Religionsunterricht bietet der Text vielfältige Möglichkeiten. Lernende können die Vision von Ezechiel 37 zunächst in ihrem historischen Zusammenhang verstehen und anschließend nach ihrer Bedeutung für heutige Krisenerfahrungen fragen. Besonders geeignet sind die Symbole der ausgetrockneten Knochen, des Atems, der Geistkraft und des Aufstehens. Lernende können diskutieren, was eine Glaubensgemeinschaft lebendig macht, welche Verantwortung einzelne Glaubende besitzen und welche Bedeutung Gottes Geist für Erneuerung und Hoffnung hat. Dabei kann auch kritisch über Kirchenstrukturen, Charismen, Ämter, Reformen und die Beteiligung aller Glaubenden gesprochen werden.

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