Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders zur vertieften Beschäftigung mit Gebet, Gottesvorstellungen, Jesus, jüdischen Wurzeln des Christentums und der Frage, welche Bedeutung das Vaterunser heute besitzt. Als Einstieg können die Lernenden zusammentragen, wo ihnen das Vaterunser bereits begegnet ist, etwa im Gottesdienst, bei kirchlichen Feiern, bei familiären Anlässen oder im Religionsunterricht. Dabei sollte niemand dazu verpflichtet werden, persönliche Gebetserfahrungen oder die eigene religiöse Haltung offenzulegen. Anschließend kann das Vaterunser zunächst ohne ausführliche Erklärung gelesen werden. Die Lernenden markieren Wörter und Aussagen, die ihnen vertraut erscheinen, die sie ansprechen, die Fragen auslösen oder die ihnen fremd geworden sind. Besonders ergiebig ist anschließend der vom Medium vorgeschlagene Vergleich verschiedener Fassungen. Die heute gebräuchliche Gebetsfassung kann der Version bei Matthäus und der Version bei Lukas gegenübergestellt werden. Die Lernenden untersuchen Unterschiede in Umfang, Wortwahl, Anrede und einzelnen Bitten. Wichtig ist dabei, nicht nach einer richtigen und einer falschen Version zu fragen. Das Material betont ausdrücklich, dass gerade die kleinen Unterschiede neue Möglichkeiten des Verstehens eröffnen können. Methodisch kann hierfür eine Tabelle eingesetzt werden, in der Beobachtungen zunächst gesammelt und anschließend gedeutet werden. Für ältere Lernende bietet sich zusätzlich die Untersuchung des jeweiligen biblischen Kontextes an. Im Matthäusevangelium kann die Stellung innerhalb der Bergpredigt untersucht werden, während bei Lukas die Bitte um das Lehren des Betens zum Ausgangspunkt einer Diskussion über die Bedeutung des Gebets wird. Besonders wichtig ist die Einbeziehung der jüdischen Tradition. Durch den Vergleich mit dem Kaddischgebet können die Lernenden erkennen, dass christliches Beten nicht losgelöst von jüdischer Tradition verstanden werden kann. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede sollten dabei sachlich beschrieben und nicht wertend gegeneinander ausgespielt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die einzelnen Bitten des Vaterunsers auf Gruppen zu verteilen. Jede Gruppe erschließt eine Bitte und formuliert Fragen wie: Welche menschliche Erfahrung kommt darin zum Ausdruck? Welche Vorstellung von Gott wird sichtbar? Welche Hoffnung verbindet sich damit? Welche Bedeutung könnte diese Bitte heute besitzen? Anschließend werden die Ergebnisse in der Reihenfolge des Gebets zusammengeführt. Auf diese Weise wird sichtbar, dass das Vaterunser sowohl die Beziehung zu Gott als auch elementare menschliche und gesellschaftliche Anliegen umfasst. Kreativ können die Lernenden einzelne Bitten durch Symbole, Fotografien oder Zeichnungen darstellen. Ebenso können sie eine Bitte vorsichtig in heutige Sprache übertragen und anschließend prüfen, welche Bedeutungsverschiebungen dadurch entstehen. Die im Material auf Seite eins verwendeten visuellen Motive zu Versuchung sowie die auf Seite drei dargestellte bedrängende Situation zur Bitte um Erlösung können als Bildimpulse genutzt werden. Sie ermöglichen die Frage, welche Vorstellungen mit Versuchung, Abhängigkeit, Bedrohung, Freiheit und Erlösung verbunden werden. Besonders sensibel sollte die Vateranrede behandelt werden. Da familiäre Erfahrungen sehr unterschiedlich sein können, darf ein positives menschliches Vaterbild nicht einfach vorausgesetzt werden. Die Lernenden können stattdessen untersuchen, welche Eigenschaften die biblische Gottesbeziehung ausdrücken möchte und welche anderen biblischen Gottesbilder diese Vorstellung ergänzen. Für eine abschließende Sicherung können die Lernenden ein Wort oder eine Formulierung auswählen, die ihnen nach der Beschäftigung mit dem Gebet besonders bedeutsam, schwierig oder fragwürdig erscheint. Genau eine solche persönliche Auswahl einzelner Worte oder Formulierungen schlägt auch das Material als Abschluss der Arbeit vor. Auf diese Weise wird das Vaterunser nicht lediglich als auswendig gelernter Text behandelt, sondern als biblisches Gebet erschlossen, dessen Sprache, Gottesbild, jüdische Verwurzelung und existenzielle Fragen von den Lernenden eigenständig entdeckt und reflektiert werden können.