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Honig im Kopf

Was passiert mit jemandem, der an Alzheimer erkrankt?

Veröffentlichung:26.11.2014

Das kurze Video thematisiert die Alzheimer Erkrankung aus der Perspektive eines Kindes. Ein Mädchen fragt eine Ärztin, was Alzheimer bedeutet, weil es vermutet, dass sein Opa an dieser Krankheit leidet. Die Ärztin erklärt die Erkrankung mithilfe eines anschaulichen Bildes. Ein Bücherregal steht für das Gehirn des Großvaters und die einzelnen Bücher für Erinnerungen und Wissen. Durch die Erkrankung fallen zunächst einzelne Bücher um. Manche richten sich zeitweise wieder auf, während andere umfallen. Im Verlauf der Erkrankung werden es immer mehr Bücher, die schließlich ganz aus dem Regal fallen. Auf die Frage des Mädchens, was es für seinen Großvater tun könne, betont die Ärztin vor allem Liebe, Verständnis und das Gefühl, weiterhin gebraucht zu werden. Das Video vermittelt damit nicht nur eine einfache Vorstellung von Alzheimer, sondern stellt zugleich die Frage in den Mittelpunkt, wie Menschen einem erkrankten Angehörigen wertschätzend begegnen können.

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Für den Religionsunterricht eignet sich das Video besonders zur Beschäftigung mit den Themen Menschenwürde, Krankheit, Alter, Erinnerung, Identität, Nächstenliebe, Fürsorge und Verantwortung. Die medizinische Erklärung der Alzheimer Erkrankung steht dabei nicht im Mittelpunkt des Religionsunterrichts. Vielmehr eröffnet das Video einen Zugang zur ethischen und religiösen Frage, was einen Menschen ausmacht und worauf seine Würde gründet. Besonders das Bild des Bücherregals bietet hierfür einen geeigneten Ausgangspunkt. Die Lernenden können zunächst beschreiben, wofür die Bücher stehen könnten. Anschließend kann darüber nachgedacht werden, was geschieht, wenn ein Mensch Erinnerungen, Fähigkeiten und Wissen verliert. Daraus ergibt sich eine zentrale religionspädagogische Fragestellung: Bleibt ein Mensch derselbe Mensch, wenn er sich nicht mehr an seine eigene Lebensgeschichte oder an andere Menschen erinnern kann? Diese Frage ermöglicht die Auseinandersetzung mit einem christlichen Menschenbild, nach dem der Wert eines Menschen nicht von seiner geistigen Leistungsfähigkeit, seinem Wissen oder seiner Selbstständigkeit abhängt. Die Würde des Menschen bleibt auch bei Krankheit und zunehmender Hilfsbedürftigkeit bestehen.

Methodisch bietet sich zunächst eine Betrachtung des Videos ohne umfangreiche Vorinformationen an. Die Lernenden können während des Sehens darauf achten, welche Fragen das Mädchen stellt und wie die Ärztin darauf antwortet. Anschließend können die wichtigsten Aussagen gemeinsam gesammelt werden. Das Bücherregal kann danach als zentrales Symbol aufgegriffen werden. Die Lernenden können beispielsweise einzelne Bücher zeichnen und darin Begriffe notieren, die zur Identität eines Menschen gehören können, etwa Familie, Freunde, Erlebnisse, Fähigkeiten, Gefühle, Wünsche, Hoffnungen, Beziehungen und Erinnerungen. Danach kann die Frage diskutiert werden, ob die Identität eines Menschen ausschließlich aus diesen Erinnerungen besteht. Gerade hier bietet sich die Verbindung zu religiösen Vorstellungen an. Aus christlicher Perspektive kann thematisiert werden, dass der Mensch unabhängig von seinen Fähigkeiten und Erinnerungen als Geschöpf Gottes eine unverlierbare Würde besitzt.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Perspektive des Kindes genauer zu betrachten. Seine Frage, was es tun könne, damit es dem Großvater besser gehe, ist für Lernende unmittelbar nachvollziehbar und eröffnet einen handlungsorientierten Zugang. Die Lernenden können überlegen, welche Formen der Zuwendung einem Menschen mit Demenz guttun können. Das Video nennt insbesondere Liebe, Verständnis und sinnvolle Aufgaben. Im Unterricht kann diese Aussage erweitert werden durch die Frage, was es konkret bedeutet, einen Menschen ernst zu nehmen, dessen Aussagen möglicherweise nicht mehr der gemeinsam wahrgenommenen Wirklichkeit entsprechen. In Partnerarbeit können kleine Alltagssituationen besprochen werden. Dabei sollte nicht das vermeintlich richtige Verhalten eingeübt werden, sondern eine Haltung von Geduld, Respekt, Aufmerksamkeit und Wertschätzung entwickelt werden.

Das Video bietet außerdem einen guten Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Leistung und Menschenwürde. Lernende können zunächst sammeln, woran Menschen in unserer Gesellschaft häufig gemessen werden, beispielsweise an Wissen, Selbstständigkeit, Erfolg, Leistungsfähigkeit oder Produktivität. Anschließend kann die Situation eines Menschen betrachtet werden, der viele dieser Fähigkeiten zunehmend verliert. Die Lernenden können diskutieren, ob dadurch auch sein Wert geringer wird. Im Religionsunterricht lässt sich diese Fragestellung mit der Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit des Menschen verbinden. Daraus kann die Einsicht entwickelt werden, dass menschliche Würde nicht verdient werden muss und auch nicht durch Krankheit verloren geht.

Eine vertiefende Fragestellung betrifft die Bedeutung von Erinnerung für die menschliche Identität. Wenn der Großvater irgendwann möglicherweise den Namen seines Enkelkindes nicht mehr kennt, stellt sich die Frage, ob die Beziehung zwischen beiden dennoch bestehen bleibt. Die Lernenden können überlegen, ob eine Beziehung nur davon abhängt, dass beide Menschen sich gegenseitig erkennen und erinnern. Hier können Begriffe wie Treue, Liebe, Fürsorge und Verantwortung einbezogen werden. Eine religiöse Erweiterung bietet die Frage, ob ein Mensch auch dann von Gott gekannt und angenommen sein kann, wenn er selbst vieles vergessen hat. Als möglicher biblischer Bezug eignet sich die Vorstellung, dass Gott den Menschen kennt und beim Namen ruft. Damit eröffnet das Video eine Hoffnungsperspektive, die über die medizinische Betrachtung der Erkrankung hinausgeht.

Bei der Verwendung des Videos ist besondere Sensibilität erforderlich. In einer Lerngruppe können Lernende sein, deren Großeltern, Eltern oder andere nahestehende Personen an einer Form von Demenz erkrankt sind. Persönliche Erfahrungen sollten deshalb niemals eingefordert werden. Lernende sollten selbst entscheiden können, ob und in welchem Umfang sie davon erzählen möchten. Ebenso sollte deutlich gemacht werden, dass das im Video verwendete Bücherregal eine vereinfachende Veranschaulichung darstellt. Im Religionsunterricht sollte das Bild daher vor allem als Ausgangspunkt für Fragen nach Erinnerung, Identität, Beziehung und Würde verwendet werden.

Zum Abschluss bietet sich eine kreative Sicherung an. Die Lernenden können einen Gedanken, einen kurzen Satz oder eine symbolische Darstellung zu der Frage gestalten: Was bleibt von einem Menschen, wenn Erinnerungen verloren gehen? Alternativ können sie einen kurzen Text aus der Perspektive des Enkelkindes verfassen und darin beschreiben, was es seinem Großvater trotz seiner Erkrankung sagen möchte. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, gemeinsam Regeln für einen würdevollen Umgang mit Menschen mit Demenz zu formulieren. Dadurch werden die Erkenntnisse des Videos auf konkrete Handlungsmöglichkeiten übertragen und zugleich mit den religionspädagogischen Leitbegriffen Menschenwürde, Nächstenliebe und Verantwortung verbunden.

Fragestellungen zum Video mit Antworten: Was möchte das Mädchen von der Ärztin wissen? Das Mädchen möchte wissen, was Alzheimer ist, weil es vermutet, dass sein Großvater davon betroffen ist. Wie erklärt die Ärztin die Erkrankung? Sie vergleicht das Gehirn mit einem Bücherregal. Die Bücher stehen sinnbildlich für Wissen und Erinnerungen. Durch die Erkrankung fallen zunächst einzelne Bücher um und manche richten sich zeitweise wieder auf. Mit fortschreitender Erkrankung fallen immer mehr Bücher aus dem Regal. Warum ist dieses Bild für Kinder und Jugendliche verständlich? Ein Bücherregal ist ein konkretes und leicht vorstellbares Bild, mit dessen Hilfe das schrittweise Vergessen anschaulich dargestellt werden kann. Was möchte das Mädchen für seinen Großvater tun? Es möchte wissen, wie es ihm helfen kann und was dazu beitragen könnte, dass es ihm besser geht. Was braucht der Großvater nach Aussage der Ärztin besonders? Er braucht Liebe und Verständnis. Außerdem soll er weiterhin Aufgaben bekommen, damit er erleben kann, dass er gebraucht wird. Wie sollte das Mädchen reagieren, wenn der Großvater Dinge sagt oder tut, die für andere keinen Sinn ergeben? Nach der Botschaft des Videos sollte es verständnisvoll mit ihm umgehen und ihm weiterhin Wertschätzung vermitteln. Verliert ein Mensch seine Würde, wenn er Erinnerungen und Fähigkeiten verliert? Aus religionspädagogischer und christlicher Perspektive lautet die Antwort nein. Die Würde eines Menschen hängt nicht von Gedächtnis, Wissen, Leistung oder Selbstständigkeit ab. Was macht einen Menschen aus, wenn Erinnerungen verloren gehen? Ein Mensch ist mehr als die Summe seiner Erinnerungen. Zu seiner Person gehören auch seine Beziehungen, seine Gefühle, seine Lebensgeschichte und die Würde, die ihm unabhängig von seinen Fähigkeiten zukommt. Warum kann das Thema Alzheimer im Religionsunterricht behandelt werden? Die Erkrankung führt zu grundlegenden Fragen nach Menschsein, Identität, Würde, Liebe, Verantwortung, Krankheit und dem Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen. Welche Bedeutung kann Nächstenliebe im Umgang mit einem Menschen mit Demenz haben? Nächstenliebe kann bedeuten, geduldig zu sein, Zeit zu schenken, zuzuhören, den Menschen ernst zu nehmen und ihm auch bei zunehmender Hilfsbedürftigkeit mit Respekt zu begegnen. Was kann das Video über den Wert eines Menschen vermitteln? Es kann verdeutlichen, dass ein Mensch auch dann wertvoll bleibt, wenn er Fähigkeiten verliert und zunehmend auf die Unterstützung anderer angewiesen ist. Welche religiöse Frage ergibt sich aus dem Verlust von Erinnerungen? Eine zentrale Frage lautet, ob ein Mensch auch dann gekannt, geliebt und angenommen bleibt, wenn er selbst andere Menschen oder Teile seiner eigenen Lebensgeschichte vergisst. Aus christlicher Perspektive kann darauf mit der Vorstellung geantwortet werden, dass Gottes Beziehung zum Menschen nicht von dessen Erinnerungsvermögen oder Leistungsfähigkeit abhängig ist.

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10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.3 Das Leben verantworten: Grundfragen medizinischer Ethik.

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