Didaktisch bietet das Medium einen besonders geeigneten Zugang zur Behandlung biblischer Wundererzählungen, weil es die häufig von Lernenden gestellte Frage, ob ein Wunder wirklich so geschehen sei, nicht zum alleinigen Ausgangspunkt der Interpretation macht. Stattdessen wird zunächst über menschliche Grunderfahrungen wie Vertrauen, Angst, Unsicherheit und Zweifel gearbeitet. Diese Vorgehensweise eröffnet einen lebensweltlichen Zugang. Die Lernenden können zu Beginn Situationen sammeln, in denen Vertrauen notwendig ist, obwohl der Ausgang einer Handlung nicht sicher vorhergesehen werden kann. Anschließend kann darüber gesprochen werden, was es bedeutet, einer Person zu vertrauen und weshalb Vertrauen immer auch ein Risiko beinhaltet. Das Medium bezeichnet zwischenmenschliches Vertrauen in Anlehnung an Niklas Luhmann als eine riskante Vorleistung. Diese Vorstellung lässt sich später unmittelbar auf Petrus übertragen. Methodisch empfiehlt sich danach die Arbeit mit dem Bild Litzenburgers, zunächst bewusst ohne Kenntnis des zugehörigen Bibeltextes. Da das Bild nicht unmittelbar zu entschlüsseln ist, fordert es zur genauen Wahrnehmung heraus. Das Medium sieht deshalb eine ausführliche Bildbeschreibung oder alternativ eine ruhige meditative Bildbetrachtung vor. Die Lernenden sollten zunächst ausschließlich beschreiben, was sie wahrnehmen. Erst danach werden Deutungen formuliert. Dabei können Körperhaltung, Blickrichtungen, Größenverhältnisse, Linienführung, Dunkelheit, Wasser, Boot und Gesten untersucht werden. Auf dem Bild auf Seite 5 tritt besonders der Gegensatz zwischen dem versinkenden und die Arme ausstreckenden Petrus und der großen, aufrecht dargestellten Christusgestalt hervor. Nach der eigenständigen Bilderschließung wird Mt 14,22 bis 33 gelesen. Die Lernenden erhalten anschließend die Aufgabe, auf einer Kopie des Bildes diejenigen Elemente zu kennzeichnen, die sich auf konkrete Aspekte des biblischen Textes beziehen. Genau diese Aufgabenstellung ist auch auf dem Arbeitsmaterial vorgesehen. Durch den Vergleich von Bild und Text wird deutlich, dass ein Kunstwerk einen biblischen Text nicht lediglich illustriert, sondern interpretiert. Litzenburgers Interpretation verdichtet die Erzählung nach Darstellung des Mediums auf die Aussage, dass Jesus Christus aus Angst und Not rettet. In einem weiteren Unterrichtsschritt empfiehlt sich der synoptische Vergleich von Mt 14,22 bis 33 und Mk 6,45 bis 52. Die Lernenden können Unterschiede zunächst in Einzelarbeit oder Partnerarbeit markieren und anschließend deren Bedeutung diskutieren. Das Medium hebt insbesondere die unterschiedlichen Reaktionen der Jünger, das Motiv des Vorübergehens Jesu bei Markus und die nur bei Matthäus vorhandene Petrusepisode hervor. Besonders ergiebig ist die Auseinandersetzung mit Petrus. Sein Aussteigen aus dem Boot kann als Ausdruck großen Vertrauens verstanden werden. Als er jedoch auf den Sturm blickt, verliert er dieses Vertrauen, bekommt Angst und beginnt zu sinken. Sein Ruf „Herr, rette mich!“ und die ausgestreckte Hand Jesu bilden den theologischen Mittelpunkt der Erzählung. Die Lernenden können diskutieren, ob Zweifel das Gegenteil von Glauben darstellt oder zum Glauben gehören kann. Gerade Petrus eröffnet hier einen produktiven Zugang, weil er zugleich glaubt, zweifelt, scheitert und gerettet wird. Als Transfer können die Lernenden eigene Bilder oder kurze Texte zu der Frage gestalten, welche persönlichen oder gesellschaftlichen Erfahrungen sich als Sturm, Boot, sinkender Boden oder rettende Hand symbolisieren lassen. Dabei sollte darauf geachtet werden, persönliche Erfahrungen nicht einzufordern. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Satz „Herr, rette mich!“ als Ausgangspunkt für ein inneres Gespräch des Petrus, ein Gebet oder einen Perspektivtext zu verwenden. Zum Abschluss sollte die Wunderfrage ausdrücklich wieder aufgenommen werden. Das Medium schlägt vor, weder eine ausschließlich fundamentalistische noch eine rein empiristische Antwort zu geben. Stattdessen können die Lernenden untersuchen, welche Glaubensaussage mit der Erzählung verbunden ist. Der Gang über das Wasser kann dabei als Zeichen dafür erschlossen werden, dass die bedrohlich erscheinenden Chaosmächte nicht das letzte Wort haben. Aus der Perspektive des Glaubens können Ängste dadurch relativiert und neue Handlungsmöglichkeiten sichtbar werden. Auf diese Weise verbindet das Medium Bibeldidaktik, Bilddidaktik und existenzielle Fragen der Lernenden und ermöglicht eine differenzierte Auseinandersetzung mit Wunder, Glaube, Vertrauen und Zweifel.
Im Vergleich mit Ex 12,13; 33,19.22; 34,6 und 1 Kön 19,11 wird deutlich, dass Jesus die Schrift erfüllt indem er die Mächte des Chaos besiegt und so seine Gottes Sohnschaft belegt. In MK dagegen verstehen die Jünger zuerst nichts. MT 14,28-31 beschreibt Petrus als den Zweifelnden, der untergeht. Als er um Hilfe bittet, zeigt sich in der Hilfe Jesu die frohe Botschaft. So ist auch und gerade ein inneres Verstehen eines Wunders nötig, um ihm Sinn beizumessen.