Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Sekundarstufe II und für Themenfelder wie Menschenwürde, Menschenrechte, Gewissen, Verantwortung, Schuld, Gerechtigkeit, Zivilcourage, Widerstand, Demokratie und gesellschaftliches Engagement. Die beiden Module sind jeweils für etwa 90 Minuten konzipiert und können auch unabhängig voneinander eingesetzt werden. Religionspädagogisch besonders ergiebig ist Bauers Verbindung von Widerstand, Mitgefühl und Solidarität. Widerstand erscheint bei ihm nicht ausschließlich als politisches oder juristisches Problem, sondern als persönliche Verantwortung gegenüber Menschen, deren Freiheit, Gleichheit und Würde bedroht werden. Damit lässt sich eine Brücke zu religiösen und ethischen Vorstellungen von Gewissen, Nächstenliebe, Verantwortung für den Mitmenschen und dem Eintreten für Schwache und Verfolgte schlagen. Bauer versteht Widerstand ausdrücklich als persönliches Engagement und verbindet ihn mit Solidarität gegenüber Unfreien, Ungleichen, Erniedrigten und Beleidigten. Als Einstieg bietet sich die im Material vorgeschlagene Placemat Methode an. In Gruppen von vier Personen notieren die Lernenden zunächst individuell, was sie unter einem Recht auf Widerstand verstehen und in welchen Situationen ein solches Recht ihrer Ansicht nach zur Anwendung kommen könnte. Anschließend vergleichen sie ihre Vorstellungen und verständigen sich auf gemeinsame Aussagen. Die Ergebnisse werden im Plenum gesammelt, geordnet und zu Themenfeldern zusammengeführt. Dieser Zugang aktiviert Vorwissen und macht unterschiedliche Vorstellungen von Protest, Ungehorsam und Widerstand sichtbar. Im Religionsunterricht kann die Methode um ethische Leitfragen erweitert werden, etwa wann Gehorsam moralisch problematisch wird, ob das Gewissen dazu verpflichten kann, sich staatlichen Vorgaben zu widersetzen, oder ob Menschen eine moralische Verantwortung besitzen, für die Rechte anderer einzutreten. Anschließend kann die Fernsehsendung mit Fritz Bauer eingesetzt werden. Das Material schlägt unterschiedliche Beobachtungsaufträge vor, mit denen die Lernenden Bauers Aussagen über Rechtsextremismus, individuelle Verantwortung, Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus untersuchen. Nach der Sichtung werden die Beobachtungen zusammengetragen und auf gegenwärtige Gefährdungen der Demokratie bezogen. Besonders produktiv ist die Frage, ob gesellschaftliche Verantwortung allein durch Wahlen wahrgenommen werden kann oder ob Situationen existieren, in denen Menschen zu einer weitergehenden Positionierung aufgefordert sind. Zur Visualisierung gesellschaftlicher Gefährdungen kann außerdem das auf Seite 15 dargestellte Eisbergmodell verwendet werden. Das sichtbare Phänomen Rechtsextremismus wird dabei mit tiefer liegenden Einstellungen wie Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, sozialer Ausgrenzung sowie Vorstellungen von Ungleichheit in Verbindung gebracht. Für eine vertiefende Unterrichtsphase eignet sich Bauers Text „Das Widerstandsrecht des kleinen Mannes“. Die Lernenden können in Gruppen unterschiedliche Aspekte erschließen: die Definition und Begründung des Widerstandsrechts, Widerstand während des Nationalsozialismus, die Frage nach der Berechtigung zum Widerstand sowie mögliche Einschränkungen und Formen des Missbrauchs des Widerstandsbegriffs. Die Ergebnisse können anschließend entsprechend dem Vorschlag des Materials in einer Fishbowl Diskussion zusammengeführt werden. Leitend kann die Frage sein, was Widerstandsrecht heute bedeutet und welche Bedeutung es innerhalb einer parlamentarischen Demokratie besitzt. Dabei sollte zwischen rechtlicher Zulässigkeit und ethischer Legitimität unterschieden werden. Für den Religionsunterricht empfiehlt sich eine zusätzliche Vertiefung über Gewissensentscheidungen. Die Lernenden können Fallbeispiele beurteilen, in denen staatliches Recht, persönliche Überzeugung, Verantwortung für andere und das eigene Gewissen miteinander in Konflikt geraten. Ebenso kann Bauers Verständnis mit religiösen Traditionen des Widerstands und der Verantwortung verglichen werden. Denkbar sind Bezüge zu prophetischer Kritik, zum Gebot der Nächstenliebe, zur Verantwortungsethik oder zu religiös motiviertem Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Wichtig ist dabei, zwischen historischem Widerstand im Unrechtsstaat und demokratischen Formen von Kritik, Opposition und Protest zu differenzieren. Gerade diese Unterscheidung ist für die Urteilsbildung zentral, da Bauer zwischen einem umfassenden Widerstandsrecht im Unrechtsstaat und einem begrenzteren Widerstandsrecht im Rechtsstaat unterscheidet. Zum Abschluss können die Lernenden einen eigenen Kommentar zu einem gesellschaftlichen Konflikt verfassen und begründet beurteilen, welche Formen von Protest oder Widerstand sie für legitim und angemessen halten. Das Material empfiehlt hierbei ausdrücklich, mögliche Spannungen zwischen Legitimität und Legalität zu berücksichtigen. Auf diese Weise fördert das Medium nicht nur historisches Wissen, sondern insbesondere Sachkompetenz, Methodenkompetenz und Urteilskompetenz sowie die Fähigkeit, eigene Werturteile zu formulieren, andere Positionen zu prüfen und menschliches Handeln auf der Grundlage von Menschenrechten zu beurteilen.
Der Einstieg erfolgt über ein Placemat zum Begriff Widerstandsrecht. Darin sammeln die Lernenden in Gruppenarbeit ihre Assoziationen und Vorstellungen zum Thema Widerstandsrecht. Die Ergebnisse können von der Lehrkraft auf Karten notiert und zu einem Cluster angeordnet werden. Beim Anlegen des Clusters kann schon eine erste Unterscheidung von Widerstand gegen staatliche oder private Vorhaben und Widerstand gegen staatliches Handeln, das selbst als demokratiegefährdend oder unvereinbar mit dem Grundgesetz betrachtet werden kann, vorgenommen werden. In einem nächsten Schritt werden fünf kurze Ausschnitte einer Talkrunde mit Fritz Bauer über die politische Situation des Jahres 1964, die als YouTube Video gestreamt werden kann, gemeinsam angesehen und unter fünf unterschiedlichen Beobachtungsaspekten bearbeitet. Themen der Talkshow sind die Gründung der NPD, Nachleben des Antisemitismus, Verfassungsschutz und NPD, die Rolle der Jugend zwischen Individualisierung und gesellschaftlicher Verantwortung sowie der Umgang mit der NS-Vergangenheit. Anschließend werden die Ergebnisse der Talkshow-Sichtung ausgewertet und es kann die Frage diskutiert werden, ob die Lernenden die von Bauer im Jahr 1964 thematisierten Gefahren für die Demokratie auch für die Gegenwart beobachten. Daraus könnte auch die Frage nach Möglichkeiten des Einzelnen, sich diesen Gefahren entgegenzustellen, abgeleitet und diskutiert werden.
Das Unterrichtsmodell enthält einen zweiten Arbeitsvorschlag für eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Aufsatz „Das Widerstandsrecht des kleinen Mannes“ von Fritz Bauer, in dem er die Frage erörtert, ob es neben dem Recht auf Widerstand, auch eine Pflicht zu Widerstand gibt. Dabei bezieht er sich auf die Zeit des Nationalsozialismus, weitet seine Frage aber auch auf die parlamentarische Demokratie aus, wodurch die Frage entsteht, was angemessene Formen des Widerstands sein könnten, sodass für die Lernenden ein Gegenwartsbezug deutlich wird. Es wird vorgeschlagen, die Lernenden den Text arbeitsteilig, das heißt unter Berücksichtigung unterschiedlicher Fragestellungen lesen zu lassen und ihre Ergebnisse anschließend mit der Fishbowl-Methode auszutauschen und zu diskutieren.