Der politische Populismus stellt religiöse Bildung vor eine doppelte Herausforderung: Während populistische Bewegungen aus demokratietheoretischer und theologischer Perspektive als problematisch zu bewerten sind, gehen sie gleichzeitig vielerorts enge strategische und ideologische Verbindungen mit Religion ein. Der Artikel untersucht diese Verquickungen systematisch und entwickelt Grundlinien einer populismuskritischen religiösen Bildung.
Die Analyse beginnt mit einer präzisen Begriffsklärung: Populismus wird verstanden als Kombination aus formaler Strategie (Politikstil mit demagoischen, emotionalisierenden Elementen und charismatischer Führung) und inhaltlicher „dünner Ideologie" (charakterisiert durch die Frontenstellung zwischen „wahrem Volk" und „dekadenter Elite"). Der Artikel zeigt auf, dass dieser Populismus sich an komplexere Ideologien anlagert – besonders deutlich im deutschsprachigen Raum beim autoritären Rechtspopulismus mit seinen chauvinistischen Nationalismus-Merkmalen.
Die theologische und demokratietheoretische Kritik am Populismus zielt auf dessen antipluralistische Tendenzen und die damit verbundene Gefahr der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Aus theologischer Sicht erweist sich die Erhebung des „Volkes" zur absoluten Autorität als problematisch: Sie besetzt die einzig Gott vorbehaltene Leerstelle der absoluten Souveränität und verletzt damit das erste Gebot. Zudem unterminiert die antipluralistischen Weltsicht das christliche Gleichheitsgebot aller Menschen.
Der Beitrag plädiert dafür, diese Herausforderung nicht durch polemische Begriffsvergabe zu bewältigen, sondern durch eine reflektierte wissenschaftliche Analyse. Ziel ist es, Religionspädagog*innen theoretische Orientierungen für kritische Bildungsvorhaben in populistisch aufgeladenen Zeiten zur Verfügung zu stellen – ohne in die Falle zu tappen, dass wissenschaftliche Analyse zur Selbstvergewisserung des „guten Demokraten" wird.