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Deutschlandfunk

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Moderne Messias-Figuren von Trump bis Thunberg

Interview mit Barbara Schmitz

Veröffentlichung:24.2.2026

Das knapp zehnminütige Audio „Moderne Messias Figuren von Trump bis Thunberg“ aus dem Religionsmagazin Tag für Tag des Deutschlandfunks ist ein Interview mit der Theologin Barbara Schmitz und beschäftigt sich mit der Frage, weshalb Menschen auch in modernen und weitgehend säkularisierten Gesellschaften einzelne Personen mit messianischen Erwartungen verbinden. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass besonders in politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Krisenzeiten die Sehnsucht nach Personen wachsen kann, die Orientierung geben, Rettung versprechen und den Übergang zu einer besseren Ordnung verkörpern. Als gegenwärtige Beispiele werden unter anderem Donald Trump und Greta Thunberg aufgegriffen. Dabei geht es nicht darum, diese Personen religiös gleichzusetzen, sondern darum, vergleichbare Mechanismen messianischer Zuschreibungen zu untersuchen. Das Audio eröffnet damit einen Zugang zum Messiasbegriff, der über seine biblische Bedeutung hinaus nach seiner Wirkung in Politik und Gesellschaft fragt. Zugleich wird deutlich, dass messianische Erwartungen über unterschiedliche Zeiten, Kulturen und Religionen hinweg auftreten können.

Die knapp zehnminütige Podcastfolge „Moderne Messias-Figuren von Trump bis Thunberg – Interview mit Barbara Schmitz“ aus der Deutschlandfunk-Reihe Tag für Tag geht der Frage nach, warum in der Gegenwart immer wieder Personen als „Retter“, „Erlöser“ oder „Heilsbringer“ inszeniert oder wahrgenommen werden. Im Gespräch analysiert die Theologin und Philosophin Barbara Schmitz, welche religiösen Deutungsmuster in politischen und gesellschaftlichen Bewegungen mitschwingen – etwa bei Donald Trump oder Greta Thunberg. Die Sendung beleuchtet, wie sich messianische Erwartungen, Sehnsüchte nach Orientierung und Hoffnung auf radikale Veränderung auf einzelne Personen projizieren – und wo dabei religiöse Begriffe säkularisiert oder instrumentalisiert werden.

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Für den Religionsunterricht bietet das Audio einen lebensweltlich orientierten Zugang zum Themenfeld Messias, Erlösung, Hoffnung und religiöse Sprache in der Gegenwart. Besonders geeignet ist es als Übergang von der Beschäftigung mit biblischen Messiasvorstellungen zur Frage, welche Bedeutung messianisches Denken heute noch besitzt. Vor dem Hören können die Lernenden zunächst eigene Vorstellungen zum Begriff Messias sammeln. Begriffe wie Retter, Erlöser, Hoffnung, Krise, Veränderung, Führung, Charisma und Heil können geordnet und anschließend mit biblischen Vorstellungen verglichen werden. Als aktivierender Impuls eignet sich die Frage, ob eine Person auch dann als Messiasfigur bezeichnet werden kann, wenn sie selbst keinen religiösen Anspruch erhebt. Damit wird bereits eine zentrale Unterscheidung vorbereitet: Eine Person muss sich nicht selbst als Messias verstehen, damit andere Menschen messianische Erwartungen auf sie übertragen.

Während des Hörens empfiehlt sich ein strukturierter Hörauftrag. Die Lernenden können in einer Tabelle festhalten, welche Merkmale messianischer Figuren genannt werden, in welchen gesellschaftlichen Situationen solche Erwartungen entstehen, welche Personen als Beispiele erscheinen und welche Chancen beziehungsweise Gefahren mit der Konzentration von Hoffnungen auf einzelne Menschen verbunden sind. Eine zweite Lerngruppe kann besonders auf religiöse Begriffe achten, während eine dritte Gruppe gesellschaftliche und politische Aspekte sammelt. Nach dem Hören werden die Ergebnisse zusammengeführt. Dadurch wird verhindert, dass das Audio lediglich konsumiert wird. Vielmehr üben die Lernenden gezieltes Zuhören, Informationsentnahme und begriffliche Differenzierung.

Besonders ergiebig ist anschließend der Vergleich mit biblischen Messiasvorstellungen. Je nach Jahrgangsstufe können beispielsweise prophetische Hoffnungstexte, die Erwartungen an einen kommenden Friedenskönig oder neutestamentliche Deutungen Jesu herangezogen werden. Die Lernenden untersuchen dann, welche Vorstellungen von Rettung, Heil, Gerechtigkeit und Veränderung dort begegnen und worin sich diese von modernen politischen oder gesellschaftlichen Erlösungserwartungen unterscheiden. Auf diese Weise wird der Begriff Messias nicht vorschnell auf prominente Personen übertragen, sondern seine religiöse Bedeutung zum Maßstab einer kritischen Auseinandersetzung gemacht. Das Thema eignet sich darüber hinaus zur Förderung politischer und religiöser Urteilskompetenz. Gerade die Gegenüberstellung sehr unterschiedlicher Personen zeigt, dass nicht deren politische Ziele gleichgesetzt werden sollen, sondern die Prozesse untersucht werden, durch die Menschen zu Projektionsflächen von Hoffnung und Rettung werden. Die Forschung zum Messianismus untersucht entsprechend messianische Figuren, Erzählungen und Praktiken als Formen religiöser, kultureller, gesellschaftlicher und politischer Wirksamkeit.

Methodisch kann die Auswertung durch eine Positionslinie vertieft werden. Aussagen wie „Menschen brauchen in Krisenzeiten starke Retterfiguren“, „Politik sollte niemals mit religiösen Heilsvorstellungen verbunden werden“ oder „Auch eine nicht religiöse Person kann zur Messiasfigur werden“ fordern die Lernenden zu begründeten Stellungnahmen heraus. Ebenso eignet sich eine Gruppenarbeit, in der Kriterien für moderne Messiasfiguren entwickelt und anschließend kritisch geprüft werden. Als Abschluss können die Lernenden einen kurzen Kommentar zur Frage verfassen, warum die Sehnsucht nach Erlösung auch in einer säkularen Gesellschaft nicht verschwindet. Das Audio eignet sich damit insbesondere zur Förderung von Wahrnehmungskompetenz, Deutungskompetenz, Perspektivwechsel, Medienkompetenz und religiöser Urteilsbildung. Die vom Deutschlandfunk bereitgestellte Aufnahme hat eine Länge von 9 Minuten und 58 Sekunden und lässt sich daher vollständig innerhalb einer Unterrichtsstunde einsetzen.


Die Podcastfolge eignet sich besonders für Unterrichtseinheiten zu Messiaserwartung, religiöser Symbolik, politischer Theologie, Personenkult und Populismus in der Sekundarstufe II. Sie eröffnet einen hochaktuellen Zugang zur Frage, wie religiöse Sprachbilder und Heilsvorstellungen in säkularen Kontexten weiterwirken. Schülerinnen und Schüler können erkennen, dass religiöse Denkfiguren – etwa die Erwartung eines „Retters“, der Krise und Chaos überwindet – tief in kulturellen Mustern verankert sind und auch politische Diskurse prägen.

Didaktisch bietet der Beitrag die Möglichkeit, zunächst das biblische Messiasverständnis zu klären: Was bedeutet „Messias“ im Alten Testament? Wie wird Jesus im Neuen Testament als Christus gedeutet – und gerade nicht als politischer Machtmessias? Auf dieser Grundlage lässt sich analysieren, worin Unterschiede zwischen theologischer Hoffnung und politischer Überhöhung einzelner Führungspersonen bestehen. Die Lernenden können untersuchen, welche Merkmale moderne „Messias-Figuren“ zugeschrieben bekommen: moralische Reinheit, radikale Entschlossenheit, charismatische Sprache, Heilsversprechen oder die Inszenierung als Opferfigur.

Methodisch eignet sich das Interview gut als Impuls für eine kritische Medienanalyse. Schülerinnen und Schüler können politische Reden, Social-Media-Inszenierungen oder mediale Zuschreibungen untersuchen und fragen, wo religiöse Motive (Opfer, Erlösung, Endzeit, Rettung) rhetorisch genutzt werden. Dabei wird deutlich, wie stark moderne Gesellschaften trotz Säkularisierung weiterhin religiöse Deutungsmuster verwenden.

Für den katholischen Religionsunterricht eröffnet die Episode zudem eine theologische Vertiefung: Die christliche Hoffnung richtet sich nicht auf einzelne politische Akteure, sondern auf Gottes Heilshandeln. Daraus ergibt sich eine kritische Distanz gegenüber Personenkult und überhöhten Erwartungen an charismatische Führungspersonen. Gleichzeitig kann reflektiert werden, dass gesellschaftliche Bewegungen – etwa im Bereich Klima oder soziale Gerechtigkeit – legitime Hoffnungen auf Veränderung ausdrücken, ohne dass daraus ein religiöser Erlösungsanspruch werden muss.

Religionspädagogisch stärkt das Medium insbesondere die Urteilskompetenz im Umgang mit politischen Symbolen, die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen religiöser Hoffnung und ideologischer Heilsrhetorik sowie ein reflektiertes Verständnis von Messias- und Erlösungsbegriffen in Geschichte und Gegenwart.


Fragestellungen zum Audio mit Antworten


Was versteht man im Zusammenhang des Audios unter einer modernen Messiasfigur?

Eine moderne Messiasfigur ist eine Person, auf die Menschen außergewöhnlich große Hoffnungen auf Rettung, Orientierung oder grundlegende Veränderung übertragen. Entscheidend ist somit nicht allein, wie sich diese Person selbst versteht, sondern welche Erwartungen ihre Anhängerschaft mit ihr verbindet.


Warum entstehen messianische Erwartungen besonders in Krisenzeiten?

Krisen erzeugen Unsicherheit und können den Eindruck hervorrufen, dass die bisherigen politischen oder gesellschaftlichen Möglichkeiten nicht mehr ausreichen. Dadurch kann die Sehnsucht nach einer Person wachsen, die scheinbar eindeutige Orientierung bietet und einen Weg aus der Krise in eine bessere Zukunft verspricht. Schmitz beschreibt politische, gesellschaftliche und ökologische Notlagen als wichtige Kontexte solcher Erwartungen.


Was können so unterschiedliche Personen wie Donald Trump und Greta Thunberg im Zusammenhang mit Messianismus gemeinsam haben?

Nicht ihre politischen Überzeugungen oder Ziele sind gleich. Vergleichbar ist vielmehr, dass Personen in gesellschaftlichen Konflikten zu Projektionsflächen besonders weitreichender Hoffnungen werden können. Der Vergleich untersucht also einen Mechanismus der Zuschreibung und bedeutet keine Gleichsetzung der Personen.


Welche Rolle spielen die Anhänger einer Messiasfigur?

Sie spielen eine entscheidende Rolle, weil messianische Bedeutung durch Erwartungen, Erzählungen und Zuschreibungen entstehen kann. Menschen verbinden mit einer Person die Hoffnung, dass sie eine Krise überwinden und eine bessere Ordnung ermöglichen könne. Beim Beispiel Donald Trump verweist Schmitz etwa darauf, dass Teile der christlichen Rechten ihn mit biblischen Erlöserfiguren verglichen und als Retter interpretierten.


Welche Gefahren können mit modernen Messiasfiguren verbunden sein?

Problematisch wird messianische Überhöhung insbesondere dann, wenn kritische Distanz verloren geht und politische oder gesellschaftliche Probleme auf die Vorstellung reduziert werden, eine einzelne Person könne umfassende Rettung bringen. Für den Religionsunterricht ergibt sich daraus die wichtige Frage, wie berechtigte Hoffnung von Personenkult und politischen Heilsversprechen unterschieden werden kann.


Was unterscheidet eine christliche Messiasvorstellung von politischen Heilsversprechen?

Im christlichen Verständnis besitzt der Messiasbegriff eine theologische Bedeutung und ist mit Gottes Heilshandeln verbunden. Politische Messiasvorstellungen übertragen dagegen Erwartungen von Rettung und grundlegender Erneuerung auf menschliche Akteure. Gerade diese Differenz ermöglicht im Religionsunterricht eine kritische Auseinandersetzung mit der Verwendung religiöser Begriffe in Politik und Gesellschaft.


Warum ist das Thema für den Religionsunterricht relevant?

Das Thema zeigt, dass religiöse Vorstellungen nicht einfach verschwinden, wenn Gesellschaften säkularer werden. Motive wie Rettung, Erlösung, Hoffnung und die Erwartung einer besseren Zukunft können in veränderter Form in politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen weiterwirken. Die Lernenden können dadurch religiöse Sprache in ihrer Gegenwart erkennen und kritisch beurteilen.


Welche zentrale Frage kann am Ende der Unterrichtsstunde stehen?

Eine geeignete Abschlussfrage lautet: „Brauchen Menschen Messiasfiguren?“ Die Lernenden können dabei zwischen dem menschlichen Bedürfnis nach Hoffnung und Orientierung einerseits und den Gefahren der Überhöhung einzelner Menschen andererseits unterscheiden und ein begründetes eigenes Urteil formulieren.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.3 Königtum und Prophetie. Macht und Kritik.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 7

7.1 Protestieren und Aufbegehren: Prophetisches Handeln.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Konflikte heute – typisch menschlich Aktuelle Beispiele von Protest und Aufbegehren

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