Mit dem Tod von Papst Franziskus ist eine bedeutende Stimme für die sozial-ökologische Transformation verstummt. In seinen Enzykliken Laudato Si' (2015) und Laudate Deum (2023) verknüpfte er ökologische Fragen untrennbar mit spirituellen, sozialen und wirtschaftlichen Anliegen und benannte den globalen Kapitalismus als zentrale Krisencausa. Seine Impulse inspirierten weltweit kirchliche Bewegungen zum Umweltschutz. Im deutschen Kontext entstanden daraufhin in vielen Diözesen Klimaschutzkonzepte – das Bistum Münster legte sein Konzept allerdings erst zehn Jahre später, im Februar 2025, vor.
Der Artikel analysiert kritisch, dass dieses Konzept erheblich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Das Bistum Münster, als größtes deutsches Bistum und mit überdurchschnittlichen finanziellen Mitteln ausgestattet, setzt die Treibhausgasneutralität erst für 2045 an – orientiert sich also am gesetzlichen Minimum Deutschlands und verfehlt damit das 1,5-Grad-Ziel. Andere Akteure sind deutlich ehrgeiziger: die Stadt Münster strebt 2030 an, das Erzbistum Köln 2030, das Bistum Hildesheim 2035 und die Evangelische Kirche in Deutschland 2035. Das Konzept bleibt zudem hinter Franziskus' ganzheitlichem Anspruch zurück: Es fokussiert fast ausschließlich auf CO₂-Emissionen, verbindet Spiritualität nur teilweise und vernachlässigt soziale sowie strukturelle Fragen des Kapitalismus völlig. Diese Ambitionslosigkeit fällt in eine Zeit gesellschaftlichen Druckabbaus auf Klimapolitik – ein Konzept im Sinne Franziskus' sollte diesem Trend jedoch entgegenwirken, nicht sich ihm anpassen.