Die Frage, was mit dem Begriff „Klerikalismus“ gemeint ist, hat eine neue Aktualität bekommen, seit der Klerikalismus als Ursache für geistlichen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt in der Kirche bezeichnet wird. Die Debatte darüber ist allerdings nur sinnvoll, wenn es eine Verständigung über die Bedeutung des Begriffes gibt. Unser Autor, Spiritual am Priesterseminar der Erzdiözese München und Freising, zeigt verschiedene Dimensionen auf und bietet so Klärungen nicht nur für ein Schlagwort, sondern auch für die Haltung, die damit beschrieben wird. Man spricht viel darüber, nicht erst seit der Veröffentlichung der deutschen Missbrauchsstudie oder der vatikanischen Kinderschutzkonferenz. Papst Franziskus geißelt von Anfang seines Pontifikats an den Klerikalismus als eine „Pest in der Kirche“1. In der „Herder-Korrespondenz Spezial“ (April 2018), in „Geist und Leben“ (2018/1) und in den „Stimmen der Zeit“ (2018/4) sinnieren mehrere Artikel über Gründe und Hintergründe dieses Phänomens, das manche neu erwachen sehen. Bei näherem Hinsehen erweist sich das Schlagwort „Klerikalismus“ als vielschichtig, oft ist ein undifferenzierter Gebrauch zu beobachten. Im Folgenden möchte ich die verschiedenen Bedeutungsebenen dieses Wortes sowie die Erscheinungsformen des Phänomens in der Kirche beleuchten und fragen, wie dem Übel abgeholfen werden kann. Zunächst der Versuch einer Begriffsbestimmung. Was meint „Klerikalismus“ eigentlich? Wie wird das Wort heute verstanden? Ich möchte vier Bedeutungsebenen unterscheiden: