Der Artikel von Nadja Boeck analysiert die Bibelrezeption von Jugendlichen anhand qualitativer und quantitativer Forschungsansätze. Als Hauptbeispiel dient die Studie von Gennerich und Zimmermann (2020), die 2111 Kinder und Jugendliche in vier Ländern befragte. Die Untersuchung verwendete einen umfassenden Fragebogen mit Wertefeld-Analyse nach Schwartz und analysierte anhand der Zachäusgeschichte, wie Jugendliche biblische Texte interpretieren. Zentrale Erkenntnisse zeigen, dass die Hälfte der Jugendlichen die Bibel niemals selbst liest und ein weiteres Drittel nur selten, während Medien (DVDs, Filme, Comics) eine prägende Rolle beim Kontakt mit biblischen Geschichten spielen. Der Religionsunterricht ist die Hauptquelle für Bibelwissen. Problematisch ist die Bewertung der Bibel: Etwa die Hälfte der Befragten findet sie langweilig, über 50% sehen keinen Bezug zu ihrem eigenen Leben, und mit zunehmendem Alter steigt die Kritik. Die Analyse der Begründungskompetenz offenbarte, dass 42% der Antworten unbegründete Behauptungen sind und nur 8% einen expliziten Bezug zur Geschichte aufweisen. Der Artikel betont, dass Jugendliche zwar vom fundamentalistischen Bibelverständnis entfernt sind und die Vieldeutigkeit der Bibel anerkennen, diese aber nicht als positives Merkmal wahrnehmen. Abschließend wird deutlich, dass die Bibeldidaktik neue Ansätze entwickeln muss, um die Deutungsfähigkeit zu fördern und die Relevanz biblischer Texte für jugendliches Leben zu erschließen.