Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Grundschule, da Selbstbestimmung, Freiheit, Verantwortung, gegenseitige Rücksichtnahme und die Anerkennung unterschiedlicher Bedürfnisse grundlegende Fragen religiöser und ethischer Bildung berühren. Die Geschichte von Marie Maus, Justus Bär und Roboter Schlau ermöglicht einen anschaulichen und lebensnahen Einstieg. Vor der Bearbeitung der Arbeitsblätter empfiehlt es sich, die Geschichte gemeinsam zu lesen oder vorzulesen. Anschließend können die Lernenden die Handlung mit eigenen Worten nacherzählen. Dadurch wird das Textverständnis gesichert und zugleich deutlich, welche unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse die drei Figuren haben.
Im Mittelpunkt sollte zunächst die Frage stehen, warum die Figuren nicht einfach das tun können, was sie jeweils möchten. Die Lernenden können die Schwierigkeiten der einzelnen Figuren benennen und anschließend überlegen, welche Lösungen möglich sind. Dabei sollte vermieden werden, vorschnell eine vermeintlich richtige Lösung vorzugeben. Didaktisch ergiebiger ist es, möglichst viele Handlungsalternativen zu sammeln und miteinander zu vergleichen. Die Ideen können mündlich formuliert, gezeichnet, geschrieben oder an der Tafel gesammelt werden. Einzelne Vorschläge lassen sich anschließend szenisch darstellen. Auf diese Weise erfahren die Lernenden, dass Entscheidungssituationen häufig mehrere mögliche Lösungen besitzen und dass deren Folgen für alle Beteiligten bedacht werden müssen. Das Material schlägt ausdrücklich vor, zunächst unterschiedliche Möglichkeiten frei zu sammeln und sie danach danach zu beurteilen, ob das gemeinsame Ziel erreicht wird.
Besondere Bedeutung besitzt der Perspektivwechsel. Die Lernenden können nacheinander die Sicht von Marie, Justus und Roboter Schlau einnehmen und überlegen, welche Lösung sie aus der jeweiligen Perspektive bevorzugen würden. Dadurch wird deutlich, dass eine für eine Person günstige Entscheidung nicht automatisch allen Beteiligten gerecht wird. Bei der anschließenden Auswahl eines Lösungsweges können die Lernenden zunächst individuell entscheiden und ihre Wahl danach in Partnerarbeit, in Kleingruppen oder im Klassenverband begründen. Ziel sollte eine Lösung sein, an deren Zustandekommen alle Figuren beteiligt sind und die ihnen möglichst selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Handeln ermöglicht. Gerade dadurch können Grenzen persönlicher Freiheit sowie individuelle und gegenseitige Verantwortung thematisiert werden.
Für den Religionsunterricht bietet sich anschließend eine vertiefende ethische Gesprächsphase an. Fragen wie „Darf ich immer selbst entscheiden?“, „Wann muss ich auf andere Rücksicht nehmen?“, „Was bedeutet Verantwortung?“, „Wann ist Hilfe wirklich hilfreich?“ oder „Wer entscheidet darüber, welche Unterstützung ein Mensch braucht?“ führen von der konkreten Geschichte zu grundlegenden Fragen menschlichen Zusammenlebens. Besonders wichtig ist dabei die im Material vorgenommene Unterscheidung zwischen gewünschter Unterstützung und unerwünschter Bevormundung. Lernende sollten erfahren, dass Unterstützung angeboten werden kann, die betroffene Person aber möglichst selbst entscheidet, ob sie diese annehmen möchte. Diese Perspektive kann mit religiösen Vorstellungen von Menschenwürde, Nächstenliebe, Freiheit, Verantwortung und einem respektvollen Umgang mit Verschiedenheit verbunden werden.
Eine weitere Vertiefung gelingt durch den Bezug zur Lebenswelt der Lernenden. Sie können überlegen, in welchen Bereichen sie bereits selbst entscheiden dürfen und wo ihre Entscheidungen durch Regeln oder durch andere Personen begrenzt werden. Das Material nennt dafür beispielsweise Kleidung, Freundschaften, Wohnen, Rausgehen, Einkaufen, Schule und Taschengeld. Entscheidend ist dabei die Erkenntnis, dass Regeln einerseits Handlungsmöglichkeiten begrenzen, andererseits aber auch Schutz und verlässliche Rahmenbedingungen ermöglichen können. Verantwortung wird damit nicht als Gegensatz zur Selbstbestimmung verstanden, sondern als eine ihrer wesentlichen Voraussetzungen.
Methodisch eröffnet das Material zahlreiche Möglichkeiten zur Differenzierung. Lernende können ihre Gedanken mündlich äußern, Bilder gestalten, Begriffe auswählen, kurze Texte verfassen, Wortwolken erstellen, Szenen spielen oder Situationen pantomimisch darstellen. Damit können unterschiedliche sprachliche, schriftsprachliche und kreative Fähigkeiten berücksichtigt werden. Für Lernende mit geringer Lese oder Schreibkompetenz können Aufgaben vorgelesen und Antworten bildlich oder mündlich festgehalten werden. Die gezeichneten Figuren unterstützen dabei einen emotionalen und niedrigschwelligen Zugang. Das Material ist ausdrücklich so angelegt, dass auch Lernende mit Lernschwierigkeiten durch Ausmalen, Zuordnen und Markieren aktiv am Lösungsprozess teilnehmen können.
Als weiterführendes Unterrichtsvorhaben kann eine gemeinsame Unterstützungskultur für die Klasse entwickelt werden. Die Lernenden überlegen dabei, wann sie Unterstützung wünschen, wie sie Hilfe anbieten können und wie sich sicherstellen lässt, dass niemand gegen den eigenen Willen bevormundet wird. Das Material formuliert hierfür als Ziel eine Unterstützungskultur, die auf Freiwilligkeit, Wertschätzung und Respekt beruht. Dadurch kann aus der Beschäftigung mit dem Arbeitsblatt eine konkrete Gestaltung des sozialen Miteinanders entstehen. Das Medium eignet sich somit sowohl für einzelne Unterrichtsstunden als auch als Ausgangspunkt einer umfangreicheren Unterrichtsreihe zu Selbstbestimmung, Freiheit, Verantwortung, Inklusion und Menschenwürde.
Die Einleitung gelingt über den Impuls: Ich kann machen, was ich will! In einigen Lebensbereichen, wo die Rechte anderer nicht beschnitten werden trifft dies zu, in anderen nicht. Die Beschreibung eines selbst bestimmten Lebens schließt sich an. Dann werden die vier Zitate über das Material zwei erarbeitet. Dabei werden zentrale Begriffe herausgearbeitet und beschrieben, was Autonomie bedeutet. Daraus entstehen in einem weiteren Schritt eine Definition von Autonomie und eine Liste der Bereiche, die sie umfasst. Das Konzept der Freiheit wird anhand von verdeutlichenden Sätzen erläutert und diskutiert. Das Konzept der Volljährigkeit und dessen Bedeutung für Autonomie wird ebenfalls erläutert und diskutiert. Die Präsentation der Ergebnisse ist mit allen gängigen Methoden möglich.