Das Video eignet sich für eine Unterrichtseinheit über Paulus, die Entstehung des Christentums, Berufung, Veränderung, Mut, Vertrauen und Versöhnung. Es greift vor allem Erzählungen aus der Apostelgeschichte auf. Aufgrund seiner Länge, der zahlreichen Ortswechsel und der teilweise drastischen Gewaltszenen sollte es nicht ohne Unterbrechung gezeigt werden. Sinnvolle Abschnitte sind die Verfolgung der ersten christlichen Gemeinden, die Begegnung vor Damaskus, der Besuch des Hananias, die Aufnahme durch Barnabas, das Leben der Gemeinde in Antiochia und die erste Missionsreise.
Als Einstieg kann ein Weg auf dem Boden gelegt werden. An seinem Anfang liegen Karten mit Begriffen wie Wut, Verfolgung, Angst und Feindschaft. Am Ende stehen Vertrauen, Begegnung, Veränderung, Gemeinschaft und neuer Auftrag. Die Lernenden äußern Vermutungen darüber, wie sich ein Mensch von einem Verfolger zu einem Verkündiger verändern kann. Nach der Betrachtung werden wichtige Ereignisse auf dem Weg eingeordnet.
Während des Videos können die Lernenden beobachten, wie sich Saulus verändert. Dazu eignet sich eine Tabelle mit den Bereichen Saulus vor Damaskus, Saulus auf dem Weg und Paulus nach Damaskus. Eingetragen werden seine Überzeugungen, seine Handlungen, seine Gefühle und seine Beziehungen zu anderen Menschen. Die Lernenden erkennen, dass die Veränderung nicht in einem einzigen Augenblick abgeschlossen ist. Saulus benötigt Zeit zum Nachdenken, die Hilfe des Hananias, die Fürsprache des Barnabas und das Vertrauen der Gemeinde.
Die Begegnung vor Damaskus kann mit einem Standbild oder einer angeleiteten Bildbetrachtung erschlossen werden. Ein Rollenspiel der Verfolgung oder Steinigung sollte vermieden werden, da es Gewalt verharmlosen oder einzelne Lernende belasten kann. Stattdessen können innere Stimmen formuliert werden. Die Lernenden überlegen, was Saulus, seine Begleiter und die verfolgten Menschen denken und fühlen könnten. Auch ein innerer Monolog des Saulus während seiner drei Tage in Damaskus bietet sich an.
Hananias ist für die religionspädagogische Arbeit besonders bedeutsam. Er hat berechtigte Angst vor Saulus, folgt aber dennoch seinem Auftrag und spricht ihn als Bruder an. Daran lassen sich Mut, Feindesliebe, Vertrauen und die Möglichkeit eines Neuanfangs thematisieren. Zugleich sollte deutlich werden, dass Versöhnung nicht bedeutet, Gefahren zu ignorieren. Menschen dürfen vorsichtig sein, Grenzen setzen und Schutz suchen. Vertrauen muss häufig erst wachsen.
Barnabas kann als Vermittler und Vertrauensperson betrachtet werden. Er hört Saulus zu, prüft dessen Geschichte und setzt sich bei der Gemeinde für ihn ein. Die Lernenden können überlegen, welche Eigenschaften ein Mensch benötigt, der zwischen zerstrittenen Gruppen vermittelt. Daraus können Regeln für einen verantwortlichen Umgang mit Konflikten entwickelt werden.
Die Erzählung darf nicht als Gegensatz zwischen einem angeblich falschen Judentum und einem richtigen Christentum vermittelt werden. Saulus ist Jude und bleibt auch nach seiner Begegnung mit Jesus jüdisch geprägt. Jesus, die ersten Jünger, Hananias, Barnabas und die ersten christlichen Gemeinden haben ebenfalls jüdische Wurzeln. Die Auseinandersetzungen im Video gehören zu innerjüdischen und frühchristlichen Konflikten der damaligen Zeit. Sie dürfen nicht auf jüdische Menschen in der Gegenwart übertragen werden. Aussagen des Videos, nach denen jüdische Gruppen wiederholt als gewalttätige Gegner erscheinen, müssen deshalb historisch eingeordnet und kritisch besprochen werden.
Auch die Bezeichnung Bekehrung des Paulus sollte differenziert verwendet werden. Die Apostelgeschichte beschreibt eine Begegnung mit Christus und einen neuen Auftrag. Paulus versteht sich nicht einfach als jemand, der seine frühere Religion ablegt. Er deutet seine Sendung vielmehr als Berufung, die Botschaft von Jesus auch nicht jüdischen Völkern zu verkünden.
Das Video kann den Eindruck erwecken, Saulus habe seinen Namen nach seiner Taufe in Paulus geändert. Historisch ist es wahrscheinlicher, dass er beide Namen bereits besaß. Saulus ist die hebräische beziehungsweise aramäische Form, Paulus der römische Name. Die Apostelgeschichte bezeichnet ihn später als Saulus, der auch Paulus heißt. Der Namensgebrauch steht wahrscheinlich mit seiner Tätigkeit im griechischen und römischen Umfeld in Verbindung.
Die Heilungserzählungen benötigen eine sensible Bearbeitung. Blindheit und körperliche Beeinträchtigungen dürfen nicht als göttliche Strafe oder als Zeichen eines unvollständigen Lebens dargestellt werden. Ebenso darf nicht der Eindruck entstehen, ausreichender Glaube führe immer zu körperlicher Heilung. Menschen mit Behinderungen besitzen uneingeschränkte Würde und können ein erfülltes Leben führen. Die biblischen Heilungsgeschichten können als Zeichen von Zuwendung, Teilhabe und neuer Gemeinschaft gedeutet werden.
Die Szene um Elymas zeigt Paulus, der einen anderen Menschen mit Blindheit ankündigend bestraft. Diese Darstellung sollte nicht unkommentiert bleiben. Die Lernenden können fragen, ob Strafe und Machtdemonstration zur Botschaft von Frieden und Vergebung passen. Dadurch lernen sie, auch biblische Erzählungen und ihre filmische Gestaltung aufmerksam und kritisch zu untersuchen.
Die Steinigung des Paulus ist für jüngere Lernende belastend. Vor der Betrachtung sollte angekündigt werden, dass eine Gewaltszene folgt. Die Lehrkraft kann den Abschnitt auslassen, nur erzählen oder nach der entscheidenden Situation stoppen. Im anschließenden Gespräch ist darauf zu achten, Gewalt nicht als notwendige Bewährungsprobe des Glaubens zu verherrlichen. Leiden ist kein Beweis für einen besonders starken Glauben. Menschen sollen Schutz suchen und dürfen vor einer Gefahr fliehen, wie es Paulus und Barnabas mehrfach tun.
Die Gemeinden in Jerusalem und Antiochia bieten einen Zugang zu den Themen Gemeinschaft und Solidarität. Die Christen in Antiochia sammeln Geld für Menschen, die von einer Hungersnot bedroht sind. Die Lernenden können überlegen, wie eine Gemeinschaft Menschen in Not unterstützen kann. Daraus lässt sich ein Bezug zu heutigen Hilfsaktionen, zu gerechtem Teilen und zu verantwortlichem Handeln herstellen.
Zur geografischen Orientierung kann eine Karte des östlichen Mittelmeerraumes verwendet werden. Jerusalem, Damaskus, Antiochia, Zypern, Tarsus, Ikonion und Lystra werden markiert. Mit einem farbigen Faden zeichnen die Lernenden den Weg des Paulus nach. Dadurch werden die vielen Ortswechsel verständlicher. Gleichzeitig wird sichtbar, welche Entfernungen Paulus und Barnabas zu Fuß und mit dem Schiff zurücklegen.
Als kreative Vertiefung können die Lernenden einen Brief aus der Sicht des Hananias, des Barnabas oder eines Gemeindemitgliedes verfassen. Eine weitere Möglichkeit ist ein Interview mit Paulus nach seiner Rückkehr. Die Fragen können seine Veränderung, seine Ängste, seine Hoffnungen und seine Erfahrungen auf der Reise betreffen. Auch eine Nachrichtensendung über die Ereignisse in Damaskus oder Antiochia ist möglich.
Die ausdrücklich christlichen Aussagen des Videos über Jesus als Sohn Gottes, Auferstehung, Rettung und Mission sind als Glaubensaussagen zu kennzeichnen. Lernende dürfen diese Aussagen kennenlernen, prüfen, befragen und unterschiedlich beurteilen. Eine persönliche Glaubensentscheidung darf nicht erwartet werden. Mission sollte im Unterricht nicht als Überredung oder Abwertung anderer Religionen verstanden werden. Religionsfreiheit umfasst das Recht, vom eigenen Glauben zu erzählen, ebenso wie das Recht, eine Botschaft nicht anzunehmen.
Zum Abschluss kann der Gedanke des Neuanfangs aufgegriffen werden. Die Lernenden schreiben auf Karten, was Menschen bei einer Veränderung helfen kann. Mögliche Antworten sind ehrliche Einsicht, Zeit zum Nachdenken, Vergebung, verlässliche Begleitung, Mut und die Bereitschaft, Verantwortung für früheres Handeln zu übernehmen. Daraus entsteht ein gemeinsames Bild eines Weges, auf dem Veränderung möglich ist, ohne die Folgen vergangenen Unrechts zu übergehen.
Fragestellungen zum Video mit Antworten
Frage 1: Wer ist Saulus zu Beginn des Videos?
Saulus ist ein jüdischer Gelehrter und Pharisäer. Er glaubt, den Willen Gottes zu erfüllen, indem er die Anhänger Jesu verfolgt.
Frage 2: Warum verfolgt Saulus die ersten Christen?
Er hält den Glauben an Jesus als Sohn Gottes für falsch und für eine Beleidigung Gottes. Deshalb möchte er die Ausbreitung dieses Glaubens verhindern.
Frage 3: Was geschieht auf dem Weg nach Damaskus?
Ein helles Licht umgibt Saulus. Er stürzt zu Boden und hört eine Stimme, die sich als Jesus zu erkennen gibt.
Frage 4: Was bedeutet die Frage Warum verfolgst du mich?
Jesus verbindet sich mit den verfolgten Menschen. Wer ihnen Gewalt antut, richtet sich nach der Aussage der Erzählung auch gegen Jesus.
Frage 5: Warum kann Saulus anschließend nicht sehen?
Die Apostelgeschichte erzählt, dass Saulus nach der Begegnung drei Tage lang blind ist. Diese Zeit wird zu einer Phase des Nachdenkens, Betens und Neuorientierens.
Frage 6: Wer ist Hananias?
Hananias ist ein Anhänger Jesu in Damaskus. Gott beauftragt ihn, Saulus aufzusuchen und ihm die Hände aufzulegen.
Frage 7: Warum hat Hananias Angst?
Er weiß, dass Saulus Christen verfolgt und festnehmen lässt. Seine Angst ist deshalb verständlich und berechtigt.
Frage 8: Warum spricht Hananias Saulus als Bruder an?
Damit zeigt er, dass er Saulus trotz seiner Vergangenheit in die Gemeinschaft aufnimmt und ihm einen Neuanfang zutraut.
Frage 9: Was geschieht nach der Begegnung mit Hananias?
Saulus kann wieder sehen, lässt sich taufen, isst und gewinnt neue Kraft. Danach beginnt er, selbst von Jesus zu erzählen.
Frage 10: Wird aus Saulus durch die Taufe Paulus?
Das Video legt diese Vermutung nahe. Wahrscheinlich hatte er jedoch schon vorher beide Namen. Saulus war sein jüdischer Name und Paulus sein römischer Name.
Frage 11: Gibt Saulus nach seiner Begegnung mit Jesus seinen jüdischen Glauben auf?
Nein. Er bleibt von seinem jüdischen Glauben und der jüdischen Bibel geprägt. Neu ist seine Überzeugung, dass Jesus der erwartete Messias ist.
Frage 12: Warum misstraut die Gemeinde in Jerusalem Saulus?
Die Menschen erinnern sich daran, dass er Christen verfolgt hat. Sie fürchten, seine Veränderung könnte eine Falle sein.
Frage 13: Wie hilft Barnabas?
Barnabas hört Saulus zu, glaubt seinem Bericht und setzt sich bei der Gemeinde für ihn ein. Dadurch kann langsam neues Vertrauen entstehen.
Frage 14: Was lernen wir an Barnabas über Versöhnung?
Versöhnung benötigt Menschen, die zuhören, vermitteln und vorsichtig neues Vertrauen ermöglichen. Die Vergangenheit darf dabei nicht einfach vergessen werden.
Frage 15: Warum sammeln die Christen in Antiochia Geld?
Sie haben von einer drohenden Hungersnot erfahren und möchten die Gemeinde in Jerusalem unterstützen. Damit zeigen sie Solidarität und Verantwortungsbereitschaft.
Frage 16: Was ist ein Missionar?
Ein Missionar ist ein Mensch, der seinen Glauben in anderen Regionen bekannt macht. Dabei müssen die Freiheit und die Überzeugungen anderer Menschen geachtet werden.
Frage 17: Was erleben Paulus und Barnabas auf ihrer Reise?
Sie predigen, begegnen unterschiedlichen Menschen, gründen Gemeinden und erfahren Zustimmung. Zugleich erleben sie Ablehnung, Streit, Bedrohung und Gewalt.
Frage 18: Warum halten die Menschen in Lystra Paulus und Barnabas für Götter?
Sie erleben die Heilung eines gelähmten Mannes und deuten das Geschehen mit ihren eigenen religiösen Vorstellungen. Deshalb halten sie Barnabas für Zeus und Paulus für Hermes.
Frage 19: Wie reagieren Paulus und Barnabas auf die Verehrung?
Sie weisen die Verehrung zurück und erklären, dass sie gewöhnliche Menschen und keine Götter sind.
Frage 20: Bedeutet Glaube, dass ein kranker Mensch immer geheilt wird?
Nein. Glaube garantiert keine körperliche Heilung. Menschen mit Krankheiten oder Behinderungen besitzen dieselbe Würde und dürfen nicht für ihre Situation verantwortlich gemacht werden.
Frage 21: Warum muss die Steinigung des Paulus vorsichtig besprochen werden?
Die Szene zeigt schwere Gewalt und kann Angst auslösen. Sie darf weder nachgespielt noch als heldenhafte Glaubensprüfung verherrlicht werden.
Frage 22: Warum fliehen Paulus und Barnabas mehrfach?
Sie schützen ihr Leben vor akuter Gefahr. Die Flucht zeigt, dass Mut nicht bedeutet, sich unnötig Gewalt auszusetzen.
Frage 23: Welche Bedeutung hat die Berufung des Paulus für das Christentum?
Paulus trägt wesentlich dazu bei, dass sich der Glaube an Jesus auch unter nicht jüdischen Menschen im Mittelmeerraum verbreitet.
Frage 24: Was ist die zentrale Botschaft der Geschichte?
Menschen können ihr Denken und Handeln verändern. Einsicht, Vergebung, mutige Begleitung und neues Vertrauen können Wege aus Feindschaft und Gewalt eröffnen.