Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Grundschule, für die religionspädagogische Arbeit in der Kita sowie für Kinderkirche, Gemeinde und Schulgottesdienst. Didaktisch besonders ergiebig ist die Perspektive der Martinsmaus. Die bekannte Martinslegende wird nicht lediglich erneut erzählt, sondern durch eine Identifikationsfigur erschlossen, die selbst Hunger und Bedürftigkeit erlebt. Dadurch können Lernende die Ereignisse aus einer ungewohnten Perspektive wahrnehmen und sich mit unterschiedlichen Erfahrungen von Not, Angst, Mitgefühl, Dankbarkeit und Teilen auseinandersetzen. Als Einstieg kann die Illustration der Mantelteilung betrachtet und zunächst ohne Kenntnis der Geschichte beschrieben werden. Anschließend können Vermutungen über die beteiligten Figuren und ihre Gefühle gesammelt werden. Die Geschichte kann vorgelesen oder über die im Material genannte Audioversion präsentiert werden. Das Medium schlägt selbst Fragen zur Maus, zur Begegnung mit dem Bettler, zu Martin und zur Weitergabe des Brotes vor und regt dazu an, die Geschichte weiterzuschreiben oder weiterzumalen. Diese Impulse lassen sich im Religionsunterricht gut zu einem theologischen Gespräch weiterentwickeln. Dabei kann beispielsweise gefragt werden, warum Martin einem fremden Menschen hilft, obwohl er dafür keine Gegenleistung erhält, was sich durch seine Handlung verändert und weshalb der Bettler anschließend selbst bereit wird zu teilen. Auf diese Weise erkennen die Lernenden, dass Teilen im Medium nicht allein als Abgeben materieller Dinge verstanden wird. Aufmerksamkeit, Zeit, Freundlichkeit, Trost, Gemeinschaft und ein Lächeln können ebenfalls Formen des Teilens sein.
Für eine vertiefende Erarbeitung bietet sich die im Heft beschriebene Wirkungskette Martin teilt mit dem Bettler, der Bettler teilt mit der Maus, die Maus teilt mit ihrer Familie an. Lernende können diese Abfolge mit Bildern, Symbolen oder Figuren darstellen und anschließend eigene Beispiele ergänzen. Dadurch wird die Aussage „Teilen ist ansteckend“ konkret nachvollziehbar. Ältere Lernende können darüber diskutieren, ob Teilen tatsächlich immer einfach ist, welche Gründe Menschen davon abhalten können und wann gerechtes Teilen mehr bedeutet, als jedem Menschen genau das Gleiche zu geben. Damit lässt sich die Martinsgeschichte von einer traditionellen Heiligengeschichte zu Fragen nach Solidarität, Gerechtigkeit und verantwortlichem Handeln in der Gegenwart weiterführen. Einen ausdrücklich christlichen Deutungshorizont eröffnet der Wortgottesdienst des Materials. Dort wird Martins Handeln mit der Goldenen Regel aus Matthäus 7,12 verbunden. Je nach Lerngruppe kann dieser biblische Bezug gemeinsam erschlossen und auf Alltagssituationen übertragen werden.
Methodisch ermöglicht das Material einen abwechslungsreichen Wechsel zwischen Erzählen, Zuhören, Betrachten, Sprechen, Schreiben, Gestalten und Handeln. Besonders für jüngere Lernende bietet sich die Martinsmaus als Handpuppe an. Die Broschüre enthält dafür eine bebilderte Bastelanleitung und schlägt ausdrücklich vor, die Figur beim Erzählen einzusetzen. Die Handpuppe kann darüber hinaus als Gesprächsfigur dienen, Fragen stellen oder von den Lernenden befragt werden. In Partnerarbeit können Lernende kleine Dialoge zwischen Maus, Bettler und Martin entwickeln. Ebenso können einzelne Szenen als Standbilder oder kurze Rollenspiele gestaltet werden. Für eine persönliche Transferphase eignet sich die Idee des Materials, die Lernenden aufschreiben oder malen zu lassen, was sie selbst mit einem anderen Menschen teilen möchten. Der Zettel kann als persönliche Erinnerung aufbewahrt werden, bis die formulierte Handlung umgesetzt wurde. Damit verbindet sich religiöses Lernen mit konkretem Handeln.
Für eine weiterführende Unterrichtseinheit lässt sich die Martinsgeschichte mit der Reisegeschichte aus Guatemala verbinden. Dadurch kann der zunächst lebensweltlich erschlossene Begriff des Teilens auf Fragen weltweiter Gerechtigkeit ausgeweitet werden. Die Lernenden erfahren am Beispiel Cesars, dass ausreichende und vielseitige Ernährung nicht für alle Kinder selbstverständlich ist und dass Familien durch konkrete Projekte unterstützt werden. Wichtig ist dabei eine sensible didaktische Gestaltung, die Menschen in Guatemala nicht ausschließlich als hilfsbedürftig darstellt, sondern ihre Lebenswirklichkeit, ihre Fähigkeiten und gemeinschaftliche Lösungswege berücksichtigt. Die im Material dargestellte gemeinschaftliche Geflügelzucht bietet hierfür einen geeigneten Ansatz, weil Familien selbst Lebensmittel produzieren und durch den Verkauf zusätzliche Einnahmen erzielen. Als Abschluss einer Unterrichtsreihe kann aus der Reflexion eine gemeinsame Aktion entstehen. Die vorgestellte Kleiderteilaktion bietet hierfür eine Möglichkeit. Ebenso können Lernende eigene Ideen entwickeln, wie Teilen und solidarisches Handeln in Klasse, Schule, Familie oder Gemeinde konkret sichtbar werden können. Das Medium ermöglicht damit einen religionspädagogisch sinnvollen Lernweg vom Kennenlernen der Martinsgeschichte über ihre christliche Deutung und persönliche Reflexion bis zum eigenen solidarischen Handeln.