Didaktisch eignet sich das Medium besonders für eine kompetenzorientierte Unterrichtsreihe zur Reformation, weil historische Kenntnisse konsequent mit theologischen Fragestellungen, ästhetischen Zugängen und handlungsorientierten Methoden verbunden werden. Ein geeigneter Einstieg in die Beschäftigung mit Luther ist die Frage nach Gottesbildern. Dabei können die Lernenden zunächst sammeln, welche Eigenschaften Menschen mit Gott verbinden und wodurch solche Vorstellungen geprägt werden. Persönliche Glaubensüberzeugungen sollten dabei als freiwillige Äußerungen behandelt werden. Das Material selbst eröffnet den Zugang über Rembrandts „Die Heimkehr des verlorenen Sohnes“, das auf Seite 5 vollständig abgebildet ist. Die Bildbetrachtung erfolgt schrittweise über Beschreibung und Deutung. Besondere Aufmerksamkeit gilt der knienden Gestalt, ihren möglichen Gefühlen und Gedanken sowie ihrer Beziehung zur aufrechten Vaterfigur. Anschließend wird das Gleichnis vom verlorenen Sohn rekonstruiert und durch ein fiktives Interview weitergeführt. Dieser Zugang eignet sich sehr gut, um anschließend nach Luthers eigener Veränderung des Gottesbildes zu fragen. Mit dem Lied „Nun freut euch, liebe Christen g'mein“ können die Lernenden untersuchen, wie Luther Angst, Sünde, Verzweiflung, Barmherzigkeit und Erlösung sprachlich ausdrückt. Das Material schlägt hierzu Standbilder vor, durch die Luthers veränderte Beziehung zu Gott körperlich und räumlich sichtbar gemacht werden soll. Eine vertiefende Möglichkeit besteht darin, einen fiktiven Dialog zwischen Luther und einem Mönch zu verfassen oder einen Brief an Luther zu schreiben, in dem sein Gottesbild mit gegenwärtigen Vorstellungen verglichen wird. Das Material ermöglicht damit ausdrücklich unterschiedliche Zugänge und Formen der Differenzierung. Für die Behandlung von „Sola Scriptura“ empfiehlt sich ein problemorientierter Zugang. Die Lernenden erhalten die Fragen, wer die Bibel lesen konnte, wer sie bezahlen konnte, wer sie verstehen konnte und wer über ihre richtige Auslegung entscheiden durfte. Dadurch wird deutlich, dass Luthers Forderung nach der zentralen Bedeutung der Heiligen Schrift weitreichende religiöse und gesellschaftliche Konsequenzen hatte. Das Material nennt als Lösungsansätze unter anderem Schulen, die Nutzung des Buchdrucks und die Möglichkeit, dass Menschen selbst die Bibel auslegen. Diese Aspekte können arbeitsteilig untersucht und anschließend in einer gemeinsamen Übersicht zusammengeführt werden. Besonders handlungsorientiert ist die Aufgabe, ein Werbeflugblatt für das 1522 erschienene Septembertestament zu entwerfen. Die Lernenden müssen dabei historische Informationen in eine adressatengerechte Kommunikationsform übertragen und können zugleich über die Bedeutung neuer Kommunikationsmöglichkeiten zur Zeit der Reformation nachdenken. Ein weiterer didaktischer Schwerpunkt sollte auf der Übersetzungsarbeit liegen. Der auf Seite 12 abgedruckte Ausschnitt einer Interlinearübersetzung von Mt 5,33 bis 37 eignet sich dazu, zunächst Schwierigkeiten einer möglichst wörtlichen Übertragung sichtbar zu machen. Die Lernenden können den Text selbst sprachlich überarbeiten und anschließend Kriterien für eine verständliche Übersetzung entwickeln. Darauf aufbauend kann Psalm 23 in der Fassung Anton Kobergers von 1483 und Luthers Fassung von 1545 verglichen werden. Besonders aufschlussreich sind Formulierungen wie „Der Herr regieret mich“ und „Der Herr ist mein Hirte“. Die Lernenden können untersuchen, welches Gottesbild jeweils sprachlich vermittelt wird und inwiefern Luthers Übersetzung mit seiner Vorstellung eines gnädigen und barmherzigen Gottes verbunden werden kann. Für ältere oder leistungsstärkere Lernende bietet sich zusätzlich die Beschäftigung mit Röm 3,28 und Luthers Einfügung des Wortes „allein“ an. Dadurch kann diskutiert werden, ob eine gute Übersetzung möglichst wortgetreu sein muss oder ob sie den gemeinten Sinn für die Lesenden verständlich machen sollte. Abschließend lässt sich die Reformation über den Kirchenraum erschließen. Das Material fordert die Lernenden auf, eine evangelische Kirche einzurichten und für verschiedene Gegenstände zu entscheiden, ob und wo sie im Kirchenraum ihren Platz erhalten sollen. Zur Auswahl stehen unter anderem Altar, Beichtstuhl, Ambo, Taufbecken, Marienstatue, Kreuz, Bibel, Kanzel, Tabernakel und Orgel. Jede Entscheidung muss mit Kenntnissen über Luther und die Reformation begründet werden. Methodisch kann diese Aufgabe als Gruppenarbeit mit anschließender Ausstellung gestaltet werden. Die verschiedenen Kirchenentwürfe werden miteinander verglichen und auf ihre theologischen Aussagen hin untersucht. Auf diese Weise wird für die Lernenden anschaulich, dass ein Kirchenraum nicht nur ästhetisch gestaltet ist, sondern Glaubensüberzeugungen sichtbar macht. Insgesamt eignet sich das Medium besonders für einen Unterricht, der Reformation nicht ausschließlich als historisches Ereignis behandelt, sondern die Verbindung zwischen Biografie, Gottesbild, Bibelverständnis, Sprache, Medienentwicklung, Theologie und kirchlicher Praxis sichtbar werden lässt.
Der Einstieg erfolgt über das Bild Rembrandt Harmenszoon van Rijn Die Heimkehr des verlorenen Sohnes. Es wird ein Ende der Geschichte in Form eines Interviews mit den Personen zu vorgegebenen Fragen verfasst. In einem ersten Schritt wird sieben Gruppen ein Lied Luthers in Strophen aufgeteilt und Luthers Gottesbeziehung und Gottesbild als Standbild dargestellt. Ein zweiter Schritt untersucht Luthers Hauptthesen und ermöglicht die Zuordnung der vorgegebenen Antworten zu den vier Hauptideen Luthers. Dann wird ein Flugblatt zu Martin Luthers Septembertestament entworfen. Ein weiterer Schritt bringt eine Synopse von zwei deutschen Bibelübersetzungen. Dabei werden zwei Gottesbilder deutlich. Pantokrator, der Beherrscher und Luthers barmherziger Vatergott. Diese Feststellungen werden mit den bisherigen Aussagen zum Gottesbild Luthers zu einem noch deutlicherem Bild zusammengefügt. Abschließend wird dieses Gottesbild auf den Kirchenraum übertragen, der durch Luthers Thesen und den Versuch der Konzentration auf Gott, die Schrift und den Glauben viele Gegenstände eingebüßt hat. Für jeden Gegenstand einer Liste soll eine Begründung aus Luthers Hauptthesen und Gottesbild gefunden werden. Gibt es diese nicht erklärt dies ihr Fehlen in protestantischen Kirchen.