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Erzbistum KölnRita Müller-Fieberg

Erzbistum Köln,

Rita Müller-Fieberg

Wer bin ich? Wo komme ich her?

Wo gehe ich hin? – Symbol Baum

Veröffentlichung:1.2.2015

Die Unterrichtsreihe „Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? – Symbol Baum“ bietet auf 107 Seiten mit dreiundzwanzig Materialien zu den vier Themenblöcken Barmherzigkeit, Jesus, Selbstreflexion und Gottesbild.Dieses Material enthält fünf Blöcke mit Material zum Religionsunterricht in Grundschulen. In Tabellen werden Abfolgen von Unterrichtsstunden vorgeschlagen. Ein Teil dieser Vorschläge enthält Materialien, andere bieten Ideen zur Umsetzung. Ein dritter Block zum Thema "Wer bin ich beginnt" ab Seite 65 bis Seite 89. Dies gelingt am Beispiel eines Baumes.

Das Medium „Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Symbol Baum“ ist ein inklusionsorientiertes Unterrichtsvorhaben für den katholischen Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 4 und ist für einen Zeitraum von etwa drei Wochen vorgesehen. Im Mittelpunkt steht der Baum als Ursymbol menschlichen Lebens. Die Lernenden setzen sich anhand von Wurzeln, Stamm und Krone mit Fragen nach Herkunft, Gegenwart, eigenen Fähigkeiten, Lebenswegen und Zukunftswünschen auseinander. Das Material greift dabei die hohe symbolische Bedeutung des Baumes in Religionen und Kulturen auf. Seine Wurzeln stehen in der Erde, sein Stamm befindet sich in der Lebenswelt des Menschen und seine Äste wachsen dem Himmel entgegen. Auch biblisch wird der Baum vielfältig gedeutet, etwa als Baum des Lebens oder in Psalm 1 als Bild für einen Menschen, der seine Lebensquellen kennt und daraus Kraft gewinnt. Das Unterrichtsvorhaben möchte die Lernenden für ihre Einmaligkeit sensibilisieren, die Verschiedenheit von Menschen als Bereicherung erschließen und den Baum als Symbol für menschliches Leben verständlich machen. Dafür verbindet das Medium Naturerfahrung, Körperübungen, biblische Texte, Geschichten, Bilder, kreative Gestaltungen, Gespräche und differenzierte Arbeitsblätter.

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Als Einstieg bietet sich eine unmittelbare Begegnung mit realen Bäumen an. Das Material schlägt einen Unterrichtsgang auf den Schulhof oder in einen Park sowie Wahrnehmungsübungen mit verschiedenen Sinnen vor. Die Lernenden können einen Baum betrachten, seine Rinde berühren, nach Wurzeln suchen, Äste und Blätter beobachten und wahrnehmen, welche Geräusche entstehen, wenn sich die Krone im Wind bewegt. Leitfragen können sein: Was gibt dem Baum Halt? Was schützt ihn? Woher bekommt er Kraft? Was wächst an ihm? Was verändert sich im Laufe eines Jahres? Solche Erfahrungen schaffen eine konkrete Grundlage, bevor der Baum auf menschliches Leben übertragen wird.

Anschließend kann der Text „Der Baum spricht“ eingesetzt werden. Darin beschreibt der Baum seine tiefen Wurzeln, den festen Stamm, Äste und Blätter sowie sein Wachstum und seine Früchte. Die Wurzeln geben Halt und versorgen ihn, der Stamm schützt und trägt, die Äste wachsen dem Himmel entgegen und die Früchte dienen anderen als Nahrung. Der Text kann vorgelesen und durch Bildkarten oder Gegenstände begleitet werden. Für Lernende mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen können Schlüsselsätze visualisiert oder in vereinfachter Sprache angeboten werden. Das Material sieht ausdrücklich verschiedene Aneignungswege vor und verbindet dabei Wahrnehmung, konkretes Tun, anschauliches Lernen und begriffliches Nachdenken.

Im nächsten Schritt wird die Aussage „Der Mensch ist wie ein Baum“ aus Psalm 1 aufgegriffen. Die Lernenden entwickeln erste Vermutungen, warum ein Mensch mit einem Baum verglichen werden kann. Das Material schlägt dazu vor, den Umriss eines Lernenden auf Papier zu zeichnen und daraus gemeinsam die Form eines Baumes zu entwickeln. Dadurch wird die Analogie zwischen Mensch und Baum sichtbar und körperlich nachvollziehbar. Wichtig ist, nicht zu früh fertige Bedeutungen für Wurzel, Stamm oder Krone vorzugeben. Die Lernenden sollten eigene Zuordnungen entwickeln können.

Besonders geeignet ist die Körperübung „Ich bin wie ein Baum“. Die Lernenden stehen fest auf dem Boden, stellen sich Wurzeln vor, die von den Füßen in die Erde wachsen, erleben den Rücken als Stamm und strecken Arme und Hände wie Äste und Blätter aus. Nach der Übung können Eindrücke gesammelt werden: Was hat sich stabil angefühlt? Was gibt mir Halt? Was bedeutet Wachstum für mich? Wann fühle ich mich stark wie ein Baum? Solche Fragen unterstützen einen persönlich bedeutsamen Zugang zum Symbol, ohne dass Lernende intime Erfahrungen preisgeben müssen.

Die Wurzeln eignen sich besonders für die Frage „Wo komme ich her?“. Hier kann über Herkunft, Menschen, Orte, Erfahrungen und Beziehungen nachgedacht werden, die Halt geben. Das Material enthält hierzu auch die Geschichte „Wurzeln schlagen“, in der Sebastian nach einem Umzug zunächst Schwierigkeiten hat, sich an einem neuen Ort einzuleben. Wie ein verpflanzter Baum benötigt er Zeit, um in seiner neuen Umgebung Wurzeln zu schlagen und Zugehörigkeit zu erfahren. Im Verlauf der Geschichte findet Sebastian Anschluss und wird Teil der neuen Gemeinschaft, während auch der verpflanzte Baum genügend neue Wurzeln entwickelt. Diese Geschichte eignet sich für Gespräche über Heimat, Zugehörigkeit, Veränderung, Freundschaft und Neuanfang. Die Lernenden können überlegen, welche Menschen oder Erfahrungen ihnen selbst Halt geben. Dabei sollten familiäre Strukturen offen gedacht werden, sodass unterschiedliche Lebensformen und Biografien gleichermaßen Raum erhalten.

Der Stamm kann mit der Gegenwart und der eigenen Persönlichkeit verbunden werden. Fragen wie „Was trägt mich?“, „Was macht mich aus?“, „Was schützt mich?“ oder „Was hilft mir, auch schwierige Situationen auszuhalten?“ ermöglichen eine behutsame Selbstreflexion. Ein Baumstamm besitzt eine schützende Rinde und verbindet Wurzeln und Krone miteinander. Diese Funktion kann genutzt werden, um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als zusammengehörig zu verstehen. Kreativ können Lernende ihren eigenen Lebensbaum gestalten und im Stamm Eigenschaften, wichtige Erfahrungen oder Dinge festhalten, die sie im gegenwärtigen Leben stärken.

Die Krone eröffnet im Material einen Zugang zu Fähigkeiten und Talenten. Dabei werden zunächst Blätter, Äste, Blüten und Früchte eines realen Baumes betrachtet. Anschließend wird gefragt, welche Früchte ein Mensch haben kann, wenn er selbst wie ein Baum gedacht wird. Die Lernenden formulieren, was sie gut können und welche Fähigkeiten sie besitzen. Besonders wichtig ist die wertschätzende Ausrichtung dieser Phase. Das Material schlägt für Lernende, denen es schwerfällt, eigene positive Eigenschaften zu nennen, wertschätzende Rückmeldungen der Lerngruppe vor. Methodisch sollte darauf geachtet werden, dass nicht nur schulische Leistungen als Fähigkeiten gelten. Freundlichkeit, Geduld, Humor, Zuhören, Hilfsbereitschaft, Kreativität oder Zuverlässigkeit können ebenso als Früchte verstanden werden.

Diese Arbeit eignet sich hervorragend, um die Verschiedenheit innerhalb einer Lerngruppe sichtbar zu machen. Jeder Baum trägt andere Früchte und besitzt eine eigene Form. Ebenso haben Menschen unterschiedliche Fähigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen. Genau darin sieht das Material eine Bereicherung für das Zusammenleben. Ein gemeinsamer Klassenwald aus individuell gestalteten Lebensbäumen kann diesen Gedanken anschaulich ausdrücken. Dabei sollte deutlich werden, dass kein Baum und kein Mensch alle Fähigkeiten besitzen muss. Gemeinschaft entsteht gerade dadurch, dass unterschiedliche Menschen Verschiedenes beitragen.

Für die Zukunftsperspektive eignet sich die Frage „Wo gehe ich hin?“. Äste und Zweige können für Wünsche, Hoffnungen, Ziele und mögliche Lebenswege stehen. Die Lernenden können Blätter beschriften oder Symbole für Zukunftswünsche an ihrem Baum anbringen. Wichtig ist dabei, Zukunft nicht als vollständig planbar darzustellen. Das Material greift diesen Gedanken mit der Erzählung von den drei kleinen Bäumen auf. Jeder der drei Bäume besitzt einen großen Traum für seine Zukunft, doch zunächst entwickelt sich sein Leben ganz anders als erwartet. Im weiteren Verlauf erhalten die drei Bäume eine unerwartete Bedeutung innerhalb von Geschichten um Geburt, Wirken und Tod Jesu. Das Material regt deshalb zur Reflexion darüber an, dass Ziele auch dann bedeutsam bleiben können, wenn sich Lebenswege anders entwickeln als erträumt.

Diese Geschichte kann abschnittsweise erzählt werden. Nach den Zukunftswünschen der drei Bäume halten die Lernenden zunächst inne und formulieren eigene Vermutungen. Nach den Enttäuschungen der Bäume kann gefragt werden, wie sie sich fühlen und was aus ihren Träumen geworden ist. Erst am Ende wird die Verbindung zu den Jesusgeschichten erschlossen. Dadurch kann ein Gespräch über Wünsche, Enttäuschungen, Veränderungen und unerwartete Lebenswege entstehen. Die Lehrperson sollte dabei vermeiden, schwierige Lebenserfahrungen vorschnell als Teil eines göttlichen Plans zu erklären. Im Zentrum des Materials steht vielmehr die Einsicht, dass Lebenswege offen sind und sich Sinn auch anders entwickeln kann als ursprünglich erwartet.

Psalm 1 bietet eine religiöse Vertiefung der gesamten Symbolarbeit. Dort wird der Mensch mit einem Baum verglichen, der an Wasserbächen gepflanzt ist, Frucht trägt und nicht verwelkt. Die Lernenden können fragen, was ihre eigenen Lebensquellen sind und welche Rolle Gott dabei spielen könnte. Der Psalm kann gelesen, in einzelnen Versen gestaltet oder mit dem persönlichen Lebensbaum verbunden werden. So entsteht eine Verbindung zwischen Selbstreflexion und biblischer Glaubenssprache.

Besondere Stärke des Materials ist seine inklusive Anlage. Lernende können sich über sehr unterschiedliche Wege mit dem Symbol auseinandersetzen. Sie können einen Baum sehen, ertasten und riechen, ihn körperlich darstellen, mit Naturmaterialien gestalten, malen, Bilder und Symbole auswählen, Geschichten hören, Begriffe zuordnen oder eigene Texte verfassen. Dadurch können auch innerhalb derselben Unterrichtsphase unterschiedliche Ausdrucksformen zugelassen werden. Das Ziel besteht nicht darin, dass alle Lernenden denselben Baum gestalten oder dieselben Aussagen formulieren, sondern darin, individuelle Zugänge zum gemeinsamen Symbol zu ermöglichen.

Als Abschluss bietet sich ein persönlicher Lebensbaum an, der die gesamte Unterrichtsreihe bündelt. In die Wurzeln können Herkunft und Kraftquellen eingetragen oder gemalt werden. Der Stamm kann für Gegenwart, Persönlichkeit und das stehen, was Halt gibt. In der Krone finden Fähigkeiten, Beziehungen, Wünsche, Träume und Zukunftsvorstellungen ihren Platz. Die Ergebnisse können freiwillig in einem Museumsgang betrachtet werden. Dabei sollten die Lernenden selbst entscheiden können, welche persönlichen Inhalte sie zeigen möchten. Abschließend kann die Ausgangsfrage erneut aufgegriffen werden: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Der Baum bietet darauf keine fertige Antwort, sondern eine Bildsprache, mit deren Hilfe Lernende über die eigene Einmaligkeit, das Zusammenleben mit anderen, persönliche Lebensquellen und offene Zukunftswege nachdenken können.


Der Einstieg gelingt über eine Geschichte zu einem sprechenden Baum. Er erzählt seine Geschichte über die Jahreszeiten. Ein Baum-Bild wird beschriftet und es werden Körperübungen als Baum gemacht, um sich in einen Baum hineinzuversetzen. Dazu werden weitere Geschichtsteile verlesen. In einem weiteren Schritt werden Mensch und Baum verglichen. Ein weiterer Schritt thematisiert Halt und das Schlagen von Wurzeln. Dazu wird eine Geschichte zum Schulwechsel verlesen, in der Einsamkeit und neue Freundschaft behandelt werden. Der nächste Schritt behandelt Familiengeschichte anhand eines Stammbaums. Anschließend werden Früchte besprochen und ausgemalt.

Eine weitere Geschichte berichtet von einem Apfelbaum, in dem viele Vögel zusammen wohnen. Manchmal gibt es Streit, er wird jedoch konstruktiv gelöst. Um dies nachzuvollziehen, werden Rollenkarten ausgegeben und die Lernenden übernehmen die Rollen der Vögel. In einem weiteren Schritt wird eine Geschichte über drei Bäume verlesen, die gefällt und zu Truhe, Futterkrippe und Boot verarbeitet werden. Alle drei kommen in Jesu Lebenslauf vor und berichten von ihrem Kontakt mit ihm. Ein letzter Schritt besteht aus dem Verfassen eines Briefes zu eigenen Zukunftswünschen.

Material:

M1 Text „Der Baum spricht“

M2 Der Baum

M3 Körperübung: Ich bin wie ein Baum

M4 Was gibt mir Halt? Was brauche ich zum Wachsen?

M5 Wurzeln schlagen

M6 Wurzeln und Stamm

M7 Mein Stammbaum

M8 Kopiervorlage Früchte

M9 Ein Zuhause finden

M10 Rollenkarte Apfelbaum

M11 Drei kleine Bäume

M12 Dein Traum der Zukunft


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5G.3 Jesus von Nazareth. Sein Reden und Handeln als Frohe Botschaft.

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5.3 In Gemeinschaft leben: Das Volk Gottes.

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