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Soziale Gerechtigkeit

Veröffentlichung:1.1.2014

Das Medium „Themenblätter im Unterricht Nr. 102: Soziale Gerechtigkeit“ mit zehn Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung thematisiert grundlegende Fragen sozialer Gerechtigkeit und führt Lernende an die Unterscheidung zwischen sozialer Ungleichheit und sozialer Ungerechtigkeit heran. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass Menschen sich hinsichtlich ihrer Voraussetzungen, Lebenslagen und Chancen unterscheiden und dass gesellschaftlich ausgehandelt werden muss, welche Unterschiede als gerecht oder ungerecht gelten. Dabei nimmt das Material verschiedene Dimensionen von Gerechtigkeit in den Blick, darunter Einkommensgerechtigkeit, Steuergerechtigkeit, Generationengerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit, Teilhabegerechtigkeit und Regelgerechtigkeit. Anhand der unterschiedlichen Lebenssituationen von Julia und Julius werden individuelle Unterschiede und gesellschaftlich beeinflussbare Benachteiligungen gegenübergestellt. Weitere Aufgaben beschäftigen sich mit Einkommensverteilung, Bildungschancen, geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden, Gesundheitsversorgung, Migration und sozialen Sicherungssystemen. Ergänzt wird das Material durch ein lebensnahes Rollenspiel zur gerechten Verteilung einer Pizza, eine Auseinandersetzung mit der Einkommensverteilung in Deutschland sowie eine abschließende Debatte darüber, welche gesellschaftlichen Verhältnisse verändert werden sollten. Das Medium besteht aus Arbeitsblättern, einer Kopiervorlage sowie ausführlichen Hinweisen für den Unterricht.

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Didaktisch eignet sich das Medium besonders dazu, Gerechtigkeit nicht ausschließlich als abstrakten Begriff zu behandeln, sondern als gesellschaftliche und persönliche Urteilsfrage erfahrbar zu machen. Eine besondere Stärke besteht darin, dass das Material bewusst keine einfache Antwort darauf vorgibt, was sozial gerecht ist. Vielmehr sollen Lernende erkennen, dass Gerechtigkeitsvorstellungen von unterschiedlichen Wertvorstellungen, Interessen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt werden und politisch verhandelbar sind. Für den Einstieg bietet sich die Gegenüberstellung von Julia und Julius auf Arbeitsblatt A an. Die Lernenden können zunächst Unterschiede zwischen beiden Personen sammeln und anschließend unterscheiden, welche Merkmale unmittelbar zur Person gehören und welche daraus entstehenden Nachteile gesellschaftlich beeinflusst oder verändert werden können. Dadurch lässt sich die zentrale Differenz zwischen Verschiedenheit, Ungleichheit und Ungerechtigkeit erarbeiten. Besonders produktiv ist eine anschließende Diskussion darüber, wann aus einem Unterschied ein Gerechtigkeitsproblem entsteht. Die Bewertungsaufgabe auf Arbeitsblatt A ermöglicht danach eine stärkere Positionierung. Lernende beurteilen verschiedene gesellschaftliche Situationen auf einer Skala und müssen ihre Entscheidungen in Kleingruppen begründen.

 Methodisch kann diese Aufgabe zunächst als Einzelarbeit durchgeführt werden, damit alle Lernenden eine eigene Position entwickeln. Anschließend können die Bewertungen in Partnerarbeit oder Kleingruppen verglichen werden. Unterschiede zwischen den Einschätzungen sollten dabei ausdrücklich zum Gegenstand des Unterrichtsgesprächs werden, da gerade die Kontroversität einen wichtigen Zugang zum Gerechtigkeitsbegriff eröffnet. Das Rollenspiel zur Aufteilung einer Pizza eignet sich besonders für einen anschaulichen Zugang zu unterschiedlichen Gerechtigkeitsprinzipien. Die Lernenden übernehmen Rollen innerhalb einer Familie und müssen entscheiden, ob Gleichverteilung tatsächlich gerecht ist oder beispielsweise Bedarf, Alter oder Leistung berücksichtigt werden sollten. 

Im Anschluss können die dabei intuitiv verwendeten Kriterien gesammelt und systematisiert werden. Die Kopiervorlage zu den verschiedenen Arten von Gerechtigkeit ermöglicht anschließend eine begriffliche Vertiefung. Die Lernenden ordnen konkrete Aussagen den unterschiedlichen Gerechtigkeitsdimensionen zu, beziehen selbst Stellung und diskutieren ihre Entscheidungen in der Lerngruppe. Für leistungsstärkere Lerngruppen bietet sich eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Frage an, ob Gerechtigkeit eher gleiche Ausgangschancen oder möglichst ähnliche Ergebnisse verlangt. Diese Fragestellung wird im Material ausdrücklich als weiterführendes Unterrichtsgespräch vorgeschlagen. Die Aufgabe zur Einkommensverteilung verbindet politische Urteilsbildung mit der Auswertung statistischer Daten, indem eine Tabelle zunächst in ein Balkendiagramm übertragen und anschließend hinsichtlich ihrer Gerechtigkeit beurteilt wird. 

 Als Abschluss einer Unterrichtssequenz eignet sich die vorgesehene Debatte besonders gut. Die Lernenden müssen gesellschaftliche Probleme priorisieren, Argumente entwickeln, Positionen vertreten, auf Gegenargumente reagieren und die Überzeugungskraft anderer Beiträge beurteilen. Damit fördert das Medium neben Sachkompetenz insbesondere Urteilskompetenz, Perspektivübernahme, Argumentationsfähigkeit, Diskussionsfähigkeit und politische Handlungskompetenz. Für den Religionsunterricht bietet sich darüber hinaus eine Verknüpfung mit religiösen und ethischen Vorstellungen von Gerechtigkeit an. Die im Material entwickelten Kriterien können beispielsweise mit Menschenwürde, Nächstenliebe, Solidarität, Verantwortung, Option für Benachteiligte oder biblischen Gerechtigkeitsvorstellungen in Beziehung gesetzt werden. Dadurch kann die gesellschaftspolitische Perspektive des Mediums um eine explizit religionspädagogische Urteilsdimension erweitert werden.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.2 Darf man alles, was man kann? Fortschritt und menschliche Zukunft.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Soziale Fragen im 19. Jh. und heute

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