Das Medium eignet sich besonders für die Auseinandersetzung mit der Theodizeefrage und mit existenziellen Erfahrungen von Leid, Verlust und Gottesferne. Dabei sollte die Unterrichtsreihe nicht unmittelbar mit schweren Leiderfahrungen beginnen. Das Material eröffnet den Lernweg zunächst mit positiven Erfahrungen von Schutz und Geborgenheit. Eine Fantasiereise und die Geschichte von den Lebensfarben regen dazu an, unterschiedliche Stimmungen und Lebenserfahrungen wahrzunehmen. Anschließend gestalten die Lernenden mit verschiedenfarbigen Kreisen ein persönliches Lebensplakat. Dabei wird deutlich, dass zum Leben helle und dunkle, warme und kalte, kräftige und zarte Erfahrungen gehören. Dieser Zugang schafft eine wichtige Grundlage für die spätere Beschäftigung mit Leid, weil die Lernenden zunächst die Vielfalt menschlichen Lebens wahrnehmen und symbolisch ausdrücken können.
Die Geschichte Hiobs kann schrittweise erzählt und durch ein sich veränderndes Bodenbild begleitet werden. Zu Beginn verdeutlichen farbige Tücher, Figuren, Tiere, Blumen, eine Kerze und ein goldener Reifen Hiobs glückliches Leben und sein Gefühl, von Gott geborgen und gehalten zu sein. Beim Erzählen seiner Verluste werden Teile des Bodenbildes mit dunklen Tüchern bedeckt und die Kerze wird gelöscht. Diese symbolische Veränderung ermöglicht es Lernenden, Hiobs Situation nicht ausschließlich über Sprache, sondern auch visuell und emotional nachzuvollziehen. Ergänzend können Biegefiguren eingesetzt werden, mit denen Körperhaltungen gestaltet werden. Die Frage, wie ein Mensch steht, sitzt oder schaut, wenn er glücklich, verzweifelt, wütend oder hoffnungslos ist, ermöglicht einen körperbezogenen Zugang zur Erzählung. Gedanken und Sprechblasen können anschließend dazu dienen, Hiob eine Stimme zu geben.
Die Arbeit mit den Lebensplakaten kann während der gesamten Unterrichtsreihe fortgeführt werden. Zu den farbigen Kreisen treten schwarze Punkte als Symbole für Leid und Verlust. Das Material verbindet diese Gestaltung mit dem Begriff der Hiobsbotschaft und regt dazu an, Beispiele für leidvolle Erfahrungen aus der Gegenwart zu sammeln. Dabei ist besondere religionspädagogische Sensibilität erforderlich. Lernende sollten niemals dazu gedrängt werden, persönliche Erfahrungen mit Krankheit, Tod, Krieg, Flucht oder familiären Krisen offenzulegen. Persönliche Beiträge sollten freiwillig bleiben. Die Lehrkraft kann mit fiktiven Situationen, Nachrichtenbeispielen oder den im Medium vorhandenen Geschichten arbeiten, wenn Lernende eigene Erfahrungen nicht einbringen möchten.
Die Erkrankung Hiobs ermöglicht eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Frage, ob ein Mensch auch angesichts schweren Leidens an Gott festhalten kann. Das Material schlägt hierzu eine Positionierung im Raum vor. Lernende entscheiden, ob Hiob sich von Gott abwenden oder an Gott festhalten könnte, stellen sich zu einer entsprechenden Position und begründen ihre Entscheidung. Anschließend können Gespräche zwischen Hiob und seiner Frau entwickelt und als sprechende Standbilder dargestellt werden. Wichtig ist, dass die Lehrkraft keine Glaubensposition als erwartete richtige Antwort vorgibt. Zweifel, Wut, Klage, Festhalten an Gott und auch das Infragestellen Gottes müssen als mögliche Reaktionen ernst genommen werden.
Besonders ergiebig ist die Begegnung Hiobs mit seinen Freunden. Die Lernenden können untersuchen, welche Formen des Trostes hilfreich sind und welche Aussagen das Leid eines Menschen zusätzlich verstärken. Die Freunde versuchen, Hiobs Leid zu erklären und bringen es unter anderem mit möglicher Schuld in Verbindung. Hiob empfindet ihre Erklärungen jedoch nicht als Trost. Im Unterricht können Lernende hilfreiche und verletzende Sätze sammeln, Gesten des Trostes entwickeln und überlegen, was ein leidender Mensch tatsächlich brauchen könnte. Dadurch verbindet sich die theologische Frage nach dem Leid mit sozialem und ethischem Lernen. Zugleich kann kritisch thematisiert werden, welche Folgen es hat, Leid vorschnell als Strafe oder als Folge persönlicher Schuld zu interpretieren.
Einen zentralen Schwerpunkt bildet Hiobs Klage. Das Material zeigt Hiob als einen Menschen, der Gott nicht schweigend hinnimmt, sondern seine Verzweiflung ausspricht und Gott zur Antwort herausfordert. Das Gespräch zwischen Hiob und Gott kann mit verteilten Rollen gelesen werden. Unterschiedliche Stimmlagen und Lautstärken können verdeutlichen, wie sich Klage, Wut, Verzweiflung, Fragen und neue Hoffnung sprachlich ausdrücken. Im Material gelangt Hiob schließlich zu der Einsicht, dass er Gottes Handeln nicht verstehen kann, Gott aber dennoch als gegenwärtig erfährt. Daran lässt sich die wichtige religionspädagogische Erkenntnis anschließen, dass Klage und Zweifel nicht als Gegenteil von Glauben verstanden werden müssen. Gerade das Fragen und Klagen kann eine Form der Beziehung zu Gott darstellen.
Für den Lebensweltbezug bietet sich die Geschichte von Tom an. Tom erlebt die Arbeitslosigkeit seines Vaters, die finanziellen Sorgen der Familie und die Erfahrung, dass sein Gebet scheinbar unbeantwortet bleibt. Er fragt, ob Gott ihn überhaupt hört und warum Gott seiner Familie nicht hilft. Die Lernenden können Toms Fragen sammeln, mögliche Gebete formulieren oder überlegen, welche Antworten sie ihm geben würden. Anschließend kann die Geschichte mit Hiobs Erfahrungen verglichen werden. Auf diese Weise wird sichtbar, dass die Frage nach Gott angesichts von Leid keine ausschließlich biblische Frage ist, sondern Menschen auch heute beschäftigt.
Für eine vertiefende theologische Urteilsbildung eignen sich besonders die vier im Medium vorgestellten Antwortmöglichkeiten auf die Frage nach dem Leid. Die Lernenden begegnen der Vorstellung menschlicher Freiheit, der Deutung des Leidens als Lehre, der Vorstellung eines Gottes, der mit den Menschen leidet, sowie der Position, dass Gottes Handeln letztlich geheimnisvoll bleibt und Menschen Gott deshalb fragen und anklagen dürfen. Die Aussagen können auf verschiedenen Plakaten im Raum verteilt werden. Lernende bewegen sich von Position zu Position, notieren Zustimmung, Fragen und Kritik und diskutieren anschließend ihre Einschätzungen. Dabei sollte ausdrücklich ermöglicht werden, keiner Position vollständig zuzustimmen oder mehrere Gedanken miteinander zu verbinden. Ziel ist nicht die Vermittlung einer abschließenden Lösung der Theodizeefrage, sondern die Fähigkeit, unterschiedliche Deutungen zu verstehen, kritisch zu prüfen und eine eigene begründete Position zu entwickeln.
Zum Abschluss kann das Lebensplakat erneut betrachtet werden. Lernende überlegen, welche Farben und Symbole sie nach der Beschäftigung mit Hiob ergänzen möchten und welche Bedeutung Hoffnung, Klage, Gemeinschaft, Trost und Gott in ihrem Bild erhalten. Auch die Ausgangsfrage „Gott, wo bist du?“ kann erneut aufgegriffen werden. Die Antworten können als kurze Texte, Gebete, Briefe, Bilder oder Sprechblasen gestaltet werden. Auf diese Weise ermöglicht das Medium einen offenen Religionsunterricht, der schwierige Gottesfragen nicht mit einfachen Antworten beendet, sondern Lernende dazu befähigt, Leid wahrzunehmen, Fragen auszuhalten, unterschiedliche religiöse Deutungen zu beurteilen und eigene Vorstellungen sprachlich und gestalterisch auszudrücken.
Der Einstieg gelingt über ein Material zu einem Gespräch über Leid und Verzweiflung. Dabei wird Widerspruch durch kognitive Dissonanz angeregt. Als zentrale Frage wird dabei entwickelt: „Ist Leid eine Strafe Gottes?“ Darüber wird die Geschichte Hiobs vorbereitet.
In sie wird über den Begriff Hiobsbotschaften eingeführt. Dazu werden in Bilder von Fernsehern Bilder der aktuellen Leiden der Welt hineingemalt. Es werden Klagen und Fragen zu ihnen formuliert. Hiob tritt in einem abgewandelten Gespräch zu Gott auf und erkennt sein Unverständnis der Welt und des Leides an. Gleichzeitig stellt er Gottes Gegenwart fest. Somit gibt es das Leid und Gott, Hiob akzeptiert dies und sein Unverständnis der Beziehung zwischen beiden. Eine weitere Geschichte verdeutlicht Hiobs Problem durch die Übertragung in die Lebenswelt der Lernenden. Der Sohn eines Arbeitslosen bittet Gott seinem Vater Arbeit zu geben. Da Gott nicht antwortet und nichts passiert zweifelt der Junge an Gott. Vier Antworten dazu werden erarbeitet und mit einer eigenen Meinung gewertet. Dabei wird der Mensch als Verursacher von Leid dargestellt.
Es stellt sich die Frage nach den Naturkatastrophen, die Leiden verursachen, ohne dass der Mensch Einfluss hat. Gott wird als Lehrer gesehen, der Leiden als Lektion oder Bestrafung geschehen lässt. Damit wäre Gott nicht der Liebende. Gott leidet mit. Dadurch sind die Menschen nicht allein in ihrem Leiden. Gottes Handeln ist ein Geheimnis, aber wir können ihn fragen und ihm unser Leid klagen, das hilft uns.