Didaktisch ist das Material besonders geeignet, weil es nicht mit einer fertigen theologischen Erklärung des Satzes „Ich bin die Tür“ beginnt. Ausgangspunkt ist vielmehr die alltägliche Erfahrung der Lernenden. Im ersten Schritt wird die äußere Wirklichkeit der Tür erkundet. Die Lernenden betrachten Postkarten oder Fotografien unterschiedlicher Türen, wählen eine Tür aus und erzählen, welche Gedanken und Vorstellungen sie damit verbinden. Auch die Türen, durch die sie am Morgen bereits gegangen sind, können bewusst erinnert werden. Dabei werden Aufgaben und Funktionen von Türen gesammelt. Dieser Einstieg ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang, weil jedes Kind Erfahrungen mit Türen besitzt und sich zunächst unabhängig von religiösem Vorwissen beteiligen kann.
Die Lehrperson kann eine reale Tür im Klassenraum zum Gegenstand der Wahrnehmung machen. Die Lernenden beschreiben, was geschieht, wenn sie geöffnet oder geschlossen wird. Sie können hören, wie eine Tür klingt, die Oberfläche ertasten, eine Türklinke bewusst betätigen oder beobachten, wie sich der Raum verändert, wenn eine Tür offen oder geschlossen ist. Anschließend können Funktionen gesammelt werden: Eine Tür ermöglicht Zugang, grenzt Räume voneinander ab, schützt, verschließt, eröffnet einen Weg, schafft Privatsphäre oder lädt zum Eintreten ein. Das Material regt ausdrücklich dazu an, die unterschiedlichen Funktionen von Türen im Unterrichtsgespräch zusammenzutragen und nach ihrer Bedeutung für den Alltag zu fragen.
Auch Bewegung erhält im Material eine wichtige Funktion. Vorgeschlagen wird unter anderem ein Türtanz, bei dem Lernende paarweise Tore bilden und andere durch diese hindurchgehen. Diese Methode eignet sich besonders für einen ganzheitlichen Religionsunterricht. Die Erfahrung des Öffnens, Hindurchgehens und Empfangens wird körperlich nachvollziehbar. Im anschließenden Gespräch kann gefragt werden, wie es sich anfühlt, wenn sich eine Tür öffnet, wenn jemand den Weg freigibt oder wenn eine Tür verschlossen bleibt. So kann bereits vorsichtig zur übertragenen Bedeutung übergeleitet werden.
Im zweiten Schritt steht die innere Wirklichkeit der Tür im Mittelpunkt. Hier bietet das Material eine Fantasiereise an. Die Lernenden stellen sich eine Wiese mit einer Tür vor, öffnen diese, gehen hindurch, entdecken etwas auf der anderen Seite und kehren anschließend zurück. Ihre Vorstellungen können sie danach malen und miteinander vergleichen. Diese Methode macht die Offenheit eines Symbols besonders deutlich. Hinter derselben vorgestellten Tür können verschiedene Lernende völlig unterschiedliche Dinge entdecken. Gerade diese Vielfalt sollte nicht vorschnell vereinheitlicht werden. Sie eröffnet die Möglichkeit, darüber nachzudenken, dass Symbole mehr bedeuten können als das, was unmittelbar sichtbar ist.
Als weiterer Zugang wird im Material die Geschichte „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch vorgeschlagen, alternativ kann mit dem Bilderbuch „Die Reise“ von Aaron Becker gearbeitet werden. Bei der Arbeit mit „Oh, wie schön ist Panama“ kann ein Bodenbild entstehen, das Haus und Weg sichtbar macht. Die Lernenden gestalten anschließend mit Legematerial, was sie erleben könnten, wenn sie selbst durch eine neue Tür gehen. Als vertiefende Frage schlägt das Material vor, darüber nachzudenken, warum es manchmal wichtig ist, durch neue Türen zu gehen. Dadurch können Erfahrungen mit Veränderung, Mut, Unsicherheit, Neuanfang und Hoffnung thematisiert werden.
Im dritten Schritt erfolgt die religiöse und christologische Deutung. In der Mitte können zunächst zwei graue Tücher liegen, unter denen sich eine Jesusikone befindet. Nach dem Aufdecken wird die Sprechblase „Ich bin die Tür“ zur Ikone gelegt. Die Lernenden äußern ihre ersten Gedanken und Vermutungen zur Bedeutung dieses ungewöhnlichen Satzes. Gerade hier sollte die Lehrperson keine schnelle Lösung vorgeben. Die Aussage Jesu ist metaphorisch und verlangt eine Übertragung. Fragen wie „Kann Jesus wirklich eine Tür sein?“, „Was könnte Jesus mit diesem Satz meinen?“, „Was kann eine Tür, das uns helfen könnte, Jesus besser zu verstehen?“ oder „Welche Tür könnte Jesus für Menschen öffnen?“ fördern eigenständige religiöse Deutungen.
Für die weitere Erschließung greift das Material auf bekannte biblische Begegnungsgeschichten zurück. Genannt werden beispielsweise Zachäus und Bartimäus. Die Lernenden betrachten Bilder zu diesen Geschichten und erinnern sich daran, wie die Begegnung mit Jesus das Leben der jeweiligen Menschen verändert. Auch körperliche Darstellungen und Standbilder werden als Zugänge vorgeschlagen. Methodisch kann daraus die Frage entstehen, welche Tür sich für Zachäus oder Bartimäus durch Jesus öffnet. Die Lernenden können vor und nach der Begegnung mit Jesus jeweils ein Standbild gestalten. Danach beschreiben sie, was sich verändert hat. Auf diese Weise wird die metaphorische Aussage nicht abstrakt erklärt, sondern aus konkreten Jesusgeschichten heraus erschlossen.
Die theologische Vertiefung kann an Johannes 10 anknüpfen. Dort verbindet sich das Bild der Tür mit dem Bild des guten Hirten. Jesus steht für einen Zugang, der Schutz und Geborgenheit eröffnet und zugleich hinaus in ein Leben in Fülle führt. Für die Grundschule sollte diese theologische Aussage elementarisiert werden. Die Lernenden können etwa formulieren: Jesus öffnet Menschen Wege. Jesus gibt Menschen Hoffnung. Bei Jesus dürfen Menschen dazugehören. Jesus hilft Menschen, neu anzufangen. Solche Aussagen sollten jedoch aus der Auseinandersetzung mit den biblischen Geschichten und dem Symbol hervorgehen und nicht lediglich vorgegeben werden.
Das Material sieht zudem Arbeitsblätter vor, die zu einer Tür gefaltet und unterschiedlich gestaltet werden können. Die Lernenden können sich selbst neben Jesus oder gemeinsam mit Jesus hinter der Tür darstellen. Ebenso können sie Menschen zeichnen, die durch die Tür gegangen sind, und überlegen, wie sich deren Leben dadurch verändert hat. Diese Gestaltung eignet sich besonders zur individuellen Sicherung. Die offene Form ermöglicht unterschiedliche Ausdrucksniveaus. Lernende können malen, Symbole verwenden, einzelne Wörter notieren oder ausführlichere Gedanken formulieren.
Für eine vertiefende Reflexion können die Fragen des Materials aufgegriffen werden: Was meint Jesus mit der Aussage „Ich bin die Tür“? Welche Bedeutung kann dieser Satz für das eigene Leben haben? Wie leben Menschen, die durch die „Jesustür“ gegangen sind? Wofür könnte ein Mensch Jesus danken, wenn er erlebt, dass sich für ihn eine Tür geöffnet hat? Solche Fragen eignen sich für Einzelarbeit, Partnergespräche oder ein theologisches Gespräch im Sitzkreis. Persönliche Äußerungen sollten dabei immer freiwillig bleiben.
Besondere Stärke besitzt das Material für heterogene Lerngruppen. Die Arbeitshilfe versteht inklusionsorientierten Religionsunterricht als Lernen auf unterschiedlichen Aneignungswegen und berücksichtigt Wahrnehmen, konkretes Handeln, anschauliches Lernen sowie begriffliches Denken. Diese Grundidee zeigt sich im Unterrichtsvorhaben deutlich. Lernende können Türen sehen und ertasten, sich bewegen, durch imaginäre Türen gehen, Bilder betrachten, Bodenbilder gestalten, Geschichten darstellen, malen, schreiben und theologische Aussagen deuten. Damit können unterschiedliche Fähigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb derselben Lerngruppe berücksichtigt werden.
Für den Abschluss der Unterrichtsreihe bietet sich eine gemeinsame Symbolgestaltung an. Eine große Tür kann im Klassenraum aus Papier oder Pappe gestaltet werden. Auf einer Seite sammeln die Lernenden Erfahrungen und Begriffe zu verschlossenen Türen, etwa Angst, Einsamkeit, Streit oder Unsicherheit. Auf der geöffneten Seite können Begriffe stehen, die sie mit dem Jesuswort verbinden, etwa Hoffnung, Vertrauen, Gemeinschaft, Geborgenheit, Mut, Annahme und neues Leben. Entscheidend ist, dass die Ergebnisse nicht als einzige richtige Übersetzung des Symbols verstanden werden. Vielmehr können unterschiedliche Deutungen nebeneinanderstehen. Damit wird die zentrale religionspädagogische Stärke des Mediums sichtbar: Die alltägliche Tür wird vom konkreten Gegenstand zum Symbol und das Symbol schließlich zum Zugang für die Frage, was Jesus für Menschen bedeuten kann.
Der Einstieg gelingt über ein Lied zu Türen und Entscheidungsproblemen. Jesus sagt dazu, er ist die Tür. Dies wird auf einem Bild ausgemalt. Die Lernenden malen sich selbst zu Jesus. Ein dritter Malauftrag stellt einen anderen Menschen dar, der durch eine Tür gegangen ist. Ein zweites Lied thematisiert Jesu Hilfe bei Entscheidungen.