Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe eins und zwei. Es kann in Unterrichtsreihen zu Bibelkunde, Schöpfung, Bibelauslegung, Wahrheit, Mythos, historischer Jesusforschung und zur Entstehung der Bibel eingesetzt werden. Seine klare Frageform erleichtert den Zugang zu komplexen exegetischen Themen. Zugleich erfordert der journalistische Ursprung des Textes eine sorgfältige fachliche Begleitung. Die teilweise zugespitzten Antworten dürfen nicht als abschließende Ergebnisse der Bibelwissenschaft behandelt werden. Sie sollten als Position eines Fachwissenschaftlers gelesen, mit biblischen Texten verglichen und anhand weiterer Quellen überprüft werden.
Als Einstieg kann die Titelfrage „Haben Adam und Eva wirklich gelebt?“ in den Raum gestellt werden. Die Lernenden formulieren zunächst ihre Vermutungen und erklären, was sie unter „wirklich gelebt“ verstehen. Dadurch wird sichtbar, dass Wahrheit unterschiedlich verstanden werden kann. Ein Text kann historisch überprüfbare Ereignisse darstellen, aber auch in symbolischer Form grundlegende Wahrheiten über das Menschsein ausdrücken. Diese Unterscheidung sollte vor der Lektüre gemeinsam entwickelt werden.
Eine Positionslinie eignet sich ebenfalls als Einstieg. Die Lernenden ordnen sich zwischen den Aussagen „Alles in der Bibel ist genau so geschehen“ und „Biblische Erzählungen haben keinen Wahrheitsgehalt“ ein. Sie begründen ihre Position und überprüfen sie nach der Arbeit mit dem Medium erneut. Auf diese Weise kann ein differenziertes Bibelverständnis entstehen, das weder auf einen wörtlichen Tatsachenbericht noch auf eine vollständige Abwertung der Texte hinausläuft.
Vor der Erarbeitung sollten zentrale Begriffe geklärt werden. Dazu gehören Mythos, Sage, Symbol, Exegese, historische Faktizität, religiöse Wahrheit, Überlieferung und Redaktion. Der Begriff Mythos darf nicht einfach mit Lüge oder Erfindung gleichgesetzt werden. Ein Mythos ist eine grundlegende Erzählung, in der Menschen ihre Erfahrungen mit Leben, Tod, Schuld, Freiheit, Gott und Welt deuten. Auch der im Material verwendete Ausdruck Sagenfigur sollte kritisch betrachtet werden, da er leicht den Eindruck erweckt, die biblischen Urgeschichten seien bedeutungslose Fantasiegeschichten.
Das Interview kann abschnittsweise erschlossen werden. Die Lernenden markieren in jeder Antwort die historische Aussage und die theologische Deutung mit unterschiedlichen Farben. Anschließend formulieren sie zu jedem Themenbereich einen Satz nach dem Muster: „Historisch behauptet der Text, dass …“ und „Theologisch bedeutet die Erzählung, dass …“. Dieses Verfahren fördert Textverständnis und Deutungskompetenz.
Die zehn Fragen können auf Kleingruppen verteilt werden. Jede Gruppe fasst die jeweilige Antwort zusammen, erklärt die zentrale Aussage und formuliert eine kritische Rückfrage. Anschließend werden die Ergebnisse in der Reihenfolge des Interviews präsentiert. Eine gemeinsame Übersicht kann zeigen, welche Texte als Urgeschichte, welche als geschichtliche Erinnerung und welche als Zeugnisse über historische Personen eingeordnet werden.
Für die Auseinandersetzung mit Adam und Eva sollte das Interview mit Genesis 2 und Genesis 3 verbunden werden. Die Lernenden untersuchen, welche Aussagen die Erzählung über den Menschen trifft. Mögliche Themen sind Gemeinschaft, Freiheit, Verführung, Verantwortung, Schuld, Scham, Sterblichkeit und die Sehnsucht nach Erkenntnis. Dabei wird deutlich, dass die theologische Bedeutung der Erzählung nicht davon abhängt, ob Adam und Eva als historisch nachweisbare Einzelpersonen verstanden werden.
Auch Kain und Abel sowie Noah können vergleichend einbezogen werden. An Kain und Abel lässt sich die Entwicklung von Neid zu Gewalt untersuchen. Die Noaherzählung eröffnet Fragen nach Gericht, Rettung, Neubeginn und dem Bund Gottes mit der Schöpfung. Die Lernenden können erklären, weshalb solche Erzählungen menschliche Grunderfahrungen verdichten und dadurch über ihren ursprünglichen Entstehungszusammenhang hinaus bedeutsam bleiben.
Die Angaben zu Mose, David, Salomo und Jeremia bieten Anlass zu historischer Quellenkritik. Die Lernenden unterscheiden zwischen biblischer Darstellung, archäologischen Hinweisen und wissenschaftlichen Rekonstruktionen. Dabei sollte vermittelt werden, dass historische Forschung häufig mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet. Einige Aussagen des Interviews, etwa konkrete Zahlen zum Exodus oder die sichere historische Einordnung einzelner Personen, sind stärker formuliert, als es die Forschungslage erlaubt. Die Lernenden können deshalb Kategorien wie sicher, wahrscheinlich, umstritten und nicht belegbar entwickeln und die Aussagen des Materials entsprechend einordnen.
Zur Entstehung der Bibel bietet sich eine Zeitleiste an. Die Lernenden tragen frühe mündliche Überlieferungen, erste schriftliche Sammlungen, die Entstehung prophetischer Texte, die Paulusbriefe und die Evangelien ein. Dabei sollte deutlich werden, dass biblische Bücher über längere Zeiträume entstanden, bearbeitet, gesammelt und weitergegeben wurden. Die traditionelle Zuschreibung eines Textes an Mose, David oder Salomo ist nicht automatisch mit moderner Autorschaft gleichzusetzen.
Die Frage nach der historischen Existenz Jesu ermöglicht eine Einführung in die historische Jesusforschung. Das Interview nennt christliche und außerchristliche Hinweise, verwendet diese jedoch teilweise verkürzt. Die Lernenden können zwischen Quellen unterscheiden, die Jesus unmittelbar erwähnen, und Quellen, die frühe christliche Gemeinden oder Konflikte um Christus belegen. Dadurch erwerben sie die Fähigkeit, historische Behauptungen genau zu prüfen.
Beim Thema Maria sollte Jesaja 7,14 mit Matthäus 1,18 bis 25 und Lukas 1,26 bis 38 verglichen werden. Die Lernenden untersuchen, wie ein älterer biblischer Text in einem neuen Zusammenhang gedeutet wird. Dabei können die hebräische Bezeichnung für eine junge Frau und ihre griechische Übersetzung betrachtet werden. Wichtig ist der Hinweis, dass die neutestamentliche Vorstellung von der Jungfrauengeburt nicht allein durch einen Übersetzungsfehler erklärt werden kann. Sie besitzt eine eigene theologische Bedeutung und bringt den Glauben an die besondere Herkunft Jesu zum Ausdruck.
Die drei vorhandenen Aufgaben fördern vor allem die Wiedergabe und erste Reflexion. Sie können durch anspruchsvollere Aufgaben erweitert werden. Die Lernenden können eine Aussage des Interviews mithilfe von Bibeltexten und Fachinformationen überprüfen, einen sachlicheren Titel verfassen oder einen kurzen Kommentar zur Frage schreiben, ob eine Erzählung wahr sein kann, ohne historisch genau zu sein. Eine weitere Möglichkeit ist ein Gespräch zwischen einer Person, die die Bibel wörtlich liest, und einer Person, die sie historisch kritisch auslegt.
Die Aussage „Auch wenn einer die Bibel nicht kennt, die Bibel kennt ihn“ eignet sich als abschließender Impuls. Die Lernenden erläutern, welche menschlichen Erfahrungen in den behandelten Erzählungen vorkommen, und beziehen diese auf gegenwärtige Lebensfragen. Dabei können Neid, Angst, Schuld, Sehnsucht, Freiheit, Vertrauen, Scheitern und Hoffnung genannt werden. Persönliche Erfahrungen müssen nicht offengelegt werden. Die Lernenden können auch mit erfundenen Beispielen oder gesellschaftlichen Situationen arbeiten.
Zum Abschluss verfassen die Lernenden ein begründetes Urteil zur Frage, wie die Bibel angemessen gelesen werden kann. Eine mögliche Erkenntnis lautet, dass historische Forschung und religiöse Auslegung unterschiedliche, aber aufeinander bezogene Fragen stellen. Historische Forschung untersucht Entstehung, Quellen und mögliche Ereignisse. Theologische Auslegung fragt nach der Bedeutung eines Textes für den Glauben und das Leben. Das Medium kann somit Bibelwissen, Quellenkritik, Medienkompetenz, Deutungskompetenz und religiöse Urteilsfähigkeit fördern.
Für den Religionsunterricht bietet das Medium vielfältige Möglichkeiten, die Deutungskompetenz der Lernenden zu fördern und ein reflektiertes Verständnis biblischer Texte anzubahnen. Methodisch eignet sich insbesondere ein arbeitsteiliges Vorgehen, bei dem Lernende die einzelnen Interviewfragen analysieren und deren Kernaussagen herausarbeiten. Diese können anschließend im Plenum zusammengetragen und diskutiert werden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Bibelverständnis sichtbar zu machen. Didaktisch zentral ist die Einführung in die historisch-kritische Methode, die den Lernenden hilft, zwischen symbolischer und historischer Wahrheit zu unterscheiden. Vertiefend können Reflexionsphasen integriert werden, in denen Lernende eigene Positionen zur Frage nach „Wahrheit“ in der Bibel entwickeln und begründen. Kreative Zugänge – etwa das Formulieren eigener Interviewfragen an einen „Bibelforscher“ oder das Verfassen moderner Deutungen biblischer Geschichten – unterstützen die aktive Auseinandersetzung. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis von Bibel als Glaubenszeugnis zu entwickeln und zugleich kritisches Denken zu stärken.