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Magazin ZeitspRUng

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Nobody stands nowhere.

Niemand steht nirgendwo.

Veröffentlichung:6.3.2026

Der Artikel aus zeitsprung (2/2025) von Dr. Margit Herfarth und Christoph Kilian stellt einen kompakten Unterrichtsbaustein (2–4 Stunden) für die Klassen 7–12 und die Berufsschule vor, der auf dem Kurzfilm „Nobody stands nowhere" der Animationskünstlerin Emily Downe basiert. Der Film, entstanden im Auftrag des britischen Thinktanks „Theos", visualisiert das Konzept der Weltanschauung und macht deutlich: Neutralität gibt es nicht – jeder steht irgendwo. Die Schüler*innen erkunden, wie Weltanschauungen entstehen, was die eigene prägt und was es bedeutet, für eine Wahrheit einzustehen, während andere aus ihren Perspektiven zu anderen Antworten kommen. Der Baustein ist sowohl als eigenständige Einheit als auch in Kombination mit Unterrichtseinheiten zu Konflikt, Wahrheit und interreligiösem Dialog einsetzbar.

Das Medium „Nobody stands nowhere. Niemand steht nirgendwo“ von Margit Herfarth und Christoph Kilian ist ein Unterrichtsbaustein für die Klassen 7 bis 12 sowie für die Berufsschule und umfasst etwa zwei bis vier Unterrichtsstunden. Im Zentrum steht der gleichnamige animierte Kurzfilm der Künstlerin Emily Downe, der das Konzept von Worldviews beziehungsweise Weltanschauungen in einer pluralen Gesellschaft visualisiert. Der Film regt dazu an, über die Entstehung der eigenen Sicht auf die Welt und deren Bedeutung für persönliche Haltungen und Entscheidungen nachzudenken. Ausgangspunkt ist die zentrale Einsicht, dass es keine vollkommen neutrale Position gibt: Jeder Mensch betrachtet die Welt aus einer bestimmten Perspektive, die durch Erfahrungen, Beziehungen, Gruppenzugehörigkeiten, Überzeugungen und weitere Einflüsse geprägt wird. Der Unterrichtsbaustein führt von der Klärung des Begriffs Weltanschauung über die Analyse der visuellen Gestaltung des Films zur Reflexion der eigenen Weltanschauung. Anschließend beschäftigen sich die Lernenden mit der Frage, wie Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen miteinander in Verbindung treten können und wie viel Gemeinsamkeit beziehungsweise Unterschiedlichkeit ein gelingender Dialog verträgt. Den Abschluss bildet die anspruchsvolle Frage nach Wahrheit und Positionalität: Die Lernenden reflektieren, wofür sie selbst einstehen und was es für das Verständnis von Wahrheit bedeutet, dass andere Menschen aus ihren jeweiligen Weltanschauungen zu anderen Antworten gelangen können.

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Didaktisch eignet sich das Medium besonders für einen lebensweltorientierten, subjektorientierten und dialogischen Religionsunterricht. Es kann als eigenständige kurze Unterrichtseinheit verwendet oder mit Unterrichtsvorhaben zu Konflikt, Wahrheit und interreligiösem Dialog verbunden werden. Besonders gewinnbringend ist die Verbindung von Weltanschauung und Positionalität. Lernende erfahren Weltanschauung nicht zunächst als abstrakten religionswissenschaftlichen Begriff, sondern als etwas, das ihre eigenen Wahrnehmungen, Entscheidungen und Bewertungen beeinflusst. Methodisch sollte der Film entsprechend der Empfehlung des Mediums zunächst ohne ausführliche Einführung gezeigt werden. Die farbigen, bewegten und abstrakten Visualisierungen ermöglichen einen intuitiven Zugang und unterstützen das Verständnis auch bei geringen Englischkenntnissen. Anschließend kann das Transkript gelesen werden. Eine zweite und gegebenenfalls dritte Sichtung ermöglicht eine genauere Analyse. Bei entsprechender technischer Ausstattung kann der Film auf Tablets individuell betrachtet werden, sodass einzelne Sequenzen wiederholt und in unterschiedlichem Lerntempo untersucht werden können. Nach der ersten Sichtung empfiehlt sich zunächst eine offene Sammlung von Eindrücken. Die Lernenden können formulieren, welche Bilder, Aussagen oder Fragen ihnen besonders aufgefallen sind. Erst danach sollte der Begriff Weltanschauung systematischer erschlossen werden. In Partnerarbeit entwickeln die Lernenden eine eigene Erklärung des Begriffs und vergleichen diese anschließend im Plenum. Dieses Vorgehen verhindert, dass eine fertige Definition lediglich übernommen wird, und macht unterschiedliche Vorverständnisse sichtbar. Anschließend bietet sich eine genaue Analyse der Bildsprache an. Die Lernenden untersuchen, wie abstrakte Gedanken durch Farben, Formen, Bewegungen und bildliche Darstellungen konkretisiert werden. Das Material fordert dazu auf, mindestens drei Beispiele zu identifizieren, bei denen abstrakte Gedanken visuell umgesetzt werden. Gerade die auf beiden Seiten des Mediums sichtbare farbige und abstrakte Gestaltung kann dabei aufgegriffen werden. Die verschiedenen Formen, Flächen und Perspektiven veranschaulichen bereits gestalterisch die Vielfalt möglicher Sichtweisen auf die Welt. Ein besonderer Schwerpunkt sollte anschließend auf der Selbstreflexion liegen. Die Lernenden setzen sich mit den Fragen auseinander, wie sie selbst die Welt sehen und wodurch ihre Sichtweise geprägt wurde. Das Medium bietet hierfür zwei unterschiedliche Zugänge an. Beim ersten Weg nehmen die Lernenden eine scheinbar alltägliche Entscheidung zum Ausgangspunkt und visualisieren auf einem Blatt, welche Personen, Gruppen, Erfahrungen und anderen Entscheidungen diese beeinflusst haben. Beim zweiten Weg gestalten sie gedanklich eine Profilseite für ein neues soziales Netzwerk und wählen Informationen, Bilder und Texte aus, durch die sie sich selbst darstellen würden. Beide Methoden eignen sich dazu, die Vielschichtigkeit der eigenen Identität sichtbar zu machen. Religionspädagogisch kann diese Reflexion erweitert werden, indem die Lernenden überlegen, welche Bedeutung Religion, Glaube, Nichtglaube, Familie, Freundschaften, Medien, Kultur, Sprache, gesellschaftliche Erfahrungen und persönliche Werte für ihre Sicht auf die Welt besitzen. Dabei ist jedoch besonders auf Freiwilligkeit zu achten. Das Material sieht ausdrücklich vor, dass die Lernenden selbst entscheiden, welche Erkenntnisse sie mit der Lerngruppe teilen und welche sie für sich behalten möchten. Diese Schutzmöglichkeit ist im Religionsunterricht von besonderer Bedeutung, da Fragen nach Weltanschauung, Religion und persönlicher Überzeugung sehr private Bereiche berühren können. Die Lehrkraft sollte deshalb keine religiöse Selbstpositionierung erzwingen. Für die anschließende Dialogphase kann die Lerngruppe untersuchen, wie Begegnung trotz unterschiedlicher Weltanschauungen möglich ist. Die Frage, wie viel Übereinstimmung notwendig und wie viel Unterschiedlichkeit möglich ist, eignet sich für ein Positionsbarometer oder eine strukturierte Diskussion. Ausgangspunkt sollte die Erkenntnis sein, dass Weltanschauungen aus unterschiedlichen Quellen und Facetten bestehen und sich im Laufe eines Lebens verändern können. Die Lernenden können konkrete Voraussetzungen für einen gelingenden Dialog entwickeln, beispielsweise Zuhören, Respekt, Perspektivübernahme, Begründung der eigenen Position und die Bereitschaft, andere Überzeugungen auszuhalten. Für den Religionsunterricht eröffnet sich hier insbesondere die Möglichkeit, religiöse, nicht religiöse und weltanschauliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen. Den didaktischen Höhepunkt bildet die Frage nach Wahrheit. Der Film setzt diese Frage gestalterisch besonders hervor, indem die ansonsten bewegte und farbige Darstellung an dieser Stelle still wird. Das Medium verbindet damit die Fragen nach Wahrheit mit den Fragen, ob ein Mensch weiß, wo er steht und warum er dort steht. Methodisch sollte diese Sequenz erneut betrachtet und zunächst in einer kurzen stillen Schreibphase individuell reflektiert werden. Anschließend kann eine Diskussion darüber stattfinden, ob unterschiedliche Weltanschauungen zwangsläufig zu unterschiedlichen Wahrheiten führen, ob Menschen trotz verschiedener Überzeugungen gemeinsame Wahrheitsansprüche entwickeln können und wie mit konkurrierenden Wahrheitsansprüchen respektvoll umzugehen ist. Die Lehrkraft sollte dabei nicht auf eine schnelle Auflösung der Spannung zielen. Gerade die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wahrheitsansprüchen, Perspektiven und Überzeugungen ermöglicht religiöse Urteilsbildung. Das auf Seite 11 ergänzend dargestellte Verständnis von Positionalität im Religionsunterricht kann zudem zum Gegenstand einer Reflexion über die Rolle der Lehrkraft werden. Dort wird Positionalität damit verbunden, persönliche Haltungen sowie gesellschaftliche und politische Einflüsse transparent werden zu lassen, zugleich aber vielfältige Meinungen und Glaubensüberzeugungen aufzuzeigen und Lernenden eine eigene Urteilsbildung zu ermöglichen. Insgesamt fördert das Medium die Fähigkeit, die eigene Perspektivität wahrzunehmen, Einflüsse auf das eigene Denken zu reflektieren, andere Weltanschauungen anzuerkennen und dennoch eine begründete eigene Position zu entwickeln. Damit verbindet es religiöse Bildung mit Identitätsbildung, Dialogfähigkeit, Ambiguitätstoleranz und der Fähigkeit, in einer religiös und weltanschaulich pluralen Gesellschaft urteilsfähig zu handeln.


Klassenstufe: 7–12 sowie Berufsschule; der Baustein ist bewusst stufenübergreifend konzipiert und mit Modifikationen in sehr unterschiedlichen Lerngruppen einsetzbar. Für Klasse 7–8 empfiehlt sich eine stärkere Lenkung bei Aufgabe 5 (Wahrheitsbegriff); für Klasse 10–12 kann die philosophische und religiöse Dimension vertieft werden.

Thematische Einordnung:

Der Baustein erschließt das Konzept der Positionalität von einer anthropologischen und erkenntnistheoretischen Seite: Wer bin ich, wie sehe ich die Welt, und was bedeutet es, dass andere sie anders sehen? Das ist nicht nur religionspädagogisch, sondern auch demokratiepädagogisch relevant. Die Frage nach der Wahrheit – central im Film – verbindet den Baustein mit theologischen Fragen nach Offenbarung, Dialog und Toleranz, ohne diese explizit zu benennen. Der Film selbst ist das eigentliche Medium: ästhetisch stark, sprachlich zugänglich, ohne religiöse Voraussetzungen.

Aufbau des Unterrichtsbausteins (5 Impulse):


Impuls 1 – Was ist eine Weltanschauung? Der Einstieg ohne Einführung (Film einfach zeigen) ist didaktisch mutig und richtig: Die Visualisierungen des Films tragen das Verständnis, auch bei geringen Englischkenntnissen. Die anschließende Begriffsarbeit (Erklärung zu zweit entwickeln, im Plenum vergleichen) fördert kooperatives Denken und sprachliche Präzision.

Impuls 2 – Bildanalyse: Die Aufgabe, zu untersuchen, wie Downe abstrakte Konzepte durch Bilder, Formen und Farben konkret macht, ist kunstdidaktisch wertvoll und schult ästhetische Wahrnehmung. Mindestens drei Beispiele zu finden fordert zur genauen Beobachtung auf und verhindert oberflächliches Ansehen.

Impuls 3 – Die eigene Weltanschauung erkunden: Dieser Schritt ist das kreative Herzstück des Bausteins. Die zwei angebotenen Wege (a: von einer kleinen Entscheidung ausgehend Einflüsse visualisieren; b: Profilseite in einem sozialen Netzwerk gestalten) sind gut differenziert: Weg a ist analytisch-reflexiv, Weg b expressiv-identitätsorientiert. Beide ermöglichen echte Selbstauseinandersetzung. Die explizite Frage, was geteilt werden will und was nicht, schützt die Privatsphäre und schafft Vertrauen.

Impuls 4 – Begegnung trotz Verschiedenheit: Die Frage nach dem Maß an nötiger Übereinstimmung bzw. möglicher Verschiedenheit für gelingende Begegnung ist eine der wichtigsten Fragen des interreligiösen und interkulturellen Dialogs. Sie ist hier niedrigschwellig formuliert und lässt sich gut im Plenum oder in Kleingruppen diskutieren.

Impuls 5 – Wahrheit und Standpunkt: Die Stille im Film an der Stelle der Wahrheitsfrage ist ein starker didaktischer Impuls. Die Frage „Für welche Wahrheit stehst du ein?" fordert zur Positionierung heraus, ohne eine bestimmte Antwort vorzugeben. Die Ergänzungsfrage – was bedeutet es für den Wahrheitsbegriff, dass andere anders antworten? – öffnet den Raum für epistemische Demut und Pluralitätsfähigkeit.


Methodische Stärken:

Der Baustein ist methodisch sehr kompakt und doch vielschichtig: Filmrezeption, Bildanalyse, kreative Selbstdarstellung, Diskussion und persönliche Reflexion sind sinnvoll aufeinander aufgebaut. Die Möglichkeit, den Film auf Tablets verfügbar zu machen, ermöglicht individualisiertes Arbeiten. Die Verknüpfung mit dem Unterrichtsvorschlag „Die zwölf Geschworenen" (im selben Heft) ist ausdrücklich vorgesehen und pädagogisch sinnvoll.

Hinweise zur Vorbereitung:


Der Film ist kostenlos online verfügbar (Link im Artikel); Verfügbarkeit vorab prüfen und ggf. lokal speichern.

Das Transkript des englischen Filmtexts sollte ausgedruckt bereitliegen – es ermöglicht ein vertieftes zweites und drittes Sehen.

Für Klassen ohne ausreichende Englischkenntnisse empfiehlt sich eine kurze Vorentlastung des Vokabulars (worldview, perspective, truth, belief).

Der Baustein eignet sich gut als Einstieg in längere Einheiten zu Wahrheit, Dialog, Konflikt oder interreligiösem Lernen.


Fächerübergreifende Anschlussmöglichkeiten:

Ethik/Philosophie (Erkenntnistheorie, Wahrheitsbegriff), Politische Bildung (Pluralismus, Demokratie), Englisch (Filmanalyse, Transkript), Kunst (Visualisierung abstrakter Konzepte).

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

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