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Magazin ZeitspRUng

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Was für ein Vertrauen?

Ein Mitmachprojekt zu Psalm 23 in Minecraft

Veröffentlichung:9.3.2026

Der Artikel aus zeitsprung (2/2019) von Pascal Bullan stellt ein digitales Mitmachprojekt der von Cansteinschen Bibelanstalt Berlin (vCBA) vor, das Minecraft als Medium für die Bibelarbeit im Religionsunterricht nutzt. Auf einem pädagogisch betreuten Minecraft-Server der vCBA können Klassen und Einzelpersonen ortsunabhängig an wechselnden Bibelprojekten teilnehmen. Das zum Zeitpunkt des Artikels laufende Projekt befasst sich mit Psalm 23 unter dem Kirchentagsmotto „Was für ein Vertrauen": Schüler*innen bauen ihre Deutungen des Psalms (Dankbarkeit, Angst, Vertrauen auf Gott) in der Spielwelt nach. Ein virtuelles Museum mit Nachbauten biblischer Orte (Zweiter Tempel, Häuser zur Zeit Jesu, Fischerboot) ermöglicht zudem einen visuellen Zugang zur Lebenswelt der Bibel – auch ohne aktive Projektteilnahme, mit nur einem Laptop und Beamer.

Das Medium „Stein für Stein mit Lukas von Gott erzählen. Theologie von Kindern für Kinder“ von Mareike Witt stellt einen Unterrichtsentwurf zur Arbeit mit der Berliner Bibel „Erzähl von Jesus – Lukas“ vor. Die Berliner Bibel entstand aus einem Projekt mit mehr als 1000 Lernenden aus Berlin und Brandenburg. Die beteiligten Gruppen beschäftigten sich jeweils mit einem Abschnitt des Lukasevangeliums, gestalteten die biblischen Szenen mit Bausteinen und Figuren, fotografierten ihre Darstellungen und versahen die Bilder mit Texten und Dialogen. Dadurch entstand eine Bibel von Kindern für Kinder, die bewusst keine einheitliche Interpretation des Lukasevangeliums präsentiert, sondern unterschiedliche lebensweltliche Zugänge und Deutungen sichtbar macht. Der Unterrichtsvorschlag richtet sich an die Klassenstufen 4 bis 7 und verfolgt das Ziel, Lernende als Theologinnen und Theologen ernst zu nehmen und sie zur Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Gottesvorstellungen anzuregen. Inhaltlich werden zentrale Texte des Lukasevangeliums aufgegriffen, darunter die Geburt und Taufe Jesu, die Speisung der 5000, Heilungsgeschichten, die Kindersegnung, die Begegnung mit Zachäus sowie Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, was Lukas über Gott und über das Verhältnis zwischen Gott und Menschen erzählt.

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Das Medium eignet sich besonders für einen subjektorientierten, bibeldidaktischen und handlungsorientierten Religionsunterricht. Sein besonderer didaktischer Wert liegt darin, dass Lernende biblische Texte nicht nur lesen und wiedergeben, sondern als deutungsbedürftige Texte kennenlernen. Die Bilder der Berliner Bibel sind bereits Interpretationen von Lernenden. Die Auswahl einer Szene, die Position der Figuren, die Gestaltung des Hintergrundes sowie Sprechblasen und Dialoge bringen jeweils zum Ausdruck, wie die Gestaltenden einen Bibeltext verstanden haben. Im Unterricht kann deshalb zunächst die bildliche Darstellung betrachtet werden, bevor der zugrunde liegende Bibeltext gelesen wird. Auf diese Weise werden die Lernenden für den Unterschied zwischen biblischem Text und dessen Interpretation sensibilisiert. Sie können entdecken, dass eine bildliche Darstellung bestimmte Aspekte hervorhebt, andere zurücktreten lässt und damit immer auch eine Deutung enthält.

Als Einstieg bietet sich das im Medium vorgestellte Bild mit einer zunächst leeren Sprechblase an. Die Lernenden betrachten die dargestellte Situation und formulieren Vermutungen darüber, wer zu sehen ist, was geschehen könnte und welche Aussage in die Sprechblase passen würde. Das aktiviert Vorwissen und eröffnet einen niedrigschwelligen Zugang zum Lukasevangelium. Unterschiedliche Vorschläge sollten zunächst gleichberechtigt gesammelt werden. Anschließend kann die ursprüngliche Gestaltung der Berliner Bibel betrachtet werden. Durch den Vergleich wird deutlich, dass unterschiedliche Personen dieselbe Szene verschieden wahrnehmen und interpretieren können. Das Medium schlägt anschließend eine Gruppenarbeit vor, bei der verschiedene biblische Geschichten anhand der Bibelcomics erschlossen und der Lerngruppe präsentiert werden.

Für die Erarbeitung eignet sich besonders der Vergleich von Bibelcomic und biblischem Text. Der erste Arbeitsbogen fordert die Lernenden dazu auf, zunächst die Handlung des Comics zusammenzufassen und Aussagen über Jesus herauszuarbeiten. Anschließend wird der entsprechende Bibeltext gelesen. Die Lernenden vergleichen beide Fassungen und untersuchen, welche Inhalte die Gestaltenden des Comics besonders ausführlich dargestellt haben und welche Aspekte des biblischen Textes darüber hinaus vorkommen. Diese Vorgehensweise fördert genaues Wahrnehmen und Lesen sowie die Fähigkeit, zwischen Text, Bild und Interpretation zu unterscheiden. Im Unterrichtsgespräch kann vertiefend gefragt werden, warum eine bestimmte Szene ausgewählt wurde, welche Eigenschaften Jesu hervorgehoben werden und welches Gottesbild dadurch sichtbar wird.

Die verschiedenen Geschichten sollten nicht ausschließlich einzeln betrachtet, sondern miteinander in Beziehung gesetzt werden. Gerade darin liegt ein zentrales Anliegen des Mediums. Eine Vereinzelung biblischer Geschichten soll vermieden und die Theologie des Lukasevangeliums anhand mehrerer Texte erschlossen werden. So können die Lernenden untersuchen, welchen Menschen sich Jesus zuwendet und welche Vorstellungen von Gott dadurch vermittelt werden. Die ausgewählten Texte zeigen Jesus unter anderem in der Begegnung mit Kindern, Kranken, Hungrigen, Verlorenen und schuldig gewordenen Menschen. Jesus erscheint dabei als derjenige, in dem sich Gott den Menschen zuwendet. Die Lernenden können Gemeinsamkeiten zwischen den Geschichten suchen und daraus eigene Aussagen formulieren, etwa darüber, wie Gott handelt, wem sich Jesus zuwendet und wodurch sich das Leben von Menschen verändert.

Die auf den Seiten 8 bis 10 dargestellte Ergebnissicherung unterstützt diesen Prozess besonders gut. Zu verschiedenen Geschichten des Lukasevangeliums sollen die Lernenden formulieren, was Lukas mit der jeweiligen Erzählung über das Verhältnis von Gott und Menschen aussagen wollte. Dabei werden Geburt und Taufe Jesu, Speisung, Heilungen, Kindersegnung, Zachäus, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt miteinander verbunden. Die Aufgabe eignet sich sowohl für Einzelarbeit als auch für Partnerarbeit. Anschließend können die Ergebnisse im Plenum gesammelt und zu übergeordneten Aussagen über das lukanische Gottesbild geordnet werden. Wichtig ist, unterschiedliche Deutungen zuzulassen und diese am jeweiligen Text oder Bild begründen zu lassen.

Ein zweiter methodischer Schwerpunkt führt von der Analyse fremder Interpretationen zur Produktion einer eigenen Interpretation. Vorgesehen ist die intensive Beschäftigung mit der Geschichte vom Vater und seinen zwei Söhnen. Die Lernenden lesen die Geschichte, erzählen sie einander, gliedern sie in einzelne Szenen und setzen sich mit den Gefühlen und Verhaltensweisen der beteiligten Personen auseinander. Ein Gefühlsbarometer kann dabei helfen, Veränderungen innerhalb der Geschichte sichtbar zu machen. Anschließend überlegen die Lernenden, wofür die Geschichte ein Beispiel sein könnte und was Jesus mit ihr über Gott erzählen wollte. Gerade an dieser Stelle bietet sich ein theologisches Gespräch an. Fragen nach Vergebung, Gerechtigkeit, Neid, Liebe, Schuld, Annahme und Neuanfang können aufgenommen werden, ohne die Erzählung vorschnell auf eine einzige Botschaft festzulegen.

Anschließend gestalten die Lernenden selbst ein Comicbild. Dazu wählen sie eine Szene aus, bestimmen die beteiligten Personen, gestalten den Hintergrund und überlegen, was die Figuren sagen oder denken könnten. Die Szene wird mit Figuren und Bausteinen aufgebaut und fotografiert. Danach können Sprechblasen und Denkblasen ergänzt werden. Methodisch entscheidend ist die Reflexion der gestalterischen Entscheidungen. Die Lehrkraft kann fragen, warum gerade diese Szene ausgewählt wurde, weshalb eine Figur an einer bestimmten Stelle steht, welche Gefühle dargestellt werden sollen und warum eine bestimmte Aussage in einer Sprechblase erscheint. Dadurch wird das kreative Gestalten zu einer Form theologischer Interpretation.

Die fertigen Arbeiten können in einem Rundgang präsentiert werden. Die Lernenden betrachten zunächst die Darstellungen der anderen Gruppen und formulieren Vermutungen über deren Aussage. Danach erläutern die jeweiligen Gruppen ihre Entscheidungen. Das Medium sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, die gestalteten Szenen in einem Gallerywalk zu präsentieren und die unterschiedlichen Interpretationen miteinander zu diskutieren. Besonders produktiv ist es, wenn mehrere Gruppen dieselbe Geschichte unterschiedlich darstellen. Dadurch wird unmittelbar erfahrbar, dass biblische Texte unterschiedliche Perspektiven eröffnen und dass Interpretation begründet werden muss.

Zum Abschluss bietet sich eine persönliche Reflexion der Gottesvorstellungen an. Die Lernenden können zunächst unterscheiden, welches Gottesbild sie in den Texten des Lukasevangeliums wahrnehmen, welches Gottesbild die Berliner Bibel vermittelt und welche Vorstellungen sie selbst von Gott haben. Der im Medium vorgeschlagene Brief eignet sich hierfür besonders. Die Lernenden sollen darin einer vertrauten Person erklären, was sie selbst über Gott denken. Diese Aufgabe ermöglicht eine individuelle Positionierung, ohne ein persönliches Bekenntnis einzufordern. Lernende sollten ausdrücklich auch Zweifel, Fragen, Unsicherheiten oder Distanz formulieren dürfen. Auf diese Weise verbindet das Medium biblisches Lernen mit Kinder und Jugendtheologie, ästhetischem Lernen, Perspektivübernahme, kreativem Gestalten und religiöser Urteilsbildung.


Klassenstufe: Nicht explizit angegeben; dem Kontext nach geeignet für Klasse 4–7, mit Anpassungen auch für höhere Jahrgänge; der Museumsbereich ist bereits ab Klasse 3 nutzbar.

Thematische Einordnung:

Der Artikel zeigt einen ungewöhnlichen, aber didaktisch durchdachten Zugang: Minecraft wird nicht als Selbstzweck eingesetzt, sondern als kreatives Ausdrucksmittel für theologische Deutungsarbeit. Das Bauen als Form der Bibelauslegung knüpft an den kindertheologischen Ansatz an – Schüler*innen übersetzen ihre Gottesbilder und Vertrauenserfahrungen in dreidimensionale Konstruktionen. Der Psalm 23 eignet sich für diesen Ansatz besonders gut, da er reich an konkreten Bildern ist (grüne Wiese, dunkles Tal, gedeckter Tisch), die sich räumlich interpretieren lassen.

Aufbau der Unterrichtseinheit (3 Phasen, ca. 3–4 Stunden):


Phase 1 – Texterschließung (1 Stunde, ohne Computer): Psalm 23 wird gelesen und in seinen Deutungsebenen erschlossen. Die vier Leitfragen (Wofür kannst du Gott dankbar sein? Was macht dir Angst? Wie siehst du Vertrauen auf Gott?) sind klar und lebensweltlich orientiert. Diese Phase ist entscheidend: Erst wenn die theologische Reflexion analog erarbeitet ist, folgt die digitale Umsetzung. Das verhindert, dass Minecraft zum bloßen Spielen wird.

Phase 2 – Umsetzung in Minecraft (1–2 Stunden): Die Schüler*innen bauen ihre Interpretationen auf der zugewiesenen Teilfläche des Servers. Die Empfehlung, je zwei Kinder an einen Rechner zu setzen, fördert kooperatives Arbeiten und gegenseitige Erklärung. Das abschließende Verschriftlichen (Warum habe ich was gebaut?) sichert die Reflexion und verbindet die kreative mit der kognitiven Ebene.

Phase 3 – Präsentation und Reflexion (1 Stunde): Der virtuelle Rundgang durch alle Ergebnisse ist methodisch stark: Unterschiedliche Interpretationen desselben Textes werden sichtbar und können verglichen werden. Diese Phase hat großes Potenzial für theologische Gespräche über Gottesbilder und Vertrauenserfahrungen.


Museumsbereich als eigenständige Option:

Auch für Schulen ohne ausreichende Computerausstattung ist der Museumsbereich des Servers nutzbar (ein Laptop + Beamer). Die virtuellen Nachbauten des Zweiten Tempels, von Häusern zur Zeit Jesu und des Fischerboots bieten einen plastischen, visuellen Zugang zu biblischen Lebenswelten, den kein Bild oder Schulbuch ersetzen kann. Dieser Bereich eignet sich besonders als Einstieg in Einheiten zu Jesus, Tempel oder See Genezareth.

Methodische Stärken:

Die klare Dreischritt-Struktur (analog erschließen – digital gestalten – gemeinsam reflektieren) verhindert eine Beliebigkeit des Medieneinsatzes. Die Serverstruktur der vCBA nimmt Lehrkräften technische und pädagogische Vorbereitungsarbeit ab. Das Museum schafft eine nachhaltige Sichtbarkeit der Schülerergebnisse über den Projektrahmen hinaus.

Hinweise zur Vorbereitung:


Technische Voraussetzungen vorab klären: Minecraft-Lizenzen, Internetzugang, Anzahl verfügbarer Geräte.

Kontakt zur vCBA aufnehmen (www.canstein-berlin.de/minecraftserver) – die Ansprechpartner*innen unterstützen bei Einstieg und Projektplanung.

Für Schulen ohne Klassensatz: Einzelne Minecraft-affine Schüler*innen können das Projekt zuhause bearbeiten und Ergebnisse (Screenshots, kurze Videos) in den Unterricht mitbringen.

Das konkrete Psalm-23-Projekt war auf den Kirchentag 2019 bezogen – für aktuelle Projekte muss die vCBA-Homepage konsultiert werden.

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