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Evangelische Landeskirche Württemberg

Evangelische Landeskirche Württemberg

„Das Opfer der Witwe“ (Markus 12, 41-44)

Veröffentlichung:1.1.1970

Das dreiseitige Arbeitsmaterial „Das Opfer der Witwe“ greift die biblische Erzählung aus Markus 12,41 bis 44 auf und bereitet sie als anschauliche Fotostory für den evangelischen Religionsunterricht in den Klassenstufen 1 und 2 auf. Die Geschichte wird anhand von sechs aufeinanderfolgenden Szenen erzählt, die mit Fotografien von biblischen Erzählfiguren gestaltet sind. Im Mittelpunkt steht eine arme Witwe, die im Tempel von Jerusalem ihre letzten beiden kleinen Münzen spendet, während wohlhabende Männer große Geldbeträge in die Opferkästen legen. Jesus beobachtet das Geschehen und lenkt die Aufmerksamkeit seiner Freunde auf den besonderen Wert der Gabe der Witwe. Die Fotografien werden durch kurze Erzähltexte sowie leere Sprechblasen und Gedankenblasen ergänzt. Vorgegebene Satzanfänge unterstützen die Lernenden dabei, eigene Gedanken, Gefühle und Aussagen der dargestellten Personen zu formulieren. Als Einstieg dient ein auf dem Arbeitsblatt verlinktes Video zur biblischen Geschichte. Das Medium verbindet damit die visuelle Erschließung einer biblischen Erzählung mit einer kreativen Schreibaufgabe und der Auseinandersetzung mit Fragen nach Gerechtigkeit, Großzügigkeit, Glauben und dem Wert menschlichen Handelns.

Das Video zum Material ist auf dieser Seite von ru-digital im Dropdown Menü eingebettete Medien zu finden.

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Die Fotostory eignet sich besonders für einen handlungsorientierten, sprachsensiblen und subjektorientierten Religionsunterricht in der Schuleingangsphase. Sie ermöglicht den Lernenden einen altersgerechten Zugang zur biblischen Erzählung und eröffnet vielfältige Möglichkeiten, sich mit den unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Personen auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt der religionspädagogischen Arbeit steht die Erkenntnis, dass der Wert einer Gabe nicht allein an ihrer materiellen Größe gemessen werden kann. Die Erzählung verdeutlicht, dass Jesus die arme Witwe besonders hervorhebt, weil sie trotz ihrer Armut alles gibt, was sie zum Leben hat. Damit stellt er verbreitete Vorstellungen von Reichtum, Anerkennung und religiöser Leistung infrage. Die Lernenden können entdecken, dass für die Beurteilung menschlichen Handelns nicht nur das sichtbare Ergebnis, sondern auch die persönliche Lebenssituation, die innere Haltung und die Bedeutung einer Handlung für den gebenden Menschen entscheidend sind. Zugleich bietet die Geschichte einen Anlass, über das eigene Gottesbild nachzudenken und zu fragen, ob Gottes Zuwendung von Geld, Leistung oder gesellschaftlichem Ansehen abhängig ist.

Als Einstieg in die Unterrichtsarbeit bietet sich ein Gespräch über das Schenken, Teilen und Helfen an. Die Lernenden können von eigenen Erfahrungen berichten und überlegen, welche Geschenke für sie besonders wertvoll sind. Dabei kann die Frage aufgeworfen werden, ob ein teures Geschenk grundsätzlich mehr wert ist als ein kleines Geschenk, das mit besonderer Aufmerksamkeit oder unter persönlichen Anstrengungen gegeben wird. Zur Veranschaulichung können unterschiedlich große Geldbeträge, Münzen oder symbolische Geschenke eingesetzt werden. Die Lernenden erhalten Gelegenheit, erste Vermutungen darüber zu äußern, woran sich der Wert einer Gabe erkennen lässt. Anschließend kann die biblische Geschichte mithilfe des im Material angegebenen Videos eingeführt werden. Alternativ ist eine freie Erzählung durch die Lehrkraft möglich, bei der die Handlung durch biblische Erzählfiguren oder ausgewählte Fotografien aus der Fotostory unterstützt wird.

Nach der ersten Begegnung mit der Geschichte empfiehlt sich eine gemeinsame Sicherung des Handlungsverlaufs. Die Lernenden beschreiben, welche Personen auftreten, was im Tempel geschieht und worin sich die Gaben der reichen Männer und der armen Witwe unterscheiden. Dabei sollten auch die historischen und sozialen Hintergründe in elementarisierter Form erläutert werden. Insbesondere ist es hilfreich, die Bedeutung des Tempels als religiösen Mittelpunkt und die schwierige Lebenssituation vieler Witwen zur Zeit Jesu zu thematisieren. Die Lernenden können dadurch besser verstehen, weshalb die beiden kleinen Münzen für die Frau eine so große Bedeutung besitzen. Die Geschichte sollte nicht auf die einfache Aussage reduziert werden, dass arme Menschen mehr geben sollen als reiche Menschen. Vielmehr geht es darum, die besondere Wahrnehmung Jesu für einen gesellschaftlich benachteiligten Menschen und seine veränderte Bewertung der Opfergaben herauszuarbeiten. Auch die Frage, ob die Witwe ihr letztes Geld hätte abgeben müssen und welche Verantwortung eine Gemeinschaft gegenüber armen Menschen trägt, kann behutsam aufgegriffen werden.

In der anschließenden Erarbeitungsphase erhalten die Lernenden die dreiseitige Fotostory. Die sechs Szenen können zunächst gemeinsam betrachtet und in ihrer zeitlichen Abfolge besprochen werden. Die Fotografien der biblischen Erzählfiguren bieten einen anschaulichen Zugang zur Handlung und erleichtern insbesondere jüngeren Lernenden das Verständnis der dargestellten Situationen. Die leeren Sprechblasen und Gedankenblasen laden dazu ein, sich in die Figuren hineinzuversetzen und deren mögliche Aussagen, Gefühle, Wünsche und Überlegungen sprachlich auszudrücken. Dabei können die Lernenden beispielsweise überlegen, was die reichen Männer über ihre großzügigen Spenden denken, wie die umstehenden Menschen die Opfergaben beurteilen, welche Sorgen die Witwe beschäftigen und was Jesus seinen Freunden erklären möchte. Die im Material enthaltenen Satzanfänge dienen als sprachliche Hilfestellung und ermöglichen auch Lernenden mit geringer Schreibkompetenz eine aktive Beteiligung.

Methodisch empfiehlt es sich, zunächst eine ausgewählte Szene gemeinsam zu bearbeiten. Die Lehrkraft kann beispielhaft zeigen, wie aus der Betrachtung einer Figur und ihrer Situation ein passender Gedanke oder eine mögliche Äußerung entwickelt wird. Anschließend bearbeiten die Lernenden die weiteren Szenen in Einzelarbeit oder Partnerarbeit. Eine Zusammenarbeit in Kleingruppen ist ebenfalls möglich, insbesondere wenn die Geschichte zunächst mündlich ausgestaltet und die Formulierungen gemeinsam entwickelt werden sollen. Für Lernende mit noch wenig ausgeprägten schriftsprachlichen Fähigkeiten können die Sprechblasen mündlich gefüllt, Aussagen diktiert oder mithilfe von Wortkarten und einfachen Satzmustern formuliert werden. Schreibstärkere Lernende können eigene Dialoge entwickeln, ausführlichere Gedanken formulieren oder zusätzliche Aussagen ergänzen. Auf diese Weise lässt sich das Material gut an unterschiedliche Lernvoraussetzungen anpassen.

Eine besondere didaktische Bedeutung besitzt die Unterscheidung zwischen Sprechblasen und Gedankenblasen. Während Sprechblasen ausdrücken, was eine Person anderen mitteilt, ermöglichen Gedankenblasen einen Zugang zu inneren Vorstellungen, Gefühlen und Beweggründen. Dadurch werden die Lernenden angeregt, über die sichtbare Handlung hinauszudenken und unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen. Die Beschäftigung mit den Gedanken der Witwe kann Empathie fördern und für Erfahrungen von Armut, Unsicherheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung sensibilisieren. Gleichzeitig können die Gedanken der reichen Männer und der umstehenden Menschen verdeutlichen, dass äußere Erscheinungen und gesellschaftliche Anerkennung nicht immer mit dem tatsächlichen Wert einer Handlung übereinstimmen. Besonders wichtig ist die abschließende Szene, in der Jesus mit seinen Freunden über die Bedeutung der Opfergaben spricht. Sie eröffnet die Möglichkeit, die zentrale Aussage der biblischen Erzählung gemeinsam zu erschließen und die zuvor entwickelten Vorstellungen kritisch zu hinterfragen.

Zur Vertiefung können die ausgefüllten Fotostorys in Partnergruppen vorgelesen oder als kleine Rollenspiele präsentiert werden. Die Lernenden übernehmen dabei die Rollen der biblischen Personen und verleihen ihren Aussagen durch Stimme, Gestik und Körperhaltung Ausdruck. Alternativ können die Szenen als Standbilder nachgestellt werden. Durch diese darstellenden Methoden wird die Perspektivübernahme intensiviert und die emotionale Dimension der Geschichte erfahrbar gemacht. Im anschließenden Unterrichtsgespräch können unterschiedliche Formulierungen miteinander verglichen werden. Dabei sollte deutlich werden, dass nicht jede Gedankenblase eine eindeutig richtige Antwort besitzt, sondern verschiedene Deutungen möglich sind, sofern sie sich nachvollziehbar aus der biblischen Handlung ergeben.

Für die Sicherung und den Transfer bietet sich die Leitfrage an: „Was macht ein Geschenk oder eine gute Tat wirklich wertvoll?“ Die Lernenden können Beispiele aus ihrem eigenen Lebensumfeld sammeln, etwa das Teilen von Spielsachen, das Helfen im Alltag, das Trösten eines traurigen Menschen oder das Verschenken von Zeit und Aufmerksamkeit. So wird die biblische Botschaft mit ihren persönlichen Erfahrungen verknüpft. Als kreative Weiterführung können die Lernenden ein Bild zu einer besonders wertvollen Gabe gestalten oder einen eigenen kurzen Dialog zwischen Jesus und seinen Freunden verfassen. Ebenso ist eine gemeinsame Sammlung von Gedanken darüber möglich, was Menschen füreinander tun können, auch wenn sie wenig Geld besitzen.

Das Medium fördert neben dem biblischen Lernen insbesondere die religiöse Wahrnehmungsfähigkeit, die Deutungskompetenz, die sprachliche Ausdrucksfähigkeit und die Fähigkeit zur Perspektivübernahme. Die Lernenden üben, biblische Geschichten zu erschließen, Gefühle und Motive von Personen zu erkennen, eigene Wertvorstellungen zu reflektieren und religiöse Aussagen mit ihrem Alltag in Beziehung zu setzen. Die Verbindung von Video, Fotografien, Erzähltexten und kreativer Schreibarbeit berücksichtigt unterschiedliche Lernzugänge und ermöglicht eine abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung. Die Fotostory eignet sich sowohl zur vertiefenden Erarbeitung der biblischen Erzählung als auch zur Sicherung innerhalb einer Unterrichtseinheit über Jesus, das Reich Gottes, den Umgang mit Armut oder die Bedeutung von Teilen und Nächstenliebe.

Medien, die Teil des aufgelisteten Materials sind und in weiteren Kontexten Verwendung finden können.

Bibelcartoon

1.12.2022

Umfang: Anregung

Schulbereich: Primarstufe + weitere

Hessen

Hessen

Primarstufe | Primarstufe 3/4

Bibel und Tradition (Hessen | Primarstufe 3/4).

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Primarstufe | Primarstufe 3/4

Biblische Botschaft (Rheinlandpfalz | Primarstufe 3/4).

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